Brandenburg

Mit diesem Trick rettet die Bibliothek in Bad Freienwalde die Welt

Bibliotheken beteiligen sich an der Erhaltung historischer Nutzpflanzen, indem sie Saatgut verleihen. Ein Akt des Vertrauens auf die Zukunft.

2 Min
Erbsen enthalten Proteine und eine gute Botschaft.

Erbsen enthalten Proteine und eine gute Botschaft.

© Michelle Tresemer/Unsplash

Schöne Grüße von Martin Luther! Wenn die Welt morgen untergeht, was gar nicht so unwahrscheinlich ist, nehmen wir uns heute die Zeit für diese auf den ersten Blick vielleicht kleine, unscheinbare Nachricht, aus der aber ein prachtvoller Apfelbaum entstehen kann, dessen Blüten die eine oder andere Biene rettet, die ihrerseits gebraucht wird, um den Weltuntergang zu verschieben. Zugleich könnte sie einem den Glauben an den Menschen zurückgeben, und das ist bei all den Vollhonks da draußen auch nicht wenig.

Die Bibliothek in Bad Freienwalde beteiligt sich als eine von inzwischen hundert deutschlandweit an einem buchstäblichen Graswurzelprojekt. Die Einrichtungen verleihen nicht nur Bücher und andere Medien, sondern auch Samenkörner – altes Saatgut, das einerseits schützenswert wegen der Artenvielfalt und zweitens nicht patentiert ist, wie diese dystopischen Hightech-Maissorten, die gentechnisch so verändert wurden, dass ihnen die Pflanzenvernichtungsmittel derselben Firma nichts anhaben können. Man kriegt also ein Tütchen anvertraut, zieht die Pflanzen, darf die Ernte verarbeiten und essen, muss aber ein paar Exemplare, die schönsten und gesündesten, ausreifen lassen und deren Samen zurückbringen.

Bevor man zum Apfelbauer wird und eine Plantage anlegt, kann man erst einmal mit Hülsenfrüchten anfangen. Jetzt wäre es an der Zeit, die Samen auszuleihen, sich mit der Anleitung des Vereins zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt zu beschäftigen und ein Beet anzulegen. Die Palerbse kann schon im März ins Beet: drei Zentimeter tief und fünf Zentimeter Abstand in der Reihe, gern auch schon Rankhilfen (rund 80 Zentimeter) installieren.

Im Juni kommen die Erbsenhülsen. Die unten hängenden werden für die spätere Samenernte gekennzeichnet. „Weiter oben reifende Erbsen können fortlaufend zum Naschen und für die Küche geerntet werden.“ Im August erfolgt die Ernte der rascheltrockenen Samen, die bis Oktober verpackt und beschriftet zurückzugeben sind. So geht das über Generationen. Über Säumnisgebühren wird nichts verlautet, und das macht das Projekt noch wunder- und ehrbarer.

Open Source

Open Source

Sie haben etwas zu sagen? Senden Sie uns Ihren Text! 

Einreichen
Open Door

Open Door

Sie möchten ein Thema vorschlagen? Senden Sie uns Ihren Vorschlag!

Vorschlagen
Send feedback

Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]

Lesen Sie mehr zum Thema
weltbune Banner