Zwei leitmotivische Schwerpunkte der diesjährigen Berlinale verbindet Pang Ho-Cheungs Wettbewerbsbeitrag "Isabella": "Männer, die sich mit einem übermächtigen Sexualtrieb auseinandersetzen müssen" sowie "Männer, die in der chinesischen Enklave Macao mit einem Identitätsproblem konfrontiert werden". Anders als Kyoji, der Protagonist des fast schon faszinierend uninteressanten Identitätsprobleme-in-Macao-Films "Invisible Waves", ist Pang Ho-Cheungs Held Inspector Ma immerhin willens und in der Lage, zusammenhängende Sätze von sich zu geben, und besitzt so etwas wie eine nachvollziehbare Psychologie. Sympathischer macht ihn das nicht: Ma neigt ebenso zur Korruption wie zu sinnloser Gewalttätigkeit, ein frauenverbrauchender Brutalinski, der seine Zeit abwechselnd mit dem Verprügeln stupider Halbweltfiguren und dem Vernaschen stupider Betthäschen verbringt.Eins von den Betthäschen jedoch ist anders als die anderen: Es handelt sich um seine ihm bisher gänzlich unbekannte Tochter Yan, die nach dem Tod ihrer Mutter (Lungenkrebs) die Miete nicht mehr zahlen kann. Als sie aus der Wohnung geworfen wird, geht ihr geliebtes Schoßhündchen Isabella verloren, deshalb bittet sie ihren Vater erstens um Geld und zweitens um Hilfe bei der Hundesuche.Es gibt einige hübsche Ideen zu sehen. So sind die Eingangssequenzen, in denen Ma sich als Frauenaufreißer zeigt, identisch mit jenen, in denen er erstmals väterliche Gefühle für Yan entdeckt: Betrunken taumeln die beiden nach Hause, fallen ins Bett und rauchen gemeinsam eine Zigarette. Zuvor hat Ma seine Tochter liebevoll in die Kunst des Bierflaschen-auf-Schädel-Zertrümmerns eingewiesen: Aus der blöden Brutalität wird im Zusammenspiel von Vater und Tochter eine Art zärtlicher Tanz.Interessant ist "Isabella", so lange sich diese Ambivalenzen halten: einerseits zwischen dem inzestuösen Begehren und einer allmählich aufkeimenden "normalen" Vater-Tochter-Beziehung; andererseits zwischen zwischen Mas hard-cop-Gewalttätigkeit und den Gesten der Zuneigung, die sich daraus entkapseln. Leider schlägt der Film aber bald in eine konventionelle Selbstfindungsgeschichte um: Die beiden akzeptieren sich als Vater und Tochter; der Sünder bereut und geht zur Läuterung sogar ins Gefängnis; Yan verspricht ihm dafür, mit dem Rauchen aufzuhören. Schlecht für den Film, gut für die Gesundheit: Wer will schon gerne an Lungenkrebs sterben?------------------------------Isabella Hongkong/China 2006. Regie: Pang Ho-Cheung. 17. 2.: 9.30 Uhr & 18.30, Urania; 22. 30 Uhr, International; 19. 2.: 18.30 Uhr, Urania.
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]