BERLIN. Der "Störenfried" hat diesmal gefehlt. Doch das störte gestern die wenigsten Mitglieder auf den Aufsichtsratssitzungen von Volkswagen und Porsche: Ohne Ex-Porsche-Chef Wendelin Wiedeking haben beide Gremien ganz entspannt die nächsten Pflöcke für die Integration des Sportwagenherstellers in die Wege geleitet. Sie stimmten einer Grundlagenvereinbarung zu, nach der VW für 3,3 Milliarden Euro eine Beteiligung von 42 Prozent an Porsche übernimmt. Der Sportwagenbauer soll als zehnte Marke in den VW-Konzern integriert werden. Durch die Zusammenführung entsteht ein Konzern mit einem Absatz von rund 6,4 Millionen Fahrzeugen und mehr als 400 000 Mitarbeitern. Konzernsitz bleibt Wolfsburg. Zudem wurden die Rechte des Landes Niedersachsen bei VW festgeschrieben. Dazu gehört die 20-prozentige Sperrminorität, mit der eine Verlagerung oder gar Schließung von Standorten dauerhaft verhindert werden kann. Das Emirat Katar steigt als dritter Großaktionär neben den Familien Porsche und Piëch und Niedersachsen ein. Auch die Belegschaft soll sich am Konzern beteiligen können.Sorgen der BelegschaftDie Neuordnung war nötig geworden, weil Porsche sich beim geplanten Kauf von VW übernommen und Schulden über zehn Milliarden Euro angehäuft hatte. Nach langem Kampf setzte sich schließlich VW durch und schluckte Porsche. VW-Chef Martin Winterkorn soll nun auch Chef der Konzernholding Porsche SE werden. Bis Ende 2011 soll es zur vollständigen Verschmelzung beider Firmen kommen. Doch der VW-Chef drückt aufs Tempo: Er hoffe, er schaffe es schneller, so Winterkorn. Dann wolle Toyota an der Weltspitze ablösen.Auto-Experte Stefan Bratzel von der Fachhochschule Bergisch-Gladbach teilt zwar Winterkorns Optimismus, sieht aber zugleich auch Gefahren in dem Zusammenschluss: "Insgesamt ist Volkswagen sehr gut aufgestellt", sagte Bratzel der Berliner Zeitung. "VW hat eine strategische Größe, die im globalen Wettbewerb sehr wichtig ist." Zudem sei VW im wichtigen Wachstumsmarkt China sehr gut vertreten. Die Produktpalette vom Kleinwagen bis zum Lkw und exklusiven Sportwagen Porsche sei beinahe einmalig. "Ich sehe der Zukunft des Konzerns deshalb sehr optimistisch entgegen", sagte Bratzel.Voraussetzung sei aber eine vernünftige Integration von Porsche. "Ein Problem sehe ich darin, dass Volkswagen zu viel Liquidität, die der Konzern derzeit noch hat, jetzt für diesen Deal ausgibt." Die Krise könne aber noch lange anhalten. Bratzel rechnet mit bis zu zwei Jahren. "In der Zeit wird VW noch einige Ausgaben haben, von denen man heute noch nichts weiß. Zudem muss der Konzern kräftig in Zukunftstechnologien investieren."In diesen Krisenzeiten müsse man sich auf das Kerngeschäft konzentrieren, das brauche hohe Aufmerksamkeit, warnte Bratzel zudem. Sollte VW in eine Krise geraten, "dann haben wir ein ganz anderes Problem als bei Opel oder Schaeffler-Conti. Dann hat Deutschland wirklich ein Problem." Allein in Deutschland seien bis 100 000 Zulieferer von VW abhängig, hinzu kämen zahlreiche Händler. Die Integration müsse daher so vollzogen werden, dass möglichst wenig Liquidität verbraucht werde. "Soll das gelingen, wird VW nicht um eine Kapitalerhöhung herumkommen", so Bratzel. Wie gestern bekannt wurde, soll es bei VW 2010 eine Kapitalerhöhung geben, ein Jahr später dann auch bei Porsche. Zudem erhofft sich das Unternehmen Synergieeffekte aus der Fusion von 700 Millionen Euro im Jahr.Eine Integration Porsches sei möglich, ohne dass die Stuttgarter ihre Eigenständigkeit verlieren müssten, sagte Bratzel weiter. "Ich sehe eher die positiven Seiten. Man sieht am Fall Audi, dass eine eigenständige Entwicklung einer Marke sehr gut möglich ist." Allerdings müsse man dafür Sorge tragen, dass die Marke Porsche nichts von ihrem hohen Wert verliert. "Das macht man, indem man Porsche eine hohe Eigenständigkeit gibt", so Bratzel.VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh sieht das ähnlich: Die Marke Porsche sei "ein Mythos, niemand will Porsche die Identität nehmen. Das wäre völliger Quatsch." Die Porsche-Mitarbeiter haben indes noch andere Sorgen: Bisher verdienten sie deutlich mehr als ihre VW-Kollegen. Nun befürchten sie, an VW-Niveau angeglichen zu werden.Vom Tisch ist dagegen ein neuer alter Name für das Unternehmen: Auto Union. So hieß in den 30er Jahren ein großer deutscher Autokonzern, zu dem die heutige VW-Tochter Audi gehörte. Winterkorn wollte den Namen wiederbeleben. Der Aufsichtsrat hat aber nun beschlossen: VW behält seinen Namen.------------------------------Foto: Inspektion eines Porsche GT2: VW-Chef Martin Winterkorn geht schon mal für einen solchen Wagen auf die Knie.
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