Auf der Suche nach dem reinen Ton

STAATSOPER UNTER DEN LINDEN Wiederaufnahme der Oper "Der ferne Klang" von Franz Schreker in der Inszenierung von Peter Mussbach

BLZ
4 Min

Im Jahre 1912 wurde Franz Schreker mit der Uraufführung von "Der ferne Klang" in Frankfurt am Main über Nacht berühmt. Bis in die 1920er Jahre war Schreker der meistgespielte zeitgenössische Opernkomponist, erfolgreicher noch als Richard Strauss. Als Vertreter einer neuen Idee von Musiktheater bedient sich Schreker noch einer leicht zugänglichen musikalischen Sprache und wurde auf diese Weise zu einem Bindeglied zwischen dem 19. Jahrhundert und der Moderne. Seine Tonsprache baut auf einem groß besetzten, äußerst differenziert und farbenreich behandelten Orchester auf, benutzt aber eine frei schweifende Harmonik. Mit Schrekers frühem Tod 1934 und der Machtübernahme der Nationalsozialisten verschwand einer der wichtigsten Komponisten des 20. Jahrhunderts von den Spielplänen der Opernhäuser. Erst seit etwa 30 Jahren wird Schrekers Musik wieder gespielt."Der ferne Klang" entwirft mit der Figur der Grete das Psychogramm einer jungen Frau, an deren innerem Schicksal sich die Krise unserer Vorstellung von Individuum auf frappierende Weise nachvollziehen lässt. Schreker nutzte die Erkenntnisse der Psychoanalyse für die Konzeption dieser Figur. Seine Oper entstand im Wien der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg: Sigmund Freud formulierte seine Entdeckungen über die menschliche Psyche, Gustav Klimt schuf seine Arbeiten über Schönheit und Sexualität. Schönberg und Schreker, gut miteinander bekannt, betraten auf jeweils eigene Weise musikalisches Neuland.Mit Peter Mussbachs Inszenierung von "Der ferne Klang" nimmt die Staatsoper eine Produktion wieder auf, die bei der Premiere 2001 internationale Beachtung fand. Anne Schwanewilms, die im Januar die weibliche Hauptrolle der Grete singt, wurde bereits bei der Premiere für ihre Gestaltung dieser Rolle von der Zeitschrift Opernwelt zur "Sängerin des Jahres" gewählt.ABONNEMENTKONZERTEin reines Schönberg-Programm hat Daniel Barenboim für das 5. Abonnementkonzert der Staatskapelle Berlin zusammengestellt. Mit der für einen ebenso opulenten wie klanglich vielgestaltigen Orchesterapparat geschriebenen Tondichtung "Pelleas und Melisande" op. 5 nach dem Schauspiel von Maurice Maeterlinck sowie der Streichorchesterfassung von "Verklärte Nacht" op. 4 nach einem Gedicht von Richard Dehmel erklingen zwei Werke aus Schönbergs früher Schaffensphase, die noch wesentlich von der spätromantischen Ästhetik geprägt war. Die das Konzert beschließenden "Variationen für Orchester" op. 31 sind dagegen von anderer Art: Mit diesem Werk demonstrierte Schönberg, dass man auch durchaus für großes Orchester zwölftönig komponieren kann - ebenso einfallsreich wie streng konstruiert. Für Dirigent und Orchester, die sich in den vergangenen Jahren verstärkt dem musikalischen œuvre Schönbergs zugewendet haben, sind diese Werke vertrautes Terrain und Herausforderung zugleich.SONNTAGSMATINEEFür seine mittlerweile dritte Sonntagsmatinee der Saison hat sich Daniel Barenboim die Sopranistin Dorothea Röschmann eingeladen, die, nachdem sie über längere Zeit Ensemblemitglied der Staatsoper Unter den Linden war, dem Haus nunmehr als Gast verbunden ist. Als Elsa brillierte sie in der Neuproduktion von Wagners "Lohengrin", nunmehr ist sie als Liedsängerin zu erleben. Dass dabei zwei Liedzyklen Robert Schumanns den Rahmen bilden, erscheint nur folgerichtig, feiert die Musikwelt 2010 doch den 200. Geburtstag des Komponisten. Mit "Frauenliebe und -leben" aus Schumanns "Liederjahr" 1840 widmen sich Sängerin und Pianist einem prominenten Werk, während die zu seinen letzten Kompositionen zählenden Vertonungen der Gedichte der Königin Maria Stuart vergleichsweise selten zu hören sind. Franz Schuberts inspirierte Gesangsszene "Der Hirt auf dem Felsen" sowie Lieder des inzwischen 101-Jährigen Amerikaners Elliott Carter schaffen dazu spannungsvolle Kontraste.KAMMERMUSIKREIHEDie im Herbst begonnene Kammermusikreihe "Blicke auf Mendelssohn" findet im Januar ihre Fortsetzung. Gleich vier Konzerte sind im Apollo-Saal der Staatsoper zu erleben - mit einem breiten Spektrum an Werken, Stilen und Besetzungen. Kompositionen Mendelssohns bilden den Ausgangspunkt für interessante Kopplungen mit anderen Stücken. So stellt das Berliner Brahms Trio ein Klaviertrio Mendelssohns der glänzenden Debütkomposition des Belgiers César Franck gegenüber. Die für Klavier geschriebenen "Lieder ohne Worte" finden in Antonín Dvoraks "Zypressen für Streichquartett" ein reizvolles Pendant, wie ein weiteres Konzert bezeugen wird. Das Bläserquintett der Staatskapelle Berlin hat sich zu seinem 15-jährigen Jubiläum David Geringas eingeladen, der Sergej Prokofjews "Sonate für Violoncello" spielen wird. Und nicht zuletzt ist auch der Kammerchor "Apollini et Musis" mit Musik von der Renaissance bis zur Moderne mit dabei.------------------------------Der ferne KlangOper von Franz Schreker.Musikalische Leitung: Pedro Halffter.Inszenierung: Peter Mussbach.Bühnenbild: Erich Wonder, Kostüme: Andrea Schmidt-Futterer, Chöre: Eberhard Friedrich.Mit Anne Schwanewilms, Burkhard Fritz, Hanno Müller-Brachmann, Stephan Rügamer, Rinnat Moriah.Staatskapelle Berlin.Staatsopernchor.Am 17., 21. & 23. Januar.5. Abonnementkonzert der Staatskapelle BerlinDirigent: Daniel Barenboim.Werke von Arnold Schönberg.Am 24. Januar im Konzerthaus Berlin und am 25. Januar in der Philharmonie, jeweils um 20 Uhr.Konzerteinführung um 19.15 Uhr.Staatsoper Unter den LindenUnter den Linden 5-7, 10117 BerlinKartentelefon: (030) 20 35 45 55www.staatsoper-berlin.de------------------------------Foto: "Der ferne Klang" - mit Anne Schwanewilms und Hanno Müller-Brachmann.Foto: Daniel Barenboim stellte für das 5. Abonnementkonzert ein Schönberg-Programm zusammen.

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