Auch wer das Pferd von hinten aufzäumt, kommt gelegentlich ans Ziel. Der politische Umgang mit der Grünen Gentechnik, also gentechnisch veränderten Nutzpflanzen wie der Maissorte Mon810, liefert dafür ein schönes Beispiel. Das Verbot der aus den USA stammenden und in Europa seit elf Jahren zugelassenen Sorte durch Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner ist richtig. Da niemand die Risiken für Tiere, andere Pflanzen und nicht zuletzt den Menschen als letztes Glied der Nahrungskette abschätzen kann, ist der Anbau und Verkauf von Mon810 unverantwortlich.Die Bundesregierung hat mithin das Richtige getan - allerdings aus falschen Beweggründen und mit großer Verspätung. Aigner beruft sich in ihrer Verbotsbegründung auf jüngere Studien, die erstmals auf Schäden durch die Genmanipulation an Maispflanzen hindeuteten. Und ihr Vorgänger Horst Seehofer, der sich in der Genmais-Frage vom Saulus zum Paulus gewandelt hat, weist auf offene Fragen hin, die zu klären seien. Nur: Ungezählte Fragen nach Wirkung und Gefahren waren schon offen, als Brüssel Mon810 trotz bestehender Zweifel zuließ, als der frühere Agrarminister Seehofer den Anbau in Deutschland erlaubte, als Verbraucher und Umweltschützer protestierten und dafür als fortschrittsfeindlich beschimpft wurden. Die neuen Studien beschwören kein neues Risiko - sie belegen nur, dass die alte Warnung vor den Risiken berechtigt war. Der Skandal ist, dass das nachträgliche Verbot überhaupt nötig ist, weil ohne genaue Prüfung aller Umstände und möglicher Gefahren genmanipulierte Pflanzen angebaut werden durften.
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]