Klick-Kultur

Aufmerksamkeit um jeden Preis: Wie der Kampf um Klicks die Modewochen vereinnahmt

Polarisierende Influencer, Nepo-Babys und schlammige Laufstege: Warum immer mehr Marken auf kalkulierte Skandale setzen und die Mode zur Nebensache wird.

4 Min
Seit einigen Jahren hat der Algorithmus die Modewochen fest im Griff – die Mode wird da stellenweise zur Nebensache.

Seit einigen Jahren hat der Algorithmus die Modewochen fest im Griff – die Mode wird da stellenweise zur Nebensache.

© Collage: Berliner Zeitung, Fotos: Imago, Instagram: clavicular0

Die Pariser Modewoche hat es wieder einmal bewiesen: Will ein Designer im Gespräch bleiben, so erreicht er das am zuverlässigsten, indem er für Ärger sorgt. Das jüngste Beispiel lieferte das Label 424: Für ihre Show vor wenigen Tagen buchte die Brand den umstrittenen Streamer und das Aushängeschild der sogenannten Looksmaxxing-Kultur, Clavicular. 

Die 2015 vom guatemaltekischen Designer Guillermo Andrade gegründete und für luxuriöse Streetwear bekannte Marke 424 präsentiert seit Januar 2025 auf der Pariser Modewoche. Der 20-jährige Clavicular, der mit bürgerlichem Namen Braden Peters heißt, ist vor allem für seine extremen Schönheitsideale bekannt – etwa für das sogenannte Bone Smashing, einen gefährlichen Internettrend, bei dem sich meist junge Männer das Gesicht mit harten Gegenständen wie Hämmern deformieren in dem Irrglauben, die Knochen würden dadurch markanter wieder zusammenwachsen.

Neben der Propagierung solcher Praktiken machte Clavicular wiederholt durch den Missbrauch harter Drogen vor laufender Kamera Schlagzeilen. Seine Präsenz auf dem Laufsteg entfachte im Netz genau das, worauf es das Label vermutlich abgesehen hatte: empörte Kommentare und viel Aufmerksamkeit. Die Mode selbst – er trug weiße Jeans und T-Shirt – wurde dabei zur reinen Nebensache.

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