Der Streik der angestellten Lehrer wird sich in dieser Woche verschärfen. Schwerpunkte sind die staatlichen Europaschulen, die Oberstufenzentren und alle Schulen, an denen viele angestellte Lehrer arbeiten. Besonders heikel wird die Situation an Horten der Grundschulen, weil in manchen nahezu alle Erzieher streiken. Es könnte zum Beispiel in Pankow dazu kommen, dass selbst in nicht bestreikten Ausweich-Horten nicht alle Kinder beaufsichtigt werden können.Am Beethoven-Gymnasium in Lankwitz wird in dieser Woche besonders viel Unterricht ausfallen. Elf der 75 Lehrer werden streiken, weil sie als Angestellte deutlich weniger Geld erhalten als ihre verbeamteten Kollegen. "Wir kommen an die Grenze, wo es kritisch wird", sagt Schulleiter Wolfgang Harnischfeger. Denn in dieser Woche werden auch Klausuren geschrieben. "Unsere angestellten Lehrer haben ihre Klausuren deshalb bereits am Freitag hinterlegt." Er hat noch ein anderes Problem: Schüler, die sich aufs Abitur oder den Mittleren Schulabschluss vorbereiten, haben einen Anspruch darauf, dass mindestens 70 Prozent der geplanten Stunden tatsächlich unterrichtet werden - andernfalls können die Eltern klagen, wenn ihre Kinder nicht bestehen. Deshalb werden an dem Gymnasium nun die verbeamteten Lehrer etwa in Mathe oder Physik sogenannte Vorlesungen mit Übungscharakter abhalten. Sie werden vor die komplette Jahrgangsstufe treten und das zentrale Wissen für eine Mathematikklausur vortragen. Auf diese Weise betätigen sie sich nicht als Streikbrecher, weil es sich offiziell nicht um eine Schulstunde handelt. Ein Einsatz von verbeamteten Lehrern als Streikbrecher, die das Fach anstelle des angestellten Kollegen unterrichten, wäre laut Verfassungsgericht nicht rechtens.Viele Eltern machen sich zunehmend Sorgen wegen des Unterrichtsausfalls, sagt Jamila Dybe, Gesamtelternsprecherin am Beethoven-Gymnasium. Dennoch werde der Streik der angestellten Lehrer von den meisten Eltern unterstützt. "Die jungen Lehrer wandern doch sonst in andere Bundesländer ab, wo sie mehr Geld bekommen und verbeamtet werden", sagt Jamila Dybe.Insgesamt arbeiten 28 000 Lehrer an Berlins Schulen, 5 000 davon sind Angestellte. Meist sind es junge Lehrer, wie auch am Beethoven-Gymnasium, die als Angestellte arbeiten. Harnischfeger, der auch Chef der GEW-Schulleitervereinigung ist, möchte, dass diese jungen Kollegen "nicht zu Billiglöhnen" arbeiten.André Schindler, Vorsitzender des Landeselternausschusses, kritisiert hingegen den Streik, weil er nur Schülern und Eltern schade. Er zweifelt zudem daran, dass der Streik legal ist. "Wir haben doch eigentlich Friedenspflicht, da es einen bestehenden Tarifvertrag gibt", so Schindler. Er fordert den Senat auf, dies zu überprüfen. Die Eltern von Hortkindern rief er dazu auf, eine Notbetreuung unbedingt schriftlich zu beantragen. Dann dürften Erzieherinnen ihre Aufsichtspflicht nicht verletzen.------------------------------Mit Wartezeiten ist zu rechnenDie Gewerkschaften rufen von heute bis 17.11. Beschäftigte des Landesdienstes zum Streik auf. Heute beginnt um 9 Uhr eine Demonstration am Potsdamer Platz.In Bürgerämtern wird ebenso gestreikt wie in Schulen Kitas, Horten, Ordnungsämtern und Kfz-Zulassungsstellen. Berliner müssen mit stundenlangen Wartezeiten rechnen.2,9 Prozent mehr Lohn und drei Mal je 300 Euro werden gefordert. Der Senat lehnt dies ab. Er zahlt 2008 ohne Tarifabschluss 300 Euro, 2009 noch einmal diese Summe.
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