Ukraine-Krieg

Krim im Ausnahmezustand: Kein Sprit mehr, tausende Autos stehen vor der Brücke

Tankstellen verkaufen seit Tagen keinen Kraftstoff mehr, Ferienlager und touristische Angebote sind bis September ausgesetzt. Vor dem Krim-Übergang stauen sich tausende Autos.

Peter Steiniger
Peter Steiniger
3 Min
Zapfsäulen an einer Tankstelle in Simferopol: Auf der Krim ist Kraftstoff knapp.

Zapfsäulen an einer Tankstelle in Simferopol: Auf der Krim ist Kraftstoff knapp.

© Sergei Malgavko/imago

Auf der von Russland annektierten Halbinsel Krim und in der Hafenstadt Sewastopol haben die von Moskau eingesetzten Behörden am Freitag einen regionalen Ausnahmezustand verhängt. Das meldete die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf Mitteilungen der dortigen Verwaltung. Als Gründe wurden wirtschaftliche Probleme genannt, vor allem ein Mangel an Treibstoff, sowie Sicherheitsbedenken.

Tankstellen auf der Krim hätten bereits seit dem 21. Juni den Verkauf von Kraftstoff an Privatpersonen und Unternehmen eingestellt, hieß es weiter. Touristische Angebote und Kinderferienlager seien bis September ausgesetzt. Das ukrainische Nachrichtenportal Strana berichtete unter Verweis auf die örtliche Verwaltung zudem von teilweisen Stromausfällen auf der Halbinsel. Vor der Brücke auf die Krim stauten sich nach Angaben örtlicher Einsatzdienste rund 3000 Fahrzeuge in beide Richtungen.

Russland meldet Abschuss von 660 Drohnen

Parallel teilte das russische Verteidigungsministerium nach Angaben der staatlichen Agentur Tass mit, in der Nacht zum Freitag seien 660 ukrainische Drohnen abgefangen worden. Die Flugkörper seien über zwölf russischen Regionen, der Krim sowie dem Schwarzen und dem Asowschen Meer zerstört worden. Laut Tass war es die größte Drohnenwelle in einer Nacht seit Jahresbeginn. Der bisherige Höchstwert habe bei 556 abgefangenen Drohnen am 17. Mai gelegen.

Betroffen waren nach Angaben des Ministeriums unter anderem die Gebiete Belgorod, Brjansk, Kursk, Tula und Moskau. Der Moskauer Bürgermeister Sergej Sobjanin teilte mit, im Anflug auf die Hauptstadt seien 47 Drohnen abgefangen worden. Im Gebiet Tula wurden laut Gouverneur Dmitri Miljajew weitere 84 Drohnen zerstört, zuvor hatte er 73 gemeldet.

Chemiewerk in Nowomoskowsk beschädigt

In der Stadt Nowomoskowsk, rund 200 Kilometer südlich von Moskau, wurde nach Angaben Miljajews eine Industrieanlage beschädigt, zudem seien Stromleitungen getroffen worden. Wie Reuters unter Berufung auf russische und ukrainische Telegram-Kanäle berichtete, soll es sich um das Chemiewerk Asot handeln, das nach eigenen Angaben Russlands größter Hersteller von Ammoniak und Stickstoffdüngern ist.

Die Anlage war laut Reuters bereits am 14. Juni angegriffen worden. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte das Werk zuvor als zentral für die russische Sprengstoffproduktion bezeichnet.

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