Ralf Bauer kam ins Schwitzen, da half auch die Erfahrung aus Fernsehproduktionen (unter anderem "Gegen den Wind") nichts. Richtig anstrengen musste er sich, um seine Rolle zu erfüllen: Am Donnerstagabend stand der Mädchenschwarm bei der "fashion gallery" an der Friedrich-/Ecke Schützenstraße (am Checkpoint Charlie) Modell für den Anzug eines Berliner Modemachers, der versteigert werden sollte. Damit das gute Stück für einen ordentlichen Preis unter den Hammer des Auktionshauses Christie s kam, musste Bauer seinen ganzen Charme sprühen lassen. Nur schade, dass das Publikum sich wenig für ihn interessierte, dafür um so mehr für die leckeren Häppchen, die serviert wurden. Für Bauers braunes Teil mit Klettverschlüssen statt Knöpfen wurden 650 Mark erzielt, das veranschlagte Mindestgebot lag bei 800 Mark. Elf Stücke wurden versteigert, darunter Kreationen von Berliner Modemachern wie Betty Bund, Lisa D. und Emulgator. Als Models dienten neben Bauer Sharon Brauner (Sängerin und Nichte von Filmproduzent Artur Brauner), Techno-Queen Marusha und Schauspielerin Lea Mornar ("Liebe deine Nächste" von Detlev Buck).Doch an diesem Abend halfen auch die mehr oder weniger prominenten Gesichter kaum. Die Auktionatorin war schwer zu verstehen, und weil der Raum so voll, die winzige Bühne so niedrig platziert war, waren die Kleider schwer zu sehen.Dabei war die Idee gut: Geld sollte gesammelt werden für das Kinderhilfswerk Unicef. Unicef finanziert Projekte für Straßenkinder in Brasilien. Es sollen Heime gebaut, Kinder unterrichtet, aber auch vor Übergriffen geschützt werden. Die Idee zu der "fashion gallery" hatte die Kenianerin Warda Schrobsdorff, selbst lange Zeit ein Model. Sie wollte Mode und Kunst vereinen. "Es war faszinierend, wie schnell sich die Berliner Kunst- und Modewelt begeistern ließen", sagte sie bei der Eröffnung stolz. Bis zum 5. Februar hängen dort Werke von den Berlinern Margaret Hunter, Gert Rohling und Miguel Rothschild. Auch die Bilder sollen verkauft werden. Während bei den Kleidern der Gesamterlös an Unicef geht, fließt bei den Bildern die Hälfte an die Straßenkinder. Die Verknüpfung zu Brasilien versuchten die Schüler der Berliner Modeschule ESMOD, indem sie ihre Laufsteg-Show "Bringing Snowballs to Brasil" nannten. Zu "Schneeflöckchen, Weißröckchen" drehten die Erstsemestler brav ihre Runden und zeigten Kreationen in Weiß. Während sie durchs zugige Erdgeschoss stöckelten, nahm in der ersten Etage die Stehparty ihren Gang: Sehen-und-Gesehen-Werden, dazu wurden die Caipirinha-Gläser schneller geleert als die Kellner nachschenken konnten. Bei all der guten Laune kam das ernste Anliegen etwas kurz: In einer Stadt wie Salvador im Nordosten Brasiliens müssen mehr als 270 000 der Zehn- bis 14-Jährigen arbeiten, um zu überleben. Die Materialkosten für den außerschulischen Unterricht eines Kindes kosten monatlich 23 Mark. An diesem Abend wurden 7 000 Mark eingenommen.
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