Aus Angst vor Anschlägen: Vorm Bundeskriminalamt herrscht seit Wochenbeginn Parkverbot

Die Stellplätze sind jetzt Sicherheitszone

Marcel Gäding
3 Min

Seit Anfang der Woche dürfen Anwohner vor dem Gelände des Bundeskriminalamtes auf der Bouchéstraße nicht mehr ihre Autos parken. Das BKA hat die öffentlichen Stellplätze sperren lassen: Es will seine Berliner Außenstelle gegen mögliche Terroranschläge schützen. Damit fallen in der Bouchéstraße auf einen Schlag bis zu 60 Pkw-Stellplätze weg.Anwohner waren nicht informiertAnwohner und Geschäftsleute aus der Umgebung sind verärgert. Für sie kam die neue Regelung völlig überraschend. "Uns hat niemand darüber informiert", sagt Burkhard Horlacher, Chef der Billard-Company an der Bouchéstraße. "In der Gegend gibt es ohnehin wenig Parkplätze", sagt er. Vor allem tagsüber müssten motorisierte Kunden lange einen Stellplatz suchen. "Es kommt vor, dass vor dem BKA trotzdem Leute parken", sagt Horlacher. Einen Strafzettel habe aber noch keiner bekommen. Karsten Hillgen kommt dreimal in der Woche zum Sport in die Bouchéstraße. Für ihn ist das Parkverbot vor der BKA-Außenstelle "nicht nachvollziehbar". "Wer sein Fahrzeug da abstellen will, wird es auch weiterhin tun."Das Parkverbot ist Teil eines Sicherheitskonzepts des Bundeskriminalamts. Ähnlich wie die BKA-Zentrale in Wiesbaden ist auch die Berliner Außenstelle mit ihren rund 600 Mitarbeitern von einer großen Mauer umgeben. Dahinter befindet sich ein zweiter, rund drei Meter hoher Sicherheitszaun. Das 75 000 Quadratmeter große Gelände wird zudem von Videokameras überwacht, die in der Nacht mit Infrarotlicht funktionieren. Dort sind seit Herbst 1999 rund 600 Mitarbeiter untergebracht. 500 davon setzt das BKA für den Schutz von Bundespolitikern ein. "Seit Bestehen des Bundeskriminalamts hat es glücklicherweise keine Anschläge gegeben", sagt BKA-Sprecher Jürgen Stoltenow. Damit das so bleibt, soll die Straßenseite vor den Gebäuden parkplatzfrei und damit übersichtlich bleiben. "Ein für Bombenanschläge präpariertes Fahrzeug unter anderen parkenden Autos ist schlecht auszumachen." Für die Regelung müssten die Anwohner Verständnis haben.Das Bezirksamt Treptow-Köpenick, das die Schilder für die Straßenverkehrsbehörde montieren musste, hätte sich gern eine andere Lösung für die Bouchéstraße gewünscht - zumal die Parkbuchten vor dem Gebäude erst 1993 eingerichtet wurden. "Dass das Bundeskriminalamt hierher zieht, wussten wir damals noch nicht", sagt Baustadtrat Dieter Schmitz (SPD). Erst vor vier Jahren sei die Bezirksverwaltung informiert worden, seit dem vergangenen Jahr gab es Gespräche mit dem BKA. "Das Parkverbot ist so von der Straßenverkehrsbehörde angeordnet, dagegen können wir nichts machen." Es wäre seiner Ansicht nach aber sinnvoller gewesen, für die Sicherheitsmaßnahmen kein Straßenland zu beanspruchen. "Ich hätte mir vorstellen können, dass das BKA seine Gebäude absichert, ohne dafür Parkplätze opfern zu müssen."Die Leibwächter des Bundeskanzlers // Das BKA: Das Bundeskriminalamt nutzt seit Herbst 1999 die Gebäude am Treptower Park als Außenstelle. 600 Mitarbeiter arbeiten dort, darunter 500 Personenschützer - Leibwächter von Politikern wie Bundeskanzler Gerhard Schröder.Das Gebäude: Die Außenstelle des BKA ist in alten Kasernen untergebracht, die 1901 für das Telegrafenbataillon der Kaiserlichen Armee gebaut wurden. Von 1961 bis 1989 hatte die Grenzbrigade der Nationalen Volksarmee ihren Sitz am Treptower Park.Die Sicherheit: Ähnlich wie in der BKA-Zentrale in Wiesbaden ist auch die Außenstelle geschützt: Zwei Mauern bewahren die BKA-Mitarbeiter vor ungebetenen Gästen, davor gilt Parkverbot. Videokameras zeichnen jede Bewegung auf dem Gelände auf.BERLINER ZEITUNG/WULF OLM Parkverbot in der Bouchéstraße vor dem Bundeskriminalamt: An die neue Regelung halten sich jedoch nur die wenigsten Autofahrer.

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