Die Nachricht kommt zur rechten Zeit: Die Deutsche Bahn hat beim Schienentechnikkonzern Bombardier 90 neue Neigezüge bestellt. Auftragswert: rund eine halbe Milliarde Mark. Doch dabei handelt es sich nicht um einen gewöhnlichen Auftrag. Für viele Mitarbeiter im größten Bombardier-Werk in Hennigsdorf könnte er von existenzieller Bedeutung sein - und ihren Job retten. Der Standort nördlich von Berlin ist nämlich erheblich gefährdet. Die Belegschaft hatte zuletzt sogar gefürchtet, dass der neue Eigentümer das ehemalige Adtranz-Werk ganz schließen könnte. Der Grund: Durch den Zusammenschluss der beiden Bahntechnikkonzerne zum weltweit größten Schienenfahrzeughersteller gibt es erhebliche Produktüberschneidungen. Deshalb stehen derzeit alle Werke auf dem Prüfstand. Für zusätzliche Unruhe hatte erst die überraschende Entscheidung von Bombardier gesorgt, in Hennigsdorf den Bereich Fahrgastinformationssysteme zu schließen. Mit dem Großauftrag könnte sich die Situation für die verbliebenen 2 500 Mitarbeiter des Standortes jedoch schlagartig verbessert haben - denn der Neigezug wird bislang in Hennigsdorf gebaut. Zwar erscheint es durchaus möglich, die Produktion der 90 Züge in ein anderes Bombardier-Werk zu verlagern. Doch eine solche Entscheidung würde wenig Sinn machen. Neigezüge sind mit einer hochsensiblen Technik ausgestattet. Viele Jahre haben die Hennigsdorfer gebraucht, um einen Zug auf die Gleise zu stellen, der zuverlässig funktioniert. Das ist ihnen mit dem Neigezug VT 612, den die Bahn jetzt bestellt, offenbar gelungen. Das Vorgängermodell dagegen ist bis heute mit technischen Problemen behaftet und wird deshalb vom Unternehmen komplett zurückgerufen. Eine Verlagerung in ein anderes Werk wäre für Bombardier mit erheblichen Risiken verbunden. Eine erneute Pannenserie wird die Bahn mit Sicherheit nicht hinnehmen. Hennigsdorf kann weiter hoffen, an der Reduzierung der Kapazitäten insgesamt führt aber kein Weg vorbei. Es wird in jedem Fall bei Bombardier bundesweit zum Abbau von tausenden Stellen kommen. Wie der Konzern, der bisher in der Öffentlichkeit sehr zurückhaltend agiert, tatsächlich entscheidet, muss erst noch abgewartet werden.
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