BERLIN, 4. Dezember. Die kühle Zurückhaltung, mit der die Rede von CSU-Chef Edmund Stoiber auf dem Leipziger CDU-Parteitag aufgenommen worden war, beschäftigt nach wie vor die Unionsparteien. Während Christdemokraten aus dem Arbeitnehmerlager die Meinung äußerten, die Frage des nächsten Kanzlerkandidaten sei nun endgültig zu Gunsten von CDU-Chefin Angela Merkel entschieden worden, stellt sich für CSU-Generalsekretär Markus Söder diese Frage "zurzeit nicht". Die Union habe jetzt harte Fakten wie das Vorziehen der Steuerreform zu debattieren und keine Personalfragen, sagte er der Münchner Abendzeitung. "Man muss doch erst mal diese Saison zu Ende spielen, bis man über die nächste diskutiert." Über eine neue Kanzlerkandidatur werde von CDU und CSU gemeinsam frühestens Ende 2005 entschieden.Die Verärgerung, die es bei der CSU über die "Kraftmeierei" der großen Schwesterpartei gegeben hat, versucht die Münchner Parteispitze herunterzuspielen. Bei allen öffentlichen Äußerungen müsse der Eindruck vermieden werden, die CSU trete nach, gab Stoiber seinen Mitstreitern als Ratschlag auf den Weg. "Wir werden den Ball flach halten", heißt es bei der CSU-Landesgruppe im Bundestag. Was damit gemeint ist, erläuterte der Abgeordnete Norbert Geis. Man dürfe den Beifall für Stoiber in Leipzig nicht an dem Applaus messen, den der CSU-Chef im vorigen Jahr als Kanzlerkandidat erhalten habe. Im Übrigen seien die um die Geschlossenheit der Union bemühten Christdemokraten weitaus zahlreicher als diejenigen, "die Differenzen in den Vordergrund rücken".Zu denen zählt die CSU offenbar den CDU-Vize Christian Wulff. Dieser hatte der bayerischen Schwesterpartei geraten, sich von ihrem Sozialexperten Horst Seehofer zu distanzieren. Dies wurde in München als eine ähnliche Unfreundlichkeit empfunden wie die Bezeichnung "ehemaliger Kanzlerkandidat", mit der CDU-Vize Jürgen Rüttgers den CSU-Chef tituliert hatte. Die Münchner Parteizentrale wies das Ansinnen gegen Seehofer prompt zurück. "Er ist stellvertretender Parteivorsitzender und einer der profiliertesten Sozialpolitiker der Union", stellte Söder klar. Was die Beilegung sachlicher Differenzen etwa bei der Rentenreform betreffe, so will sich die CSU von der CDU nicht drängen lassen. Söder: "Jetzt gibt es Zeitdruck nur beim Vorziehen der Steuerreform."
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]