Es war der angesagteste Klub in der Stadt. Schon 1980 besang "Ideal" die Diskothek "Dschungel". Genau zwanzig Jahre später folgten am Freitag noch einmal hunderte der Aufforderung, in die Schöneberger Nürnberger Straße 53 zu kommen. Zwar ist der "Dschungel", in dem David Bowie, Iggy Pop und Carlos Santana feierten, seit sieben Jahren geschlossen. Doch auf Betreiben von Kate Merkle, Chefin des Juweliers "Bucherer", öffnete der Kult-Klub nun noch einmal für eine PR-Party. Wäre das Blitzlichtgewitter der Fotografen nicht gewesen - man hätte fast glauben können, alles sei wie früher: Die Schauspielerin Anouschka Renzi schaute vorbei, Schmuckdesignerin Jette war als Abgesandte der Familie Joop zugegen, der Künstler Salomé hatte wie so oft seine Maske auf, Francis Winter und Oliver Juhnke standen an der Bar. Ganz Berlin war da, um der alten Lieblings-Disko Lebewohl zu sagen. So auch Marianne Rosenberg. Sie schrieb immerhin ihren ersten eigenen Songtext in einer Sitzecke der Szene-Disko. Kein Wunder, dass die Revival-Party bei ihr nostalgische Gefühle hervorrief. "Das ist wie eine Zeitreise rückwärts, da wird man schon ganz melancholisch." Trotzdem fehlte ihr etwas: der Hauch von Underground. Über den Wirbel um die Berühmtheiten wunderte sich auch Inga Humpe. "So eine Rummel um die Stars wäre in den 80ern nie möglich gewesen", sagte die Neue-Deutsche-Welle-Sängerin. "Dazu waren wir alle viel zu cool." Der amerikanische Schauspieler Harvey Keitel, zurzeit bei Dreharbeiten in Berlin und bei weitem der prominenteste Gast des Abends nahm den Trubel gelassen. Er flüchtete sich mit Schauspieler-Kollegen Thomas Kretzschman auf die VIP-Empore und sah für die Länge einer Cohiba-Zigarre dem Gedränge von oben zu. Wer sich schon immer mal in Regen und Kälte am Brandenburger Tor eine CD der Schöneberger Sängerknaben anhören wollte, der kam am Sonntag gegen 11 Uhr auf seine Kosten. Die anwesenden Chorknaben bewegten nämlich nur ihre Lippen, die Musik kam aus der Tonkonserve. So richtig mit Inbrunst sangen dazu aber die "Tatort"-Kommissare und Telekom-Maskottchen Manfred Krug und Charles Brauer. Zwar waren sie bei "Kommet Ihr Hirten" nicht immer text- und melodiesicher. Aber darauf kam es nicht an. Das Motto dieser Minuten lautete: Wir unterbrechen die Werbung für ein wenig Reklame: Da wurde nach dem Singen von Krug und Brauer das 17. Fenster des Adventskalenders geöffnet, zu dem die Telekom das Brandenburger Tor umfunktioniert hat. Nebenbei durfte Krug auch noch den Absatz seiner eigenen CDs ankurbeln. Getarnt war die Gesangseinlage am Tor übrigens als Einlösung von Krugs Wette bei der vorigen Sendung von "Wetten, dass...?" - wen interessiert es da noch, dass er die Wette gar nicht verloren hatte...-----Am Sonnabend ging das Licht aus. Nach der letzten ZDF-Hitparade in den Bufa-Studios in der Tempelhofer Oberlandstraße trafen sich die Beteiligten noch zu einem traurigen Umtrunk. Und Nicole, die an diesem Abend viele Tränen vergossen hatte, verteilte an besonders lieb gewonnene Hitparaden-Mitarbeiter Sekt- und Champagnerflaschen, die sie selbst zum Abschied in größerer Menge geschenkt bekommen hatte. Natürlich hat auch der Rentner Heinz Nickel, der über 30 Jahre die Tür zu den Stars vor allzu aufdringlichen Fans bewachte, eine bekommen.BERLINER ZEITUNG/CHRISTIAN SCHULZ (2) Drei Grazien im "Dschungel": Im Schaufenster der Disko in der Nürnberger Straße 53 posierten Freitagnacht drei Damen als lebende Dekoration.Als "Dschungel"-Veteranin eine heiß begehrte Interview-Partnerin: NDW-Sängerin Inga Humpe mit "Berlin Beat"-Moderatorin Jackie A.
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