Rüstung

Autonome Killerschwärme? China meldet Durchbruch bei Drohnen-KI

Chinesische Forscher stellen einen neuen KI-Algorithmus für Drohnenschwärme vor. Er soll selbst unter Gefechtsbedingungen eigenständig Ziele erkennen und Angriffe koordinieren.

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Drohnen im Einsatz in Qingdao. Chinesische Forscher arbeiten an KI-gesteuerten Drohnenschwärmen.

Drohnen im Einsatz in Qingdao. Chinesische Forscher arbeiten an KI-gesteuerten Drohnenschwärmen.

© CFOTO/imago

China treibt die Entwicklung autonomer Drohnenschwärme für militärische Einsätze offenbar weiter voran. Ein Forschungsteam aus Nordwestchina hat einen neuen KI-Algorithmus vorgestellt, der Drohnenverbänden ermöglichen soll, auch in stark umkämpften Einsatzgebieten eigenständig Ziele zu identifizieren und anzugreifen.

Wie die South China Morning Post berichtet, trägt das System den Namen HG-STR („Heterogeneous Graph Spatio-Temporal Reasoning“). Der Algorithmus soll Informationen über Gelände, eigene Einheiten und gegnerische Ziele in Echtzeit verarbeiten und daraus selbstständig Entscheidungen ableiten.

Einsatz auch bei Funkstörungen

Nach Angaben der Forscher soll das System selbst dann funktionieren, wenn Kommunikationsverbindungen gestört werden und die Sicht der Drohnen eingeschränkt ist. Die Technologie sei speziell für große Drohnenschwärme mit Starrflüglern entwickelt worden. Die Forschung trifft auf ein Problem, das in Europas Grenzregionen bereits konkrete Folgen hat. Baltische Staaten und Finnland werfen Russland seit Monaten vor, ukrainische Drohnen durch elektronische Störmaßnahmen vom Kurs abzubringen. Nach Angaben der betroffenen Länder landeten oder explodierten mehrere Drohnen anschließend auf Nato-Gebiet.

Litauen erklärte zuletzt, Russland habe seine Fähigkeiten zur Manipulation von GPS-Signalen deutlich ausgeweitet. Die Störungen reichten inzwischen weit in den baltischen Raum hinein. In Lettland lösten die Vorfälle sogar eine politische Krise aus. Nach heftiger Kritik am Umgang mit mehreren Drohnenzwischenfällen zerbrach die damalige Regierungskoalition.

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Laut dem Fachpapier, das am 19. Mai in der chinesischen Luftfahrtzeitschrift Acta Aeronautica et Astronautica Sinica veröffentlicht wurde, sei HG-STR der erste bekannte Ansatz, der eine vollständige Zielerfassung bei gleichzeitig ausreichend hoher Geschwindigkeit für moderne Gefechte ermögliche. Eine unabhängige Bestätigung dieser Angaben gibt es bislang nicht.

Die Zukunft autonomer Kriegsführung

Ein von der Zeitung zitierter Pekinger Militärexperte erklärte, die Technologie deute auf eine Zukunft hin, in der Drohnenschwärme mit einem einzigen Befehl in stark umkämpfte Gebiete geschickt werden könnten, ohne anschließend noch auf menschliche Steuerung angewiesen zu sein.

Der Experte sprach von Szenarien, in denen die Systeme trotz Funkstörungen oder elektronischer Gegenmaßnahmen selbstständig nach Gegnern suchen und Angriffe koordinieren könnten. Die Zeitung bezeichnete das Konzept als „find and kill them all“. Diese Formulierung stammt jedoch nicht aus dem veröffentlichten Fachpapier.

Teil größerer chinesischer KI-Offensive

Die Entwicklung fügt sich in eine Reihe neuer chinesischer Militärforschungsprojekte ein. Erst vor wenigen Tagen berichtete die South China Morning Post über Arbeiten chinesischer Wissenschaftler an KI-gestützter elektronischer Kriegsführung. Dabei soll künstliche Intelligenz unter anderem Kommunikationssysteme und Radartechnik widerstandsfähiger gegen Störungen machen.

Westliche Militärs beobachten die Fortschritte bei autonomen Drohnensystemen seit Jahren mit wachsender Aufmerksamkeit. Der Krieg in der Ukraine hat gezeigt, welche Bedeutung große Drohnenverbände inzwischen für Aufklärung, Angriffe und die Bekämpfung gegnerischer Infrastruktur haben.

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