Die Kutter- und Küstenfischer an der deutschen Ostseeküste müssen ab 2027 auf eine zentrale finanzielle Stütze verzichten. Die seit 2018 gezahlte Prämie für die zeitweise Stilllegung von Fischkuttern soll ersatzlos auslaufen. Das berichtet das Landwirtschaftsministerium Mecklenburg-Vorpommern.
Die Regelung sah vor, dass Fischer eine Ausgleichszahlung erhielten, wenn sie ihre Kutter pro Jahr für 30 Tage im Hafen ließen. Mit der von EU und Bund finanzierten Überbrückungshilfe sollte der Fischereidruck auf die schwer angeschlagenen Bestände von Hering und Dorsch verringert werden, damit sich diese erholen und langfristig wieder höhere Fangmengen möglich werden. Nach Angaben des Ministeriums flossen seit 2018 rund 20,7 Millionen Euro - überwiegend EU- und Bundesmittel - an Küstenfischer in Mecklenburg-Vorpommern.
Verband warnt vor existenziellen Folgen
Den Heringen und Dorschen in der westlichen Ostsee geht es weiterhin schlecht. Als Ursache gelten klimabedingte Veränderungen in ihrem Lebensraum. Die Fischer müssen daher im kommenden Jahr erneut mit drastischen Einschränkungen bei den zulässigen Fangmengen rechnen.
Der Wegfall der Hilfe dürfte die Krise in der Fischerei weiter verschärfen. Für viele Betriebe sei die Stilllegeprämie eine Mindestabsicherung gewesen, um die Infrastruktur überhaupt aufrechterhalten zu können, sagt Peter Breckling, Chef des Verbandes der deutschen Kutter- und Küstenfischer. Der Wegfall habe „eine existenzielle Bedeutung“.
Wie weit der Strukturwandel bereits fortgeschritten ist, zeigen die Beschäftigungszahlen in Mecklenburg-Vorpommern: Derzeit arbeiten dort nur noch 150 Küstenfischer im Haupterwerb. Unmittelbar nach dem politischen Umbruch 1990 waren es 1300.
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