Messerattacke

Bad Langensalza: Bürger in Angst – Bedroht Messer-Gewalt nun auch friedliche Kurstädte?

In dem thüringischen Ort mit der idyllischen Parklandschaft kam es am Mittwoch zu einem schrecklichen Gewaltverbrechen. Ein Einzelfall?

4 Min
Bei einer gewaltsamen Auseinandersetzung ist ein 25 Jahre alter Mann tödlich mit einem Messer verletzt worden. Zudem gab es mehrere Verletzte, wie die Polizei mitteilte.

Bei einer gewaltsamen Auseinandersetzung ist ein 25 Jahre alter Mann tödlich mit einem Messer verletzt worden. Zudem gab es mehrere Verletzte, wie die Polizei mitteilte.

© Jacob Schröter/dpa

Während viele Menschen in Großstädten längst abgestumpft wirken, sind die Gemüter in Kleinstädten oft noch deutlich erregter. Das betrifft beispielsweise Gewalttaten. Bislang galten insbesondere Messerattacken eher als großstädtisches Phänomen. Zumindest wenn man sich die absoluten Zahlen anschaut. Tatsächlich bestätigt die Statistik – laut Bundeszentrale für politische Bildung –, dass die Kriminalitätsbelastung erheblich mit der Gemeindegröße ansteigt.

Doch nach der tödlichen Messerattacke im thüringischen Bad Langensalza am Mittwochnachmittag befürchten manche Bürger, dass die Gewalt aus der Metropolen auch in den Kleinstädten Einzug erhält. Die Polizei ermittelt inzwischen gegen zwei junge Männer. Die 19 und 26 Jahre alten Tatverdächtigen aus Syrien wurden bereits festgenommen, wie die Polizei mitteilte.

Algerier stirbt nach Messerattacke in Bad Langensalza

Zu der gewaltsamen Auseinandersetzung zwischen mehreren Personen war es auf dem Augustinerplatz der Kurstadt gekommen. Medienberichten zufolge ging es bei dem Streit um einen Barbershop. Ein 25 Jahre alter Algerier wurde dabei so schwer verletzt, dass er wenig später im Krankenhaus starb. Nach früheren Angaben war der Streit in einem Café in einer Gruppe von acht bis zehn Menschen ausgebrochen und hatte sich anschließend nach draußen verlagert.

Fakt ist: Ausländische Tatverdächtige treten sowohl in der Kriminalstatistik generell als auch im Bereich der Messerkriminalität überproportional oft auf. Das weiß auch Ex-LKA-Ermittler Klaus Nachtigall. Die meisten Messer-Täter kämen aus dem westasiatischen Raum, so Nachtigall. Die absolute Mehrheit der ermittelten Tatverdächtigen besitzt jedoch laut Polizeilicher Kriminalstatistik (PKS) die deutsche Staatsbürgerschaft.

Quelle: Sachsen Fernsehen

Müssen Bürger in kleineren Städten nun Sorge haben, dass migrantische Gewalt zu ihnen kommt? Nach Ansicht des Ex-Polizisten gibt es zunächst einmal mehr Möglichkeiten in der Stadt, einander zu begegnen und so Gewalt auszuüben. Auf dem Land sei man zudem „nicht so aggressiv“. Es gebe weniger eskalierenden Streit. Das entspanntere Leben wirke sich auch auf Asylbewerber aus.

Viele der zugewanderten Menschen trügen allerdings von vornherein eine Waffe bei sich. „Die laufen alle so rum“, so der Ex-Ermittler. Er empfindet diese Erkenntnis selbst als „entsetzlich“. Nachtigall lebt nach Jahrzehnten in Berlin nun auf dem Land in Bayern. Dort, so ist er sicher, fürchte jeder zu Recht eine Verurteilung wegen versuchten Totschlags, wenn man einer anderen Person „mit dem Bierkrug eins überziehe“. „Hier ist auch nicht alles heil, aber deutlich besser als in Berlin“, meint der Ex-Polizist. In Bayern sei die Strafverfolgung allerdings „herausragend“.

Die Tat von Bad Langensalza mag so ein seltener Fall, aber längst kein Einzelfall für den ländlichen Raum sein. Einige weitere Beispiele: Am 25. Januar 2023 tötete Ibrahim A. im Regionalzug Kiel-Hamburg, kurz vor dem Bahnhof Brokstedt, zwei junge Menschen – die 17-jährige Ann-Marie K. und den 19-jährigen Danny P. – und verletzte vier weitere schwer. Eines der Opfer nahm sich infolge der Tat das Leben. Der Täter war wenige Tage zuvor aus einer Untersuchungshaft in Hamburg entlassen worden.

Im Dezember 2022 wurde die 14-jährige Ece auf dem Schulweg erstochen – ein Fall, der bundesweit für Entsetzen sorgte.

Ende September 2024 wurde der 45-jährige Syrer Mohammad A. in Burg bei Magdeburg mit mehreren Messerstichen getötet. Anwohner fanden den Mann blutüberströmt am Südring auf offener Straße, wo er starb. Fünf Männer aus Syrien und Iran im Alter von 18 bis 26 Jahren wurden angeklagt – ihnen wurde vorgeworfen, den Tod billigend in Kauf genommen zu haben. Der Hauptangeklagte wurde schließlich zu acht Jahren Gefängnis verurteilt.

Inzwischen hat der Bürgermeister von Bad Langensalza, Matthias Reinz, den Opfern sein Mitgefühl ausgesprochen: „Es macht mich betroffen, dass es in Bad Langensalza zu solch einer Tat kam. Das ist keine schöne Sache. Es zeigt aber, dass die Brutalität auch in den Kleinstädten längst angekommen ist und kein Großstadtphänomen mehr ist. Die Tat ging von zwei Gruppen mit Migrationshintergrund aus. Ich rufe dennoch zur Besonnenheit auf und möchte keine Vorverurteilung.“

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