Am Abend des 26. Mai 2006 beginnt an der Spree ein neues Eisenbahnzeitalter. Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee werden gemeinsam mit Bahnchef Hartmut Mehdorn den neuen Hauptbahnhof einweihen. Und damit den Schlusspunkt setzen unter ein 10-Milliarden-Investitionsprojekt, mit dem seit Mauerfall das Berliner Bahnsystem völlig neu strukturiert wurde. Im Vorfeld der Eröffnung widmet sich die Berliner Zeitung den Bahnhöfen in Berlin und wirft einen Blick auf die wechselvolle Eisenbahngeschichte der Stadt - vom ältesten zum jüngsten Bahnhof, vom "katholischen" zum schönsten Bahnhof Berlins. Frank Schmitz------------------------------Foto: Bahnhof Potsdamer Platz: Unmittelbar vor den damaligen Toren Berlins nahm 1838 die erste Bahnlinie der Stadt den Verkehr in Richtung Potsdam auf. Der ehemalige Standort der Gleisanlagen und des 1869-72 errichteten und im Krieg zerstörten Bahnhofsgebäudes, ist noch im Stadtbild ablesbar; an seiner Stelle befindet sich heute der Tilla-Durieux-Park. 1997 wurde mit dem Bau des neuen Bahnhofs begonnen, den die Züge auf ihrer Fahrt vom Bahnhof Südkreuz zum Hauptbahnhof durch den Nord-Süd-Tunnel erreichen. Von einer unterirdischen Passage zwischen Potsdamer Platz Arkaden und dem S-Bahnhof eröffnet sich der Blick auf die Bahnsteige. Die Architekten Hilmer & Sattler, Modersohn & Freiesleben vermieden durch diese vielfältigen Durchblicke den Eindruck räumlicher Enge. Zum hellen und offenen Charakter der Passage und des Regionalbahnhofs tragen auch die großen, gläsernen Eingangspavillons auf dem Potsdamer Platz bei.Foto: Ostbahnhof: Der 1842 als "Frankfurter Bahnhof" eröffnete Ostbahnhof ist der älteste bis heute genutzte Bahnhof in Berlin. Über das erste Bahnhofsgebäude ist wenig bekannt. Fest steht nur, dass es schon nach wenigen Jahren völlig unzureichend war. Ende des 19. Jahrhunderts entstand ein repräsentatives Empfangsgebäude, das nach Beschädigungen im Zweiten Weltkrieg vereinfacht wiederhergestellt wurde. Zur 750-Jahrfeier Berlins 1987 hatten Ostberliner Politiker bestimmt, dass die Hauptstadt der DDR einen "Hauptbahnhof" haben müsse. Das alte Bahnhofsgebäude wurde weitgehend abgerissen, in veränderter Form neu errichtet und umbenannt. Insgesamt wechselte der Ostbahnhof seinen Namen fünfmal, zeitweise hieß er auch "Schlesischer Bahnhof". Um 1900 wurde die Station im Volksmund als "katholischer Bahnhof" bezeichnet, da hier die Ankömmlinge aus Oberschlesien und den katholischen Teilen der Ostprovinzen eintrafen.Foto: Südkreuz: War die Umbenennung des "Lehrter Bahnhofs" in "Hauptbahnhof" noch von erbitterten Protesten begleitet, findet die bevorstehende Namensänderung des Bahnhofs Papestraße, der künftig "Südkreuz" heißen wird, nahezu unbeachtet von der Öffentlichkeit statt. Die Station an der Kreuzung von Ringbahn und Nord-Süd-Bahn wird für 115 Millionen Euro nach Plänen des Frankfurter Architekturbüros JSK zu einem Mega-Bahnhof ausgebaut. Der künftig zweitwichtigste Bahnhof Berlins soll sich dank benachbarter Parkdecks zu einem "Autofahrerbahnhof" entwickeln und vor allem den Süden der Stadt an das Schienennetz anbinden. Die bereits fertig gestellte Halle der Ringbahn ist 183 Meter lang und besteht aus 2 400 Tonnen Stahl und 3 700 Quadratmetern Glas. An den darunter liegenden Bahnsteigen für die S- und Fernbahnen auf der Nord-Süd-Strecke wird derzeit noch unter Hochdruck gearbeitet.Foto: Gesundbrunnen: Der Name des Bahnhofs geht auf eine nahe gelegene, inzwischen versiegte Heilquelle zurück. Nach Plänen der Architekten Ingrid Hentschel und Axel Oestreich entsteht hier ein neues Gebäude mit vier Bahnsteigen. Von dieser Stelle aus werden Züge direkt nach Rügen, Frankfurt am Main, München, Erfurt und Prag verkehren. Die Richtungsanzeiger auf den Perrons leuchten bereits, die Gleisnummern sind aber noch von Plastikfolie umhüllt. Mehrfach wurde das 114-Millionen-Bauprojekt abgespeckt, so dass Bahnreisende bei der Eröffnung statt eines Empfangsgebäudes lediglich einen Service-Pavillon vorfinden werden, in dem man neben Tabakwaren, Lesestoff und Proviant auch Fahrkarten kaufen kann. Weitere Einkaufsmöglichkeiten sind jedoch reichlich vorhanden: Direkt neben dem Bahnhof liegt das "Gesundbrunnen-Center", eine der größten Shopping-Malls Berlins.
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