BALI - Die UN-Klimakonferenz tritt in ihre entscheidende Phase. Kommende Woche entscheiden die Politiker. Worüber wird geredet? Ist Aids nicht ein drängenderes Problem? Ein Blick auf prominente Köpfe der Debatte.

Der Krisenmanager

Sven Titz
2 Min

Hans Joachim Schellnhuber ist immer für griffige Zitate gut: "Wir müssen die Schwellenländer langsam an den Klimaschutz heranführen", sagte er in einem Interview mit der Zeitung Standard. Man habe zwei pädagogische Hilfsmittel: "Zuckerbrot und Peitsche". Einerseits solle vermittelt werden, dass der Klimawandel Länder wie China und Indien besonders hart erwischt. Andererseits müsse die klimaneutrale Wirtschaft so attraktiv wie möglich gemacht werden. Dann würden Schwellenländer bald kooperieren wollen.Zum Klima gelangte Schellnhuber, 57, erst nach und nach. Studiert hat der Bayer nämlich Physik und Mathematik. An der Universität Oldenburg wurde er 1989 Professor für Theoretische Physik am Institut für Chemie und Biologie des Meeres. Früh erkannte er die riesigen Chancen der Wende und gründete 1991 eine einzigartige wissenschaftliche Einrichtung: Das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) entstand. Schellnhuber war der erste Direktor und ist es heute wieder.Am PIK arbeiten Naturwissenschaftler, Soziologen, Politologen und Ökonomen eng zusammen. Ihre Aufgabe ist die "Erdsystemanalyse" - Schellnhuber gilt als einer der Pioniere dieser jungen Forschungsrichtung. In Vorträgen warnt er, dass der Klimawandel das Erdsystem über Schwellenwerte hinaus führen könnte ("tipping points"), an denen es kein Zurück mehr gibt. Dann trocknet etwa der Regenwald im Amazonas aus und der Nordatlantikstrom, der verlängerte Arm des Golfstroms, versiegt.In vielfältiger Weise wirkt Schellnhuber als Politikberater. Seit 1992 gehört er dem Wissenschaftlichen Beirat Globale Umweltveränderungen der Bundesregierung an. Seit neuestem berät er die Bundeskanzlerin Angela Merkel persönlich in Klimafragen. Auch dem EU-Kommissionspräsidenten José Manuel Barroso steht er mit seiner Sachkenntnis zur Seite. Der politische Einfluss führte dazu, dass Deutschland und später die EU das sogenannte Zwei-Grad-Ziel beschlossen hat. Dieser Vereinbarung zufolge sollten die Kohlendioxid-Emissionen so rasch verringert werden, dass eine bedrohliche globale Erwärmung von mehr als zwei Grad Celsius über das Niveau des ausgehenden 18. Jahrhunderts vermieden werden kann.Zuletzt versammelte Schellnhuber 17 Nobelpreisträger und weitere kluge Köpfe im barocken Schlosstheater des Neuen Palais' in Potsdam, um über die Klima- und Energiekrise zu debattieren. Eine kleine Analogie zu Lomborgs Kopenhagener Konsens. Zum Abschluss verabschiedeten die Teilnehmer des Potsdamer Treffens ein Memorandum. Darin richteten sie an die Politiker in Bali einen klaren Appell: Der Klimaschutz darf nicht länger warten.------------------------------Foto : Joachim Schellnhuber, Naturwissenschaftler

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