Bei der Einweihung des historischen Festungsports kam das Boot nicht durch die Toreinfahrt

Zitadellenhafen: Kein Schiff wird kommen

Lennart Paul
3 Min

Nach mehr als 135 Jahren sollte am Freitag wieder ein Schiff in den Hafen der Zitadelle einlaufen. Doch der Fischerkahn war zu breit für die enge Durchfahrt und blieb stecken.Die Schaulust hielt sich in Grenzen an diesem kalten Vormittag. Einige Presseleute standen zitternd am Rand des restaurierten Hafenbeckens im hinteren Teil der Zitadelle: kalte Finger, die beinahe an Kameragehäusen festfroren. Dann erscholl von der Havelseite der Ton eines Hornes, kläglich und zaghaft zuerst, doch schnell an Sicherheit gewinnend. Einige der Zuschauer stiegen auf die Festungskurtine. Unter ihnen schipperte - historisch unkorrekt - ein Fischerboot mit Außenbordmotor und einigen Mann Besatzung. Manfred Schulze vom Stadtgeschichtlichen Museum war in die Nachtwächteruniform geschlüpft. Er stand am Heck und blies das Horn. In der Mitte des offenen Kahns war ein Tisch aufgebaut. Dort saß Kunstamtsleiter Gerd Steinmöller. Gutgelaunt blickte er auf die enge Öffnung, die in den Hafen führt. Bestimmt hatte er zu Hause schon geübt, beim Einlauf huldvoll zu grüßen. Dann das Malheur: Das Boot kam nicht um die enge Kurve, die sich direkt vor dem Hafentor befindet. Zehn, vielleicht zwanzig Zentimeter waren zuviel, da halfen auch die Rangierkünste des Bootsführers nichts. Ein Trugschluß auch, das Boot könne rückwärts durch das Tor passen. Die Besatzung mußte schließlich aussteigen und die letzten Meter gehen. Ein wenig kleinlaut waren die ehrenwerten Herrn, und für einen Moment blickten sie so verstohlen um sich, als suchten sie nach der versteckten Kamera. "Unser ursprüngliches Boot hatte einen Motorschaden", sagte Gerd Steinmöller entschuldigend. Als Ersatz habe die Fischerei Latendorf das zu breite Boot angeboten. Für eine Probe sei keine Zeit mehr gewesen.Besser soll alles im kommenden Frühjahr werden. Dann können Touristen eine Bootstour auf der Havel und dem Zitadellengraben unternehmen. Gerd Steinmöller verspricht ihnen schöne Ausblicke und Getränke an Bord. Vielleicht klappt es dann auch mit dem Höhepunkt, der Fahrt durch das Hafentor. Das Hafenbecken stammt aus dem 16. Jahrhundert. Jahrhundertelang liefen hier die Schiffe ein, die Waren in die Festung brachten. "Auch Fürsten kamen über den Wasserweg", sagte Zitadellenbauleiter Wolfgang Berg, "der Landweg war zu schlecht befestigt und deshalb zu unbequem." Um 1860 wurde das Becken zugeschüttet. Nachdem die Polizei bei der Suche nach Giftgas auf die Überreste stieß, begann 1994 die Instandsetzung. Der Wasserstand im Becken ist durch die Stauung der Oberhavel allerdings inzwischen gewaltig gestiegen: von ursprünglich 30 auf 110 Zentimeter. +++

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