Landwirtschaft

Aufregung im Kuhstall: Müllermilch will zweitgrößte Molkerei Sachsens übernehmen

Die Unternehmensgruppe Theo Müller will weiter wachsen. Es gibt ein Übernahmeangebot für Sachsens zweitgrößte Molkerei im Vogtland, doch für die Erzeuger bleiben viele Fragen.

4 Min
Die Schlachtzahlen sind weiter hoch, der trockene Sommer hat sich negativ auf die Futtermengen ausgewirkt. Die Folge sind leicht steigende Preise für die Milcherzeuger.

Die Schlachtzahlen sind weiter hoch, der trockene Sommer hat sich negativ auf die Futtermengen ausgewirkt. Die Folge sind leicht steigende Preise für die Milcherzeuger.

© Jens Büttner

Der Zeitplan ist eng gesetzt. Bereits Anfang 2027 möchte die Unternehmensgruppe Theo Müller Eigentümer der Vogtlandmilch GmbH sein, vorausgesetzt, die Genossenschaftsmitglieder stimmen zu. Sie wurden am Dienstagnachmittag über die Übernahmepläne des Milchgiganten informiert, der bereits ein Werk in Leppersdorf (Landkreis Bautzen) betreibt und dort unter anderem für die Marken Müllermilch, Sachsenmilch und Weihenstephan produziert.

Der Geschäftsführer von Sachsenmilch, Mathias Hauer, war persönlich ins Vogtland gereist, um den Genossenschaftsmitgliedern und Milcherzeugern die Pläne vorzustellen. Demnach soll der Standort in Plauen als eigenständige Betriebsstätte erhalten und deutlich vergrößert werden, auch, weil man Kapazitäten aus dem Leppersdorfer Werk nach Westsachsen verlagern möchte. Rund 250 Millionen Liter Milch sollen hier künftig jedes Jahr verarbeitet werden. Schwerpunkt wird laut Hauer die Quarkherstellung sein, vor allem für die Marke Landliebe und den italienischen Markt.

Um diese Produktionskapazitäten schaffen zu können, stellt Mathias Hauer eine Investition in Höhe von 15–20 Millionen Euro in Aussicht. Den Landwirten wird zudem eine zweijährige Milchliefer- und Abnahmegarantie versprochen. Der gezahlte Preis für den Liter Milch soll sich dabei an dem statistischen Referenzwert der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) orientieren, allerdings werde es Aufschläge geben.

Die Vogtlandmilch GmbH gehört zu gleichen Teilen der Erzeugergemeinschaft Milch Plauen eG und der Molkereigenossenschaft Glauchau eG. Das Unternehmen hat erst im vergangenen Jahr investiert. Für 46 Millionen Euro, darunter knapp 14 Millionen Euro Fördermittel, wurden modernste Produktionsanlagen angeschafft. Nach Angaben der Geschäftsführung sei die wirtschaftliche Lage stabil, es gebe für den Zeitraum der kommenden zwei Jahre eine gesicherte Fortführungsprognose. Von einer akuten Insolvenzgefahr oder einem Notverkauf könne nicht die Rede sein.

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Die Genossenschaftsmitglieder werden sich nun in knapp sechs Wochen erneut treffen, um über das Übernahmeangebot der Theo-Müller-Gruppe zu sprechen. Damit der Verkauf zustande kommt, ist eine Zustimmungsquote von 75 Prozent und mehr nötig. Für die Milchlieferanten sind aber noch einige Fragen offen, beispielsweise zum Kaufpreis. Die Rede ist von 38 Millionen Euro. Damit würde Müllermilch 35 Millionen Euro bestehende Verbindlichkeiten übernehmen und drei Millionen an die beiden Eigentümergenossenschaften für deren Geschäftsanteile überweisen.

Verkauf unter Wert?

Kritiker sehen die Molkerei damit unter Wert verkauft und verweisen auf die Bilanz von 2024, die ein Eigenkapital von 24 Millionen Euro auswies. Zudem müsse noch der Wert für die etablierten Regionalmarken wie Vogtlandweide oder Sachsenland berücksichtigt werden.

In der Kritik ist auch die Rolle der Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC), die die Verkaufsgespräche begleitet. Da PwC-Berater in der Vergangenheit auch für die Müller-Gruppe tätig waren, fordern Erzeuger nun eine lückenlose Offenlegung möglicher Interessenkonflikte.

Die Theo-Müller-Gruppe hatte erst vor wenigen Wochen mit ihrer Entscheidung für Schlagzeilen gesorgt, zahlreiche regulär bis Ende März 2027 laufende Milchlieferverträge mit Milchviehbetrieben in Nord- und Ostbrandenburg nicht zu verlängern. Es handelt sich vorwiegend um mittelgroße Betriebe, die zwischen 400–800 Milchkühe halten.

Die Milcherfassung kenne ausschließlich betriebswirtschaftliche Grenzen und finde gewissermaßen in einem bestimmten Radius rund um den Kirchturm statt, begründet der Sprecher von Sachsenmilch, Alexander Truhlar, das Auslaufen der Lieferverträge in Brandenburg. Durch drastisch gestiegene Kosten für Kraftstoffe, Energie und Personal lohnten sich extrem lange Transportwege für die Rohmilch nicht mehr. Der Konzern sortierte sein Einzugsgebiet neu, um Fahrkilometer zu sparen.

Unterdessen zeichnet sich am Milchmarkt eine leichte Entspannung an. Die Preise für den Liter steigen wieder. Nach jüngsten Branchenberichten wie dem Milchpreisbarometer werden für konventionelle Rohmilch derzeit zwischen 33 und 41 Cent pro Kilogramm gezahlt. Nachdem die Preise im Zuge einer gesteigerten EU-weiten Produktion im Frühjahr und Frühsommer spürbar eingebrochen waren, hoben viele Molkereien das Milchgeld im Spätsommer schrittweise wieder an.

Steigende Kuhschlachtungen und eine angespannte Grundfuttersituation deuten auf eine Verknappung des Rohstoffangebots hin, dem aber weiter eine rege Nachfrage gegenüberstehe, erklärt Juliane Streubel, Referatsleiterin Tierische Erzeugung beim Sächsischen Bauernverband, die Preisentwicklung im Gespräch mit der Ostdeutschen Allgemeinen.

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