Eine an Hautkrebs erkrankte Frau hatte Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) bei einem Bürgerdialog in Salzwedel, Sachsen-Anhalt, öffentlich zur Rede gestellt und eine kalte Zurückweisung erhalten. Nun erhielt sie Post aus dem Kanzleramt – allerdings keine Entschuldigung.
Die 53-jährige Hautkrebspatientin Silvia Dronsch aus Suhlendorf im Landkreis Uelzen hat eine Autogrammkarte von Bundeskanzler Friedrich Merz mit persönlicher Widmung erhalten. Das berichten die Allgemeine Zeitung der Lüneburger Heide und die Altmark Zeitung in ihrer gemeinsamen Online-Ausgabe. Auf der Karte wünsche der Kanzler der Frau „alles Gute“. Ein Mitarbeiter habe in einem Begleitschreiben „Zuversicht“ und „Kraft“ gewünscht.
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Merz reagierte genervt auf Kritik
Dronsch hatte laut dem Bericht im Frühjahr 2025 die Diagnose Hautkrebs erhalten und wartet derzeit auf eine Operation zur Entfernung befallener Lymphknoten.
Einen Besuch von Merz in Salzwedel Ende April nutzte sie, um den Kanzler auf zunächst kolportierte Pläne anzusprechen, die kostenlose Hautkrebsuntersuchung im Rahmen der Gesundheitsreform zu streichen. Dabei verwies sie auch auf ihre Erkrankung. Sie kritisierte zudem eine laut Medienberichten geplante Diätenerhöhung für Bundestagsabgeordnete.
Merz wies die Frau schroff zurück: „Zu keinem Zeitpunkt ist von irgendjemandem erwogen worden, die Bezüge der Mitglieder der Bundesregierung anzuheben.“ Er sprach von falschen Behauptungen und sagte: „Ich wäre Ihnen einfach dankbar, wenn Sie das nicht einfach ungeprüft wiederholen.“
Nicht das erste Mal: Merz und die fragwürdigen Gesten
Der Vorfall erinnert an eine Episode aus dem Jahr 2004, bei der Merz’ Umgang mit Dankbarkeit und symbolischen Gesten ebenfalls kritisiert wurde. Damals verlor Merz sein Notebook an einem Taxistand am Berliner Ostbahnhof. Gefunden wurde es von Enrico J., der als obdachloser Straßenzeitungsverkäufer lebte. Obwohl er selbst kaum Besitz hatte, entschied er sich gegen einen Verkauf auf dem Schwarzmarkt – auf dem das Gerät wegen der darin gespeicherten Kontaktdaten führender Politiker wie Gerhard Schröder, Angela Merkel, Edmund Stoiber und Theo Waigel wahrscheinlich einen erheblichen Preis erzielt hätte.
Stattdessen gab er das Notebook beim Bundesgrenzschutz ab und hinterließ seine Adresse über eine Einrichtung der Obdachlosenhilfe. Etwa einen Monat später erhielt er über eine Sozialarbeiterin Merz’ Dank – in Form eines signierten Buches. Nicht Geld, nicht ein persönliches Gespräch, sondern ein Exemplar von Merz’ damals aktuellem Werk „Nur wer sich ändert, wird bestehen”, versehen mit einer Widmung.
Angemessene Form gegenüber einer schwerkranken Bürgerin?
Das Muster scheint sich zu wiederholen: Wo persönliche Anteilnahme oder eine Entschuldigung erwartet wird, kommt ein signiertes Druckerzeugnis. Die Berliner Zeitung und die Ostdeutsche Allgemeine Zeitung haben mehrere Fragen an die Bundesregierung gerichtet. Gefragt wurde unter anderem, wer im Kanzleramt die Entscheidung getroffen hat, auf Dronschs Bitte um Entschuldigung mit einer Autogrammkarte zu reagieren – und ob diese Form der Antwort mit Merz persönlich abgestimmt wurde.
Zudem wurde gefragt, ob der Bundeskanzler diese Form der Reaktion gegenüber einer schwerkranken Bürgerin für angemessen hält. Außerdem wollen die Redaktionen wissen, ob der Kanzler plane, sich bei Frau Dronsch persönlich zu entschuldigen und, falls nicht, aus welchen Gründen er keinen Anlass dafür sehe. Eine Antwort steht noch aus.
Auch Klingbeil wurde von der Frau angeschrieben
Silvia Dronsch hatte bundesweit für Aufmerksamkeit gesorgt, als sie dem Bundeskanzler eine Einladung zu ihrer eigenen Beerdigung aussprach, auf die dieser nicht einging. Nach der Veranstaltung forderte sie eine Entschuldigung von Friedrich Merz. Wie sie der Allgemeinen Zeitung sagte, habe sie sich zum Kanzlerbüro durchtelefoniert, woraufhin ihr das Schreiben zugesandt worden sei.
Autogrammkarte für krebskranke Frau: Friedrich Merz und die Kunst der herzlosen Geste
Die 53-Jährige kündigte dem Blatt zufolge an, sich weiter für Krebspatienten einsetzen zu wollen, insbesondere mit Blick auf finanzielle Belastungen bei längerer Krankschreibung. Inzwischen habe sie auch Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) eine Mail geschickt.
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