So groß wie zurzeit war die Furcht vor einer weltweiten Grippewelle (Pandemie) wohl noch nie. Denn das seit 1997 in Südostasien grassierende Vogelgrippevirus H5N1 erobert immer schneller neues Terrain. Es ist zwar eine Tierkrankheit, Menschen können sich lediglich bei Geflügel anstecken. Aber jederzeit könnte das Virus sich verändern und noch gefährlicher werden.Impfstoffe sollen die befürchtete Katastrophe aufhalten. Doch die lassen sich erst produzieren, wenn feststeht, gegen welchen Virustyp sie schützen sollen. Denn auch der dafür heißeste Kandidat, H5N1, müsste sich noch wandeln. Der Erreger ist zwar, wie es sich für ein Pandemie-Virus gehört, für den Menschen neu und lässt sie schwer erkranken, er ist aber nicht von Mensch zu Mensch übertragbar.In den USA fürchtet man den Virustyp offenbar trotzdem. Gerade hat Präsident George W. Bush bekannt gegeben, dass seine Regierung 1,2 Milliarden Dollar aufwenden will, um zwanzig Millionen Dosen H5N1-Impfstoff zu erwerben.Eine umstrittene Taktik: "Das Geld ist womöglich in den Sand gesetzt", sagt Johannes Löwer, der das für Impfstoffe zuständige Paul-Ehrlich-Institut in Langen leitet. Löwer zufolge ist es unwahrscheinlich, dass ein solches Vakzin auch dann noch wirkt, wenn das Virus zum Pandemie-Erreger mutiert ist. Zudem sei es möglich, dass ein ganz anderer Virustyp um die Welt ziehen wird.In Deutschland versucht man daher Methoden zu entwickeln, mit denen schnell viel Impfstoff hergestellt werden kann - sofort nachdem der Pandemie-Erreger feststeht. 20 Millionen Euro will die Bundesregierung dafür ausgeben, gab das Gesundheitsministerium kürzlich bekannt. Dabei setzt man vor allem darauf, die herkömmliche Herstellungsmethode ergiebiger zu machen (Text links). Langfristig hofft man jedoch auf die Produktion in Zellkulturen (Text rechts).George W. Bush hat sich offenbar für eine zweigleisige Taktik entschieden. Er lässt einerseits H5N1-Vakzin herstellen, fördert aber auch neue Methoden - mit stolzen 2,8 Milliarden Dollar.------------------------------Foto: Grippeerreger (Influenzaviren) unter dem Elektronenmikroskop. Man unterteilt sie in die drei Typen A, B und C. Darüber hinaus gibt es etliche Subtypen - je nachdem wie die Oberflächeneiweiße H und N beschaffen sind.
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