Die australische Macquarie University setzt in zwei verpflichtenden Psychologiefächern einen KI-Chatbot für Lernübungen ein. Das System mit dem Namen „Virtual Peer“ stellt Studenten Fragen und führt sie durch fallbezogene Aufgaben, wie der Guardian Australia berichtet.
Ein Student beklagte demnach, menschliche Diskussionen würden damit teilweise durch die Arbeit „mit einem Roboter“ ausgetauscht. Die Universität weist hingegen die Darstellung zurück, sie habe regulären Unterricht durch Künstliche Intelligenz ersetzt.
Die beiden Fächer wurden im ersten Semester 2026 noch mit Präsenzveranstaltungen angeboten. Im zweiten Semester konnten sie ausschließlich online absolviert werden. Nach Angaben der Universität soll der Präsenzunterricht 2027 wieder in jeweils einem der beiden Semester stattfinden. Studenten könnten dann zwischen beiden Formaten wählen.
In den Onlinekursen gehören neben Lektüre, Videos und Tests auch Übungen mit „Virtual Peer“ zum Lernangebot. Die Aktivitäten sind nach Angaben der Universität freiwillig. Für die Bewertung zählen gesonderte Forschungsaufgaben und Prüfungen.
Student fühlt sich um Leistung gebracht
In früheren Onlinekursen fanden wöchentlich freiwillige Zoom-Tutorien mit bezahlten Lehrkräften statt. Inzwischen bietet die Universität stattdessen offene digitale Feedbacksprechstunden an. In einem Einführungskurs mit 400 Studenten gibt es davon sechs pro Woche. Für ein weiteres Fach mit 700 Teilnehmern werden zehn Termine angeboten.
Ein Student sagte dem Guardian, er fühle sich um einen Teil der bezahlten Leistung gebracht. Statt einer Gruppendiskussion oder der Anleitung durch einen Tutor müsse er eine Aufgabe mit einem Roboter bearbeiten. Er habe das Gefühl, die KI darauf vorzubereiten, seinen Lehrkräften die Arbeitsplätze wegzunehmen.
Die Universität erklärte gegenüber dem australischen Technologiemagazin Information Age, der Chatbot sei lediglich ein freiwilliges Zusatzangebot. Die Studenten lernten weiterhin anhand der Kursmaterialien und Onlineprogramme und würden von Lehrkräften und Tutoren unterstützt. „Virtual Peer“ vermittle und ersetze nicht den eigentlichen Unterricht.
Nutzung des Chatbots nimmt stark zu
Das System greift auf Materialien zurück, die von den jeweiligen Lehrkräften hochgeladen und geprüft werden. Dadurch soll das Risiko falscher oder erfundener Antworten sinken. Die Universität kann zudem anonymisierte Gespräche auswerten, um häufige Verständnisprobleme zu erkennen.
Die Nutzung wächst stark. Im gesamten Jahr 2025 beantwortete „Virtual Peer“ nach Angaben der Universität knapp 80.000 Fragen. Im ersten Halbjahr 2026 waren es bereits fast ebenso viele. Der Großteil betraf organisatorische Angelegenheiten.
Bei einem Pilotprojekt mit 1400 Psychologiestudenten im Jahr 2024 erzielten Nutzer des Chatbots in der Abschlussprüfung im Durchschnitt knapp fünf Punkte mehr als Nichtnutzer. Das entsprach einer Verbesserung um 9,45 Prozent. Aus der Auswertung lässt sich allerdings nicht ableiten, dass allein der Chatbot den Unterschied verursachte.
Die Einführung fällt in eine breitere Auseinandersetzung über Künstliche Intelligenz an Australiens Hochschulen. Gewerkschafter warnen, die Technik könne zum Abbau von Stellen und persönlicher Betreuung genutzt werden. Die Universitäten erklären dagegen, KI solle Lehrkräfte unterstützen und nicht ersetzen.
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