An der Hundekehle ist es noch unter sich, das alte West-Berlin. Man kennt sich, man grüßt sich, meidet oder küsst sich, flaniert unter Bäumen, macht Geschäfte, tratscht und klatscht im Biergarten am Seeufer und nebenher schauen die meisten auch ein wenig Tennis. Je nachdem wer spielt. Aber das ist laut Tunierdirektor Eberhard Wensky auch gar nicht so wichtig. "Tennis ist nur der Anlass", sagt er.Dort wo sonst auf rotem Grund gelbe Bälle geschlagen werden, blühenHortensien und Fleißige Lieschen rund um die provisorischen Springbrunnen. Im VIP-Gartenlokal tragt die Dame Hut, der Herr Schlips und Jackett, das aber beim Gang zum Centre Court, wo bisweilen Hertha-Trainer Jürgen Röber neben Harald Juhnke in einer Loge sitzt, lässig über die Schulter gehängt werden darf. In das kleine Karrée der Bankgesellschaft Berlin kommt nur, wer einen dezenten kleinen Anstecker am Revers trägt. Passend zum VIP-Bändchen am Handgelenk wechselt auch der Pin täglich seine Farbe. Sammlerstücke sind das, mit vier verschiedenen Motiven der einzelnen Banken und der Jahreszahl. Mehrfach verwenden können die Gäste der Banker den Anstecker also nicht. Dafür werden sie von Sammlern bestürmt sobald sie abends das Gelände verlassen. Fast wie richtige Prominente.An den Holztischen dreht sich das Gespräch kaum um Tennis. Allenfalls die Reize des blonden Tennisstars Anna Kurnikowa werden diskutiert. Die 18-Jährige wird von einem Herrentisch zerlegt wie ein Hühnchen. Beine okay, Po auch, Brust zu wenig lautet das Urteil. Die Damen am Nachbartisch diskutieren über Kaiserschmarrn und Kaiserschnitt. Im Wechsel. Sie kennen sich seit Jahren, sagen sie, da kann man das mal machen. "Von Tennis verstehe ich eh nichts", gibt eine zu."Die German Open sind ein fester Bestandteil des Kalenders der Berliner Gesellschaft", sagt auch Club-Präsident Jörg Scholz stolz. Und korrigiert sich sofort: "Des West-Berliner Kalenders." Denn dass das höchstdotierte Damentunier Deutschlands ein gesellschaftliches Muss ist, scheint sich weder im Ostteil der Stadt, noch bei der zugezogenen Bonner Politprominenz herumgesprochen zu haben. Für die Diplomatenwelt ist Tennis als Gesellschaftsereignis ungewohnt. Als die Präsidentin des Berliner Diplomatenclubs, Mania Feilcke, Einladungen an die Botschaftergattinen verschickte, bekam sie zunächst haufenweise Absagen. Verwirrt fragte sie bei einigen Damen nach. "Die sagten, aber Mania, du weißt doch, dass ich nicht Tennis spielen kann!", erzählt sie un d lacht: "Nächstes Jahr werde ich schreiben, dass es Lunch gibt."Der Regierungsumzug hat auch die VIP-Zusagen-Liste zum "Mercedes Ladys Day" kaum beeinflusst. Ein paar Botschafter-Gattinnen sind dazugekommen und auch die Frau des ARD-Hauptstadtstudioleiters Ulrich Deppendorf. Das ist alles. "Uns interessiert in erster Linie die Berliner Gesellschaft", sagt PR-Beraterin Jaqueline Chaouli. Sicherlich seien auch die anderen eingeladen worden, wie etwa die Frauen der Bundesminister, "aber die wohnen ja meist nicht in Berlin".Und so trafen sich am Mittwoch die Berliner Damen zum Essen in der Mercedes-Lounge, die sich überall treffen. Isa Gräfin Hardenberg, Janine White und Irina Pabst waren da, die Politiker-Frauen Angelika Böger, Anne Momper und Sabine Branoner, wie auch Ruth Galinski, Marylea van Daalen und natürlich Monika Diepgen, gut ausgestattet mit Strohhut und Sonnencreme. "Hier ist alles so geblieben wie immer", sagt die Frau des Regierenden und ergänzt dann noch: "Nur schöner ist es geworden." Das schönste Gartenlokal Berlins ist hier beim LTTC "Rot-Weiss", da sind sich die Damen einig.Warum die Bundesregierung nicht kommt, kann Clubchef Scholz nur schwer verstehen. Aus "Termingründen" haben sie alle abgesagt, von Bundeskanzler Schröder bis Innen- und Sportminister Schily. "Bei denen gibt es eben kaum Tennis-Fans", sagt Scholz. "Es bringt doch nichts, wenn einer nur am Rand sitzt, sich langweilt und Präsenz zeigt." Das Wie und Warum sei nicht so wichtig, sagt hingegen Tunierdirektor Wensky. "Die Bundespolitiker werden noch merken, dass Berlin mehr zu bieten hat als Fußball."Und dass die German Open mehr sind, als nur Tennis: "Es wird sich bald bei den Bonnern herumsprechen, dass sie hier wunderbar umsonst essen können", spöttelt ein Herr im grauen Dreiteiler. "Dann wird es voll hier.""Die Bundespolitiker werden schon noch merken, dass Berlin mehr zu bieten hat als Fußball. " Turnierdirektor Eberhard Wensky BERLINER ZEITUNG/CHRISTIAN SCHULZ Bei den German Open am Hundekehle-See trägt die Dame Hut - und manche Herren auch.
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