BADEN HEUTE UND GESTERN

BLZ
2 Min

Mit dem 20. Jahrhundert wird Baden zum Volkssport. Die Schwimm- trikots sind zunächst einteilig, später ärmel- und kniefrei. Die nackte Männerbrust bleibt unter gestreifen Anzügen versteckt. Zu ihren an Schlafgewänder erinnernden derben Baumwolltrachten tragen die Frauen Hut und Schirm. Doch die Bademode wird immer freizügiger. In den Wilden Zwanzigern werden die ersten FKK-Clubs rund um Berlin gegründet. Im März 1926 treten Frauen beim "Berliner Strandfest" gar mit Badeanzügen auf, deren Träger ihre Brustwarzen gerade so verdecken. Irgendwann ist es dem Staat zu viel: Der "Zwickelerlass" vom 18. August 1932 verbietet nicht nur das Nacktbaden, sondern schreibt vor: Frauen dürfen nur öffentlich baden, "falls sie einen Badeanzug tragen, der Brust und Leib an der Vorderseite des Oberkörpers vollständig bedeckt, unter den Armen fest anliegt sowie mit angeschnittenen Beinen und einem Zwickel versehen ist."Die Männer tauschen die vorgeschriebenen Einteiler in den 40er-Jahren gegen Badehosen - die seitdem zwischen Bermudashorts und Winzlingen variieren. Nach dem Krieg beginnt der allmähliche Siegeszug des Bikinis. Brigitte Bardot zeigt ihn 1956 in "Und immer lockt das Weib". Endgültig zum Kult wird er spätestens 1962, als Ursula Andress im Film "007 jagt Dr. No" in einem knappen weißen Bikini dem Meer entsteigt. James Bond stammelt etwas von einem "hübschen Nichts." Zwei Jahre später wird erstmals eine Frau im Monokini - oben ohne - auf den Bahamas fotografiert. Es ist eine Prostituierte. Die Bikinis verdecken immer weniger Haut und werden zu den teuer- sten Textilien überhaupt - rechnet man den Preis auf die verwendete Stoffmenge um. Besonders teuer sind die sich seit 1990 von Brasilien aus verbreitenden String Tangas. Auch bei den Badeanzügen rutschen die Beinausschnitte immer höher und fördern seit langem den Verkauf von Anti-Cellulitis-Cremes.An den Stränden - den längsten Laufstegen der Welt - wird auch in diesem Sommer viel Haut zu sehen sein. Allerdings geht der Trend in dieser Saison zu starken Farbtönen in ungewöhnlichen Kombinationen: Früher beispielsweise wären Pink und Rot undenkbar gewesen. Selbst Männer tragen nun Orange und Türkisblau. Die Schnitte erinnern an die 50er-Jahre. Und: Es darf wieder etwas mehr Stoff sein.

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