Auf ihrer Afrika-Reise kritisiert Hillary Clinton Korruption eher milde und schließt Investitionsabkommen. Doch einigen Menschen macht der Besuch der US-Außenministerin auch Mut

Hilfe, Hoffnung und Geschäfte

Marc Engelhardt
4 Min

NAIROBI. So sonnig wie das Wetter in Luanda war das Lächeln, das Hillary Clinton den Kameras in Angolas Hauptstadt schenkte. Auch ihre Worte waren warm. Nachdem sie wenige Tage zuvor in Kenia lautstark Korruption verurteilt und gute Regierungsführung eingefordert hatte, wirkte die Kritik an Angolas Regierung milder. "Korruption ist überall ein Problem", erklärte die US-Außenministerin versöhnlicher.Oppositionspolitiker und Menschenrechtler hingegen prangern seit Jahren an, dass Milliardengewinne in Afrikas größter Ölfördernation zum großen Teil in den Taschen der regierenden Elite versickern. Clinton hingegen ist nachsichtig: "Es ist nur fair zu sagen, dass Angola begonnen hat, seine Transparenz zu erhöhen", erklärte die Außenministerin und stellte damit sicher, dass die seit der Wahl von Präsident Obama verbesserten Beziehungen zwischen Angola und den USA nicht gefährdet werden.Für den seit drei Jahrzehnten regierenden Präsidenten José Eduardo dos Santos sind die USA alles andere als ein einfacher Partner. Sieben Jahre nach Ende des Bürgerkriegs in Angola, den die USA durch die Finanzierung und Ausrüstung von dos Santos Erzfeinden, den Rebellen der Unita, anheizten, stehen viele Veteranen Amerika skeptisch gegenüber. 27 Jahre dauerten die Kämpfe, mehr als 300 000 Menschen kamen ums Leben. Umso überraschender ist der wirtschaftliche Aufschwung des Landes, das im Jahr 2008 mit 29 Prozent einen der weltweit höchsten Handelsbilanzüberschüsse vorweisen konnte. Seit Jahren ist Angola eine der boomendsten Nationen Afrikas, auch wenn der Großteil der Bevölkerung unter der Armutsgrenze lebt.Luanda, mit seinen protzenden Neubauten, gilt heute zwar als die teuerste Metropole der Welt, in der ausländische Ölarbeiter für ein einfaches Apartment mehr als 10 000 Euro im Monat bezahlen. Doch auf dem Land sind die Folgen des Krieges noch immer zu spüren. Im Planalto haben angolanische Bauern einst so viel angebaut, dass ein Großteil der Ernte exportiert werden konnte. Heute muss Angola über die Hälfte der Lebensmittel einführen. Viele Angolaner überleben nur mit Nahrungsmittelhilfen.Einer der Gründe, warum selbst fruchtbarstes Land nicht bebaut werden kann, sind Landminen. In der Stadt Kuito etwa, verlief die Front mitten durch das Zentrum, sagt Richard Grindle. Er arbeitet für eine Nichtregierungsorganisation, die versucht, Angola minenfrei zu machen. Nach Angaben des Experten liegen bis heute in Kuito Minen verschiedener Rebellengruppen in Schichten übereinander, weil sich im Verlauf des Kriegs die Fronten änderten. "Eine einzige Mine reicht aus, um einen Bus in die Luft zu sprengen", sagt der Helfer. Deshalb müssen Grindle und sein Team alle Straßen überprüfen. Trotz fortschrittlicher Technik kommen sie pro Tag meist aber nur wenige hundert Meter vorwärts. Bis alle Minen entfernt sind, wird es vermutlich noch zehn Jahre dauern.Dank eines Kreditprogramms der Regierung, von dem auch viele Kleinbauern profitieren, wächst der Agrarsektor des Landes aber stetig. Auch Clinton unterschreibt am Montag ein Abkommen, das Millionenhilfen für den Wiederaufbau der Landwirtschaft vorsieht. US-Unternehmen investieren auch in den Aufbau der Flüssiggasproduktion und die Ölförderung. Gut die Hälfte des angolanischen Öls wird von US-Firmen gefördert, obwohl die USA bislang nur sieben Prozent ihres Ölbedarfs aus Angola decken. Für China hingegen ist Angola der größte Öllieferant. Auch wenn es Clinton auf ihrer elftägigen Afrika-Reise immer wieder bestreitet, so steht der Kampf um Rohstoffe doch im Zentrum ihrer Visite.Auch im Kongo, wo Clinton am Montagnachmittag landete, wird die Rohstoffförderung eine Rolle in ihren Gesprächen spielen, wenn sie am Dienstag mit Präsident Joseph Kabila zusammentrifft. Kaum ein anderes afrikanisches Land verfügt über eine solche Fülle an Mineralien, wie das ehemalige Zaïre. Auch dieses Land leidet, wie sein Nachbar Angola, unter den Folgen eines jahrzehntelangen Bürgerkriegs. Doch anders als in Angola ist hier ein Ende des Bürgerkriegs nicht in Sicht. "Frauen werden vergewaltigt, Häuser werden abgefackelt, ganze Dörfer geplündert", beschreibt Marcel Stoessel von Oxfam die Situation. Zu den Tätern gehören auch Regierungssoldaten. Über 300 000 Menschen sind seit Anfang des Jahres aus ihren Dörfern in der Nord-Kivu-Region geflohen.Und doch gibt es auch im Kongo Hoffnung. "Es ist ein gutes Zeichen, dass Hillary Clinton hierher kommt, um die Folgen des Kriegs zu sehen", sagt Florence Jambuko, die sich schon seit Wochen auf den Besuch der US-Außenministerin in der Provinzhauptstadt Goma freut. "Wenn die USA genügend Druck ausüben, wird es vielleicht eines Tages Frieden geben."------------------------------Foto: Willkommen in Luanda. Angolas Außenminister Assuncao dos Santos empfängt seine US-amerikanische Amtskollegin Hillary Clinton.

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