Der 1. FC Union Berlin bleibt Tabellenführer der Bundesliga. Ja, folglich des 1:0-Erfolgs beim VfB Stuttgart und dank der unfreiwilligen Schützenhilfe von Borussia Dortmund (2:2 gegen Bayern) und Hertha BSC (2:2 Freiburg) konnte die Elf von Urs Fischer den Abstand auf die Konkurrenten wieder auf zwei Punkte (Freiburg) beziehungsweise vier Punkte (Bayern und Dortmund) vergrößern. Als Siegtorschütze durfte sich am Sonntagabend Paul Jaeckel von den Kollegen und den mitgereisten Fans feiern lassen. Der Verteidiger traf nach einem Eckstoß von Niko Gießelmann in der 77. Minute per Kopf und sicherte seinem Team den sechsten Sieg im neunten Spiel dieser Saison, macht bei zwei Unentschieden und einer Niederlage insgesamt 20 Punkte.
Die Tatsache, dass sich die Eisernen gerade mal drei Tage vor dem Spiel beim VfB durch einen mehr als ordentlichen Auftritt bei Malmö FF ihren ersten Sieg in der Europa League erarbeitet, aber auch erspielt hatten, war wegen des Pyro-Wahnsinns auf den Tribünen letztlich nur als Nebensächlichkeit wahrgenommen worden. Wie schade, da der Erfolg trotz einer 45-minütigen Unterzahlsituation zustande gekommen und nicht nur deshalb aus sportlicher Sicht bemerkenswert war. Die Botschaft, die man vom Europapokal für die nationale Liga ableiten konnte, lautete: Wir sind von der Niederlage beim Ligaspiel in Frankfurt unbeeindruckt.
Auch gegen die Mannschaft mit den spannendsten Spielervornamen der Liga (u. a. Hiroki, Atakan, Dan-Axel, Waldemar, Wataru, Sehrhou, Naouirou) hatten die Köpenicker zunächst alles einigermaßen unter Kontrolle. Robin Knoche und Rani Khedira putzten unter eifriger Mithilfe ihrer Kollegen unaufgeregt alles weg, ließen bis zur Halbzeitpause kaum etwas zu, wenngleich es doch die eine oder andere Torchance für die Stuttgarter zu verzeichnen gab.
In der 14. Minute ging Danilho Doekhi nach einer Freistoßflanke von Ito (Hiroki) beispielsweise nicht entschlossen genug in ein Kopfballduell mit Zagadou (Dan-Axel), sodass der Ball vom Rücken des VfB-Spielers Richtung Union-Tor flog und sich Keeper Frederik Rönnow zu einem Flug à la Superman und einer spektakulären Rettungstat gezwungen sah. In der 25. Minute musste sich der Däne nach einem direkt auf sein Tor getretenen Freistoß von Ito aus 25 Metern erneut ganz lang machen, parierte mit Hechtsprung und Einsatz seiner beiden Fäuste. In der 35. Minute kam Tiago Tomás doch allzu frei auf der linken Abwehrseite der Unioner zum Flanken, zielte auf Guirassy (Serhou), der mit seinem Kopfball allerdings das Tor um etwa einen halben Meter verfehlte.
Gießelmann versucht sich am Traumtor
Diese Nachlässigkeiten konnten Fischer nicht gefallen, ebenso das, was seine Profis bei der Spieleröffnung anstellten. Wenn es dabei schnell gehen musste, agierten seine Spieler zu träge, wenn hingegen ein bisschen Geduld gefragt war, gingen sie zu früh ins Risiko. Die Folge: Das Offensivspiel der Köpenicker wollte nicht so recht in Schwung kommen. Erst gegen Ende der ersten Hälfte gab es erste Möglichkeiten. Die eine hatte Jaeckel per Kopf nach einem Freistoß des in der Rückwärtsbewegung doch sehr wackligen Niko Gießelmann, VfB-Schlussmann Florian Müller nutzte dies zur Flugshow. Bei einer weiteren versuchte sich Gießelmann per Fallrückzieher an einem Traumtor. Vergebens.
Auch in der zweiten Hälfte war die Qualität der Begegnung gemäß der Notengebung an deutschen Schulen irgendwo zwischen einer 3 und einer 4. Was sich auch in der Stimmung im Stadion widerspiegelte. Auf der Teil-Baustelle Neckarstadion war es aus Mangel an Aufregern mitunter doch ziemlich ruhig. Die Stuttgarter bemühten sich, etwas mehr Energie, die Berliner hingegen, etwas mehr Linie ins Spiel zu bringen. Doch das mit den Vorhaben wollten beiden Teams nicht wirklich gelingen.
Erst durch die Wechsel, die beide Trainer ab der 65. Minute vollzogen, drehte sich die Angelegenheit zugunsten der Eisernen. Durch die Hereinnahme von Kevin Behrens (für Jordan Siebatcheu), Morten Thorsby (für Andras Schäfer) und Jamie Leweling (für Sheraldo Becker) kam etwas mehr Leben ins Spiel. Union war jetzt feldüberlegen, kam zu Frei- und Eckstößen und nutzte einen dieser Eckstöße zur spielentscheidenden Aktion. Mit Gießelmann als Vorbereiter, mit Jaeckel als Schütze eines wirklich sehenswerten Kopfballtreffers. Es war sein erstes Tor in der Bundesliga. „Das fühlt sich überragend an“, sagte er im Nachgang.
Schließlich sollte nicht unerwähnt bleiben, dass die Köpenicker nur zwei Minuten nach der Führung nach einem Kuddelmuddel im eigenen Strafraum bei einem Pfostenschuss von Konstantinos Mavropanos das Glück auf ihrer Seite hatten (79.).
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