AUTOINDUSTRIE - Mitten in der Wirtschaftskrise tobt ein erbitterter Machtkampf zwischen Porsche und Volkswagen. Bei Opel ist offener denn je, wer neuer Eigentümer wird. Audi feiert seine Gründung vor 100 Jahren.

Der Puls beruhigt sich

Daniel Baumann
3 Min

BERLIN. Der Stress bei den Autobauern BMW und Daimler hat nachgelassen, und der in Übernahmenot steckende Autozulieferer Schaeffler hat Zeit und Geld gewonnen - um einen zweiten Anlauf bei Continental zu wagen.------------------------------Daimler: So einen Partner wünschen sich viele. Bei dem Stuttgarter Autobauer sitzt seit Ende März der Staatsfonds Aabar aus Abu Dhabi mit 9,1 Prozent der Anteile am Unternehmen und einer Menge Geld im Boot. Das hat sich für Daimler bereits gelohnt. In diesen Wochen konnte das Unternehmen einen Teil seiner Anteile am amerikanischen Elektrospezialisten Tesla an den neuen Investor weiterreichen - damit wurden Mittel frei für die Krisenbewältigung. Zudem hilft Aabar nun bei der Entwicklung von Elektrofahrzeugen mit, womit Daimler die Ausrichtung auf neue Märkte vereinfacht wird. Gleichzeitig konnte Konzernchef Dieter Zetsche im Juni eine deutliche Verbesserung bei den Verkäufen verbuchen. 111 300 Autos setzte Daimler ab, damit wurde der Absatzrückgang im Vergleich zum Mai halbiert. Teile der Produktion hat der Konzern wieder hochgefahren.BMW: Die guten Meldungen haben sich bei BMW in den vergangenen Wochen und Monaten gehäuft. Anfang Mai teilte das Unternehmen mit, dass die Verluste geringer ausgefallen seien als erwartet; Anfang Juni wurde eine Verlangsamung der Verkaufsrückgänge im Mai gemeldet, der Trend setzte sich im Juni fort. "Es gibt erste Anzeichen für eine leichte Erholung auf den Automobilmärkten", erklärte BMW- Vertriebschef Ian Robertson. Im größten Werk in Dingolfing in Niederbayern soll nun aber die Kurzarbeit in den Monaten September und Oktober ausgesetzt werden, um die Einführung des neuen 5er-Modells zu stemmen. Im Werk Leipzig war die Kurzarbeit bereits Anfang Juni aufgehoben worden. Die Ruhe, mit der BMW durch die Krise steuert, ist aber teuer erkauft. Stellen wurden abgebaut, Aktionäre haben auf große Teile ihrer Dividende verzichtet.Schaeffler: Ein Jahr ist es nun her seit bekannt wurde, dass der fränkische Autozulieferer den größeren Konkurrenten Continental übernehmen will. Dabei hat sich das Unternehmen bekanntlich im zweistelligen Milliardenbereich verschuldet - und hängt jetzt am Tropf der Banken, weil es nicht genügend Überschuss erwirtschaftet, um die Kredite zu bedienen. Doch in dem Unternehmen wird wieder Hoffnung geschöpft, sogar das Selbstbewusstsein kehrt zurück. Schaeffler verhandelt derzeit mit Banken über die Verlängerung der Kredite um fünf Jahre, wie es aus gut informierten Kreisen verlautet. Sogar auf Staatshilfen will man nun offenbar verzichten. Das Kalkül: Kommt der wirtschaftliche Aufschwung, wäre die Position von Schaeffler in den Verhandlungen mit Continental gestärkt. In Herzogenaurach strebt man inzwischen wieder nach der vollen Herrschaft über den Zukauf. Demnach peilt das Unternehmen einen Anteil von 90 statt 50 Prozent an Continental an.Das wäre eine erneute Kehrtwende, nachdem auch Szenarien kolportiert wurden, in der Continental die Gegenoffensive starten könnte und Schaeffler seinerseits übernimmt. Conti-Chef Karl-Thomas Neumann hat angekündigt, bis Ende Juli ein Konzept zur Zukunft beider Unternehmen vorzulegen.------------------------------Foto: Nach der Vollbremsung erwartet BMW eine "leichte Erholung".

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