Trotz Rekordinvestitionen von rund 19,9 Milliarden Euro hat sich der Zustand des deutschen Schienennetzes im vergangenen Jahr nicht verbessert. Die Pünktlichkeit der Fernzüge bleibt auf niedrigem Niveau. Dies geht aus dem Netzzustandbericht sowie der Pünktlichkeitsstatistik der Deutschen Bahn und der bundeseigenen Infrastrukturtochter DB InfraGO vom Donnerstag hervor.
Das rund 33.000 Kilometer lange Schienennetz erhält im neuen Netzzustandsbericht erneut die Schulnote 3,0, wie bereits im Vorjahr. „Die Trendwende haben wir noch nicht geschafft“, sagte die neue Bahnchefin Evelyn Palla bei der Vorstellung des Berichts. „Viele Anlagen und Bahnhöfe sind weiter in keinem guten Zustand.“
Nach Angaben des Konzerns reichten 26.000 Baustellen und Investitionen von 19,9 Milliarden Euro im vergangenen Jahr lediglich aus, um eine weitere Verschlechterung zu verhindern. Den gesamten Sanierungsstau beziffert die Bahn auf rund 130 Milliarden Euro. Für das laufende Jahr plant die Bahn 28.000 Baustellen und Bruttoinvestitionen von mehr als 23 Milliarden Euro. Palla forderte verlässliche Mittel vom Bund: Erfolgreich sei man nur, wenn die Investitionen kein einmaliger Ausschlag blieben, sondern zum neuen Standard würden.
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Stellwerke schlechtem Zustand, Pünktlichkeit schwach
Am schlechtesten schneiden weiterhin die Stellwerke ab, die für Weichen und Signale zuständig sind. Sie erhielten die Note 4,02. Jedes zweite der rund 4000 Stellwerke sei erneuerungsbedürftig, teilte die Bahn mit. Auch bei Bahnübergängen verschlechterte sich die Note leicht auf 3,65. Die Bahnhöfe verbesserten sich dagegen geringfügig auf 2,96. Bei den Zustandsnoten der Bahnhöfe hat vor allem Berlin Nachholbedarf. Mit einer 3,4 im Durchschnitt liegt die Hauptstadt auf dem letzten Platz hinter Thüringen (3,27) und Sachsen (3,12).
Philipp Nagl, Vorstandsvorsitzender der DB InfraGO, sagte, mit den Investitionen sei eine weitere Verschlechterung des Anlagenzustands abgewendet worden. Der ermittelte Erneuerungsbedarf sei erstmals seit Jahren gesunken, von rund 110 auf etwa 106 Milliarden Euro.
Bei der Pünktlichkeit hat der Konzern die Erwartungen zurückgeschraubt. Palla und Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) senkten das Ziel im Herbst auf 70 Prozent bis 2029. Der frühere Vorstand unter Richard Lutz hatte für 2027 noch 75 bis 80 Prozent angepeilt. Im April 2026 erreichten die Fernverkehrszüge 64,4 Prozent der Halte mit höchstens 5:59 Minuten Verspätung. Für das gesamte Jahr 2025 liegt dieser Wert bei nur 60 Prozent im Personenfernverkehr, ähnlich dürfte es im Gesamtergebnis des laufenden Jahres aussehen. Bis 2036 sind rund 40 Generalsanierungen wichtiger Strecken geplant. (mit dpa)
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