BERLIN. Die weltweite Rezession zwingt immer mehr Unternehmen in Deutschland zur Kurzarbeit. Erstmals seit 15 Jahren lässt der Autobauer Daimler einen Großteil seiner Belegschaft nur noch an drei bis vier Tagen in der Woche arbeiten. "Betroffen davon sind seit gestern mehrere zehntausend Mitarbeiter", sagte eine Daimler-Betriebsratssprecherin der Berliner Zeitung. Allein in den großen Werken in Sindelfingen, Stuttgart-Untertürkheim und Rastatt arbeiten seit Wochenbeginn mehr als 30 000 Beschäftigte kurz. Im Motorenwerk Berlin-Marienfelde sind 1 600 der 2 900 Mitarbeiter von der Maßnahme betroffen, im Transporterwerk Ludwigsfelde 2 600 Beschäftigte.Firmen gewähren Zuschuss"Die Kurzarbeit wurde vorerst bis Ende März vereinbart", sagte die Betriebsratssprecherin. "Um allzu große Einkommenseinbußen der Mitarbeiter zu verhindern, haben wir mit dem Konzern vereinbart, dass er die Nettogehälter mindestens bis auf 90 Prozent des bisherigen Niveaus aufstockt." Bei Kurzarbeit werden die Mitarbeiter in der Regel nur für die geleisteten Arbeitsstunden vom Unternehmen bezahlt. Bis zu 67 Prozent des regulären Nettoeinkommens wird von der Bundesagentur für Arbeit erstattet. Daimler reagiert mit der Produktionsdrosselung auf den massiven Absatzeinbruch in den vergangenen Monaten. 2008 hatte Daimler 2,3 Prozent weniger Pkw verkauft.Auch Volkswagen will Kurzarbeit nicht mehr ausschließen. Derzeit gebe es aber noch genügend Möglichkeiten, um über flexible Arbeitssysteme die Produktion an die sinkende Nachfrage anzupassen, sagte VW-Chef Martin Winterkorn. Auch Opel bereitet sich auf mögliche Kurzarbeit an weiteren Standorten vor. Im Werk Eisenach wird von dieser Möglichkeit bereits Gebrauch gemacht. Gestern haben sich die europäischen Betriebsräte mit der Opel-Mutter GM Europe auf eine Arbeitszeitflexibilisierung geeinigt. "Dabei geht es um eine Mischung aus Kurzarbeit und Arbeitszeitverkürzung", sagte Opel-Betriebsratschef Klaus Franz. Im Gegenzug verzichte GM auf Werksschließungen und betriebsbedingte Kündigungen. "Bei Arbeitszeitverkürzung sollen die Mitarbeiter einen 50-prozentigen Ausgleich für nicht geleistete Arbeitsstunden erhalten", sagte Franz. Das Kurzarbeitergeld solle um 12,5 Prozent durch den Konzern aufgestockt werden.Bei BMW und Audi rollten gestern nach verlängerter Weihnachtspause wieder in allen deutschen Werken Autos vom Band. Kurzarbeit ist dort ebenso wenig geplant wie bei Ford Deutschland. Dagegen hat der weltgrößte Autozulieferer Bosch wegen der Absatzkrise für rund 9 000 Mitarbeiter Kurzarbeit angemeldet.Neben der Automobilindustrie arbeiten auch in anderen Branchen immer mehr Mitarbeiter kurz. Der Stahlkonzern ThyssenKrupp hat flächendeckende Kurzarbeit ab Februar angekündigt. Alle Konzernsparten mit ihren rund 20 000 Mitarbeitern seien betroffen. Beim Konkurrenten Arcelor arbeiten tausende Mitarbeiter bereits seit Wochen kurz. Beim Chemiekonzern BASF entlasten die Mitarbeiter derzeit ihre Arbeitszeitkonten. Auch dort sei Kurzarbeit nicht mehr auszuschließen, sagte ein Sprecher.------------------------------Foto: Daimler-Werk in Ludwigsfelde: Seit gestern gilt auch dort Kurzarbeit.
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