Fast jeder vierte Bewohner des Wohngebiets am Fennpfuhl würde seinen Kiez am liebsten verlassen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Befragung im Auftrag des Bezirksamtes Lichtenberg. An jeden vierten Haushalt in dem 33 200 Bewohner umfassenden Wohngebiet Lichtenbergs waren im Februar dieses Jahres Fragebögen geschickt worden, in denen die "Fennpfuhler" nach ihrem Wohlbefinden im Kiez befragt wurden. Jeder vierte Fragebogen war ausgefüllt an das Bezirksamt zurückgeschickt worden. Der Fennpfuhl, der Anfang der 70er Jahre als erstes Plattenbaugebiet Ost-Berlins errichtet worden war, galt einst als sehr gefragte Wohngegend. Obwohl in der Befragung 73 Prozent der Bewohner angegeben hatten, gern in der Gegend zu wohnen, wurde mit Kritik nicht gespart. Besonders schlecht sieht es demzufolge auf dem kulturellen Gebiet aus. Mehr als die Hälfte der Befragten (52,2 Prozent) bezeichnete die Freizeitmöglichkeiten in der Gegend als schlecht; das kulturelle Angebot wurde sogar von 61,8 Prozent der Anwohner kritisiert. 68 Prozent der Befragten bemängelten zudem die fehlende Sauberkeit in ihrem Wohngebiet. Zufrieden zeigten sich die Befragten vor allem mit der ärztlichen Versorgung in der Gegend, den Einkaufsmöglichkeiten sowie der allgemeinen Lebensqualität. Obwohl sich der Bezirk schon seit Jahren um mehr Attraktivität im Wohngebiet am Fennpfuhl bemüht, hat sich bislang wenig getan. "Im Vergleich zu anderen Gegenden im Bezirk wurde hier wenig bewegt", sagt Lichtenbergs Sozialstadträtin Ellen Homfeld (PDS).Diese Einschätzung teilt auch Sigurd Liehr vom Bürgerverein Fennpfuhl. "Es gibt viele Vorschläge für diese Gegend. Aber es wird zu wenig umgesetzt." So war das von Anwohnern geforderte Nachbarschaftshaus bislang an der schlechten finanziellen Ausstattung des Bezirks gescheitert. Gut 500 000 Mark würde der Umbau einer leer stehenden Kita kosten. "Wir suchen jetzt jemanden, der das finanziert", sagt Homfeld. Das könnten auch Wohnungsbaugesellschaften sein. "Die müssen doch ein Interesse haben, ihre Mieter hier zu halten." Gespräche seien bislang noch nicht zustande gekommen. Da sich vor allem die älteren Bewohner des Fennpfuhls an der Befragung beteiligt hatten, ist unklar, wie die jüngeren ihr Wohngebiet sehen. "Denen müssen wir uns gesondert widmen", sagt Friedhelm Meißner, Geschäftsführer der gemeinnützigen Wirtschaftsforschung GmbH, die die Untersuchung ausgewertet hat. Die Ergebnisse der Befragung sollen interessierten Anwohnern, Bezirkspolitikern und Bezirksverordneten am kommenden Donnerstag um 18 Uhr im Storkower Bogen vorgestellt werden. Auch die Wohnungsbaugesellschaften werden eingeladen.
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