Der Bankräuber schien gut vorbereitet. Bei der Ausführung stellte er sich allerdings ziemlich dumm an. Er informierte sich über die Reaktionszeit der Polizei, beschäftigte sich mit seiner Pistole und warnte die Angestellten davor, Farbpatronen zwischen das Geld zu legen. Einen entscheidenden Punkt übersah er allerdings: Er zeigte sein Gesicht, fuhr mit einem auffälligen Pickup davon und speicherte seine gesamte Vorbereitung auf dem Handy.
Nun muss Deron Lewis-P. für zehn Jahre und einen Monat ins Gefängnis. Ein Bundesgericht in Omaha im US-Bundesstaat Nebraska verurteilte den 23-Jährigen wegen Bankraubs und des Einsatzes einer Schusswaffe zu insgesamt 121 Monaten Haft.
Besonders bemerkenswert ist die digitale Spur des Falls. Nach Angaben des US-Justizministeriums nutzte Lewis-P. ChatGPT, um den Überfall vorzubereiten. Entdeckt wurde dies, weil er der Polizei freiwillig erlaubte, sein Telefon zu durchsuchen.
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Bankräuber drohte Angestellten mit dem Tod
Am 10. Februar betrat Lewis-P. kurz nach 15 Uhr eine Filiale der i3 Bank im Nordwesten von Omaha. Er richtete eine schwarze halbautomatische Pistole auf zwei Bankangestellte und forderte sie auf, die Kassen zu leeren.
Wenn sie seinen Anweisungen nicht folgten, werde er sie erschießen, drohte er. Nach den später veröffentlichten Gerichtsunterlagen sagte er zu einer Angestellten, er habe einen „schlechten Tag“. Zugleich warnte er die Mitarbeiter davor, Farbpatronen unter die Geldscheine zu mischen.
Mit 9175 US-Dollar gelang Lewis-P. zunächst die Flucht. Für einen unauffälligen Abgang hatte er allerdings denkbar wenig getan: Die Kameras filmten sein Gesicht deutlich, auch sein Outfit besaß hohen Wiedererkennungswert. Das Justizministerium nennt eine schwarze Jacke, eine blaue Hose und rote Nike-Badelatschen.
Auch der Fluchtwagen war kaum zu verwechseln. Kameras in der Umgebung erfassten einen weißen Ford F-150 mit Werkzeugkasten und mehreren auffälligen Roststellen. Selbst das Kennzeichen war auf den Aufnahmen zu sehen. Eine diskrete Flucht sieht anders aus.
Überwachungskameras zeichneten seine Einkaufstour auf
Nur elf Minuten nach dem Alarm erfasste ein automatisches Lesegerät den Pickup in der Nähe der Bank. Weitere Kameras und Zahlungsdaten belegten nach Angaben der Ermittler, dass der Räuber kurz nach dem Überfall im Einkaufszentrum Westroads Mall Kleidung und Schuhe kaufte. Bezahlt habe er mit Bargeld.
Die Polizei fand den Wagen schließlich vor einem Haus in Omaha und beobachtete das Gebäude. Als Beamte zwei Menschen ansprechen wollten, die das Haus verließen, rannten beide davon. Einer von ihnen war Lewis-P. Während der Verfolgung warf er Geldscheine zu Boden, wie der Lokalsender WOWT unter Berufung auf die Ermittlungsakten berichtete.
In zwei von ihm genutzten Wohnungen fanden die Ermittler später weitere Banderolen, den mutmaßlichen Fluchtwagen und einen Großteil der Kleidung vom Überfall. Auch die auffälligen Nike-Badelatschen wurden sichergestellt. Insgesamt konnte die Polizei 2397 der gestohlenen 9175 US-Dollar zurückholen. Die verwendete Pistole blieb verschwunden.
ChatGPT-Anfragen und Route zur Bank auf dem Handy
Lewis-P. räumte gegenüber den Ermittlern ein, den Ford gefahren zu haben. Mit dem Bankraub wollte er nach eigener Darstellung jedoch nichts zu tun gehabt haben. Anschließend stimmte er einer Durchsuchung seines Mobiltelefons zu.
Dort fanden die Beamten nach Darstellung der Staatsanwaltschaft ChatGPT-Unterhaltungen, die der Vorbereitung des Überfalls gedient haben sollen. Lewis-P. habe sich unter anderem über die Reaktionszeiten der Polizei informiert. Weitere Anfragen hätten sich darum gedreht, wie eine Pistole des Modells Llama Mini-Max .45 zerlegt und repariert werden könne und wie Lewis-P. trotz seiner Vorstrafe an Munition gelangen könne.
Die Behörde veröffentlichte weder den genauen Wortlaut der Eingaben noch die Antworten des Chatbots. Aus ihrer Mitteilung geht deshalb nicht hervor, ob ChatGPT die gewünschten Hinweise tatsächlich lieferte oder bestimmte Anfragen ablehnte.
Auch die zuletzt aufgerufene Route in Google Maps belastete den 23-Jährigen. Sie führte direkt zu jener Bank, die kurz darauf überfallen wurde.
Zehn Jahre Haft ohne Möglichkeit auf Bewährung
Bundesrichter Robert Rossiter verhängte 37 Monate Haft für den Bankraub. Weitere 84 Monate erhielt Lewis-P. dafür, dass er während der Tat eine Schusswaffe eingesetzt hatte. Beide Strafen werden nacheinander vollstreckt.
Eine vorzeitige Entlassung auf Bewährung gibt es im amerikanischen Bundesstrafrecht nicht. Nach seiner Haft muss Lewis-P. weitere fünf Jahre unter behördlicher Aufsicht verbringen. Die Ermittlungen in dem Fall führte die US-Bundespolizei FBI.
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