Heute ab elf Uhr wird sich der wissenschaftliche Beirat der Stiftung Berliner Mauer unter Vorsitz des Historikers Klaus Dietmar Henke mindestens den halben Tag lang über ein Detail der künftigen Mauer-Gedenklandschaft Bernauer Straße streiten, das viele Akteure in- und außerhalb der Stiftung längst für erledigt gehalten hatten. Es geht um die Frage, ob eine etwa 20 Meter große Lücke in dem 212 Meter langen Mauerrest an der Bernauer Straße geschlossen werden soll oder nicht. Die evangelische Sophiengemeinde, die 1997 32 Mauerelemente aus dem Grenzwall entfernen und daneben als eine Art Monument der Maueröffnung aufstellen ließ, lehnt dies einhellig ab, weil die Mauer quer über ihren Friedhof gebaut worden sei. Man habe damit auch die Totenruhe auf dem Grabfeld, in dem auch Kriegsgräber lägen, wiederherstellen wollen. Zudem sei man als Eigentümer des Geländes dem Senat, der die Flächen für Deutschlands zentrale Mauergedenkstätte nutzen will , bereits sehr entgegengekommen. Sophien beruft sich auf den Siegerentwurf des 2007 entschiedenen Wettbewerbs, der vorsieht, den Mauerverlauf in der Lücke künstlerisch mit Stahlstäben anzudeuten.Gegen diese als endgültig bezeichnete Position, die auch von der evangelischen Landeskirche unterstützt wird, will sich unter anderem das Beiratsmitglied Joachim Gauck wenden. Der frühere Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen hat als gelernter Pfarrer zwar viel Verständnis für die kirchliche Argumentation zur Totenruhe, will aber nicht der Auffassung von Sophien folgen, auf dem Gelände müsse anhand der Lücke neben der Geschichte der Mauer von 1961 bis 1989 auch die Geschichte der Öffnung erzählt werden. Letzteres sei ein partikulares Interesse der Gemeinde, das hier weniger Gewicht haben müsse als das Interesse der Gesellschaft "anhand eines erhaltenen Originalmauerstücks das Leiden der Menschen zu erzählen, die aus der DDR flüchten wollten".Auch von außen wird Einfluss auf den Beirat genommen. Eine Reihe von Berliner DDR-Opferverbänden kritisieren in einem Brief an den Senat: "Wenn heute eine ,Lückenschließung' mit Mitteln der bildenden Kunst (.) geplant ist, sehen wir die Mauer als Staatsverbrechen der DDR verfälscht", schreibt Alexander Hussock vom Opferhilfeverein "Help". Auch CDU-Partei- und Fraktionschef Frank Henkel und der Bundesbeauftragte für Kultur, Bernd Neumann (CDU), wollen eine Rekonstruktion der Mauer mit den Original-Betonelementen, "um das menschenverachtende Herrschaftssystem der DDR-Diktatur anschaulich zu machen", wie Henkel sagt. Allerdings ist Neumann und Henkel nach Gesprächen mit der Gemeinde klar geworden, "dass gegen sie nichts durchzusetzen ist". Gauck sieht aber noch Spielraum für einen Kompromiss durch eine Vielzahl von Gesprächen mit Sophien. Erwogen wird im Beirat und im Stiftungsrat, die Kompensationszahlungen für die Nutzung der Gemeindegrundstücke aufzustocken und die strittige Frage der Lückenschließung aus den weiteren Planungen für die Gedenklandschaft zunächst auszuklammern.------------------------------Foto: Transparente Stabreihe oder undurchlässiger Original-Beton: Wie macht man die Teilung Berlins deutlich?
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