Ausstellung am Checkpoint Charlie wird nun doch nicht eröffnet

Mauer-Gedenken erneut verschoben

Christine Richter
3 Min

Eigentlich sollte die Freiluft-Ausstellung zur Geschichte am Checkpoint Charlie schon im Oktober letzten Jahres eröffnet werden, dann wurde die Eröffnung für den kommenden Freitag angekündigt. Doch auch dieser Termin ist jetzt geplatzt. Die Ausstellung, mit der an die Geschichte der deutschen Teilung erinnert werden soll, wird frühestens im August zu sehen sein. "Wir mussten den Termin verschieben, denn es gab noch Abstimmungsbedarf mit den verschiedenen Partnern", sagte der Sprecher von Kultursenator Thomas Flierl (Linkspartei.PDS), Torsten Wöhlert, gestern. Auf ein neues Datum wollte er sich aber nicht festlegen.Das Baugelände gegenüber dem Mauermuseum steht unter Insolvenzverwaltung durch die Bankaktiengesellschaft Hamm (BAG). Im Jahr 2004 hatte die Leiterin des Mauermuseums, Alexandra Hildebrandt, das Grundstück gemietet und dort 1 067 weiß gestrichene Kreuze zur Erinnerung an die Mauertoten aufgestellt. Heftige Diskussionen löste Hildebrandt dann aus, weil sie die Kreuze nicht abbauen wollte, obwohl ihr Mietvertrag Ende 2004 ausgelaufen war. Im Juli 2005 wurde das Grundstück unter großer öffentlicher Anteilnahme geräumt.Diese Aktion führte aber dazu, dass Kultursenator Flierl kürzlich - nach vielen Diskussionen mit Opferverbänden und Historikern - ein Mauergedenkstätten-Konzept für Berlin vorlegte. Dazu gehört auch die geplante Fotoausstellung. Auf den Bauzäunen an der Friedrich-, Schützen- und Zimmerstraße sind rund 300 Meter lange und 2,50 Meter hohe Galeriewände vorgesehen. Mit großformatigen Fotos und Begleittexten soll die Geschichte des Ortes erläutert werden. Aber auch über den Aufstand am 17. Juli 1953 oder den Volksaufstand in Ungarn werden die Besucher informiert.Zu den Verzögerungen kam es jetzt, weil sowohl die Opferverbände als auch die Bankaktiengesellschaft Hamm noch Bedenken hatten. Die BAG habe befürchtet, dass sich das Grundstück schlechter verkaufen lasse, wenn dort Fotos von Mauertoten und Kreuzen zu sehen seien, hieß es im Senat. Die Bank selbst wollte sich zu diesem Vorwurf nicht äußern und verwies stattdessen auf die Senatskulturverwaltung. "Unsere Aufgabe ist es, die verschiedenen Partner einzubinden", sagte dazu Kultur-Sprecher Wöhlert. Dass es zu einer zeitlichen Verschiebung gekommen sei, liege aber nicht an der Kulturverwaltung.Finanziert wird die Foto-Ausstellung aus dem Hauptstadtkulturfonds. Die Kosten belaufen sich auf rund 194 000 Euro. Außerdem stellt der Unternehmer Hans Wall Terminals und Vitrinen zur Verfügung, in denen auf andere Mauer-Gedenkorte in Berlin hingewiesen wird.Die Ausstellung wird mindestens zwei Jahre zu sehen sein. Wenn ein neuer Bauherr für das Grundstück am Checkpoint Charlie gefunden ist, dann sollen die Galeriewände weichen. Allerdings ist es schwierig, einen Investor zu finden. Ursprünglich sollte dort ein American-Business-Center entstehen, das Projekt scheiterte jedoch. In dem Vertrag für das Business-Center war vereinbart worden, dass in einem Neubau ein Ort des Erinnerns enthalten sein muss - vielleicht ein Museum des Kalten Krieges.------------------------------Foto: So soll die Foto-Ausstellung am Checkpoint Charlie einmal aussehen.

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