Bei "Christiansen" wurde über die Turbulenzen in der CSU diskutiert. Es ging zu wie in einer Nachmittags-Talkshow

Der Stürmer und der Stoiberianer

Klaudia Wick
3 Min

Hillu Hensen (ehemals Schröder), Helmut Dietl, Uli Hoeneß, Claus Strunz - die Gästeliste las sich wie das Personenregister der Zeitschrift Bunte. Wie überhaupt das leidige Thema "Seehofer und seine Geliebte" vor wenigen paar Jahren noch ein klassischer Fall für die People-Magazine gewesen wäre. Inzwischen aber kann mit dem "Intrigantenstadl Politik", durchdekliniert an den Turbulenzen in der CSU, sogar die ARD Sendezeit füllen.So durfte Sabine Christiansen im feschen Janker-Look die Moralfrage der Woche stellen: Wie scheinheilig ist eigentlich die Politik? Die geladenen Bigotterie-Experten wussten natürlich, was von ihnen erwartet wurde und spielten ihre Rolle perfekt. Uli Hoeneß, einst gefürchteter Stürmer, ging gleich in den Angriff gegen die Parteifunktionäre. Mit seiner Verbalattacke "In München müssen viele erst wieder den aufrechten Gang lernen!" lockte er erwartungsgemäß den CSU-Generalsekretär Markus Söder aus der Deckung. "Ich bleibe Stoiberianer", bekannte der pathetisch, aber noch während er das sagte, brachte die Regie schon wieder den aufgeregten Bayern-Manager ins Bild: "Wo waren Sie denn in den letzten vierzehn Tagen? Ich habe nicht viel von Ihnen gelesen!" Damit machte er Söder ("Immer wenn ich was sage, flippen hier alle aus") für eine kleine Weile stumm.In diese Stille hinein durfte nun Claudia Roth, die sich an diesem Abend wohl in der Rolle der Mediatorin gefiel, im klassischen Sozialarbeiterdeutsch ihre Fundamentalkritik platzieren: Seit Monaten gehe es in Bayern nicht mehr um Sachthemen wie Klimawechsel, Kinderbetreuung oder gerechte Bildung, sondern nur noch um eine "Form der Verkommenheit im Umgang miteinander." Mit ihrer Medienschelte, die Journalisten machten sich allzu oft zu Handlangern der Politiker, weckte Roth den "Bild am Sonntag"-Chefredakteur Claus Strunz auf, der sich zu diesem Zeitpunkt wohl immer noch dafür schämte, eingangs zu Sabine Christiansens Begrüßung nicht "Danke für die Einladung", sondern ein in seiner Rolle als Gast völlig deplatziertes "Herzlich Willkommen" in die Kamera geflötet zu haben.Nun war der Moment gekommen, den freudschen Versprecher mit etwas gespielter Empörung vergessen zu machen: Journalisten seien keine Handlanger, sondern "dienen ihrem Publikum" predigte Strunz also mit protestantisch erhobenem Zeigefinger und scheinheiligte gleich weiter, dass die geforderte Selbstbeschränkung der Medien ja bei genauerer Betrachtung eine Vorstufe der Zensur sei. Regisseur Helmut Dietl bekannte daraufhin, die ganze Aufregung nicht mehr zu begreifen.Später, als sich alle anderen schon intellektuell komplett verausgabt hatten, setzte Dietl mit "Die Politiker sind ja so einsam" und "Das mit dem Seehofer ist eine richtige Sauerei" noch einmal kleine verbale Höhepunkte innerhalb einer Inszenierung, die in ihrer künstlichen Erregung einer Nachmittagstalkshow würdig gewesen wäre. Wer immer bei der ARD darüber nachdenkt, wie die Zukunft dieses Sendeplatzes aussehen könnte, sollte sich das Band dieser "Christiansen"-Ausgabe besorgen.

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