FÜRSTENWALDE. Als die Männer mit ihren Maschinen auf die Stellen stießen, wussten sie sofort Bescheid. Die Autobahnbauer, die seit dem Frühjahr Teile der Autobahn A 12 erneuern, hatten Einschlüsse von Braunkohle freigelegt. "Wie schwarze Erde sehen die Flecken aus oder wie dunkler Torf", beschreibt Matthias Bock vom Landesbetrieb für Straßenwesen die auffälligen Stellen dicht unter der Erdoberfläche. Manchmal liegen sie fünf Meter auseinander, manchmal 20 oder 50. Auch andere Sedimente wie Kies und Tone legten die Straßenarbeiter frei.Überrascht von den Funden unweit der Rauenschen Berge ist in der Behörde allerdings niemand. "Wir wussten, dass wir auf einem schwierigen Untergrund bauen", sagt Autobahn-Experte Bock. Gerade die Braunkohleeinschlüsse sind typisch für die bis zu 154 Meter hohen Rauenschen Berge, die von der vorletzten Eiszeit vor 140 000 Jahren geformt wurden. Schon im 18. Jahrhundert wurden hier Braunkohle-Lagerstätten entdeckt. Bergarbeiter förderten zwischen 1843 und 1872 mehr als 1,7 Millionen Kubikmeter aus den Gruben, die bis 1924 in Betrieb waren. Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es in den Rauenschen Bergen für wenige Jahre noch einmal den Versuch, Braunkohle in nennenswerter Menge aus einem Bergwerk zu fördern. 1950 war endgültig Schluss.Doch der noch immer mit Braunkohle gespickte Boden ist als Baugrund für Autobahnen denkbar ungeeignet. "Mit Messgeräten können wir die Tragfähigkeit genau ermitteln", sagt Matthias Bock. Die Ingenieure entschlossen sich nach der Messung, den üblichen Fahrbahnaufbau zu verändern. Auf 1,5 Kilometer Länge stabilisierten sie den Untergrund mit einem sogenannten Geogitter aus Kunststoff, dessen Maschen mit Vlies gefüllt sind. Auf das Gitter packten sie eine 60 Zentimeter starke Schotterschicht - üblich sind 30 Zentimeter. Bei den Arbeiten herrschte trockenes Wetter. "Sonst wäre die Tragfähigkeit noch schwerer zu erreichen gewesen", sagt Bock.Verzögerungen gibt es durch den erschwerten Autobahnbau, für den auch vier Brücken errichtet wurden, nicht. "Der Ausbau liegt im Plan", sagt Cornelia Mitschka, die Sprecherin des Landesbetriebs. Der letzte Abschnitt bis Fürstenwalde, auf dem es die gewohnten sandigen Böden gibt, soll nun ohne Beeinträchtigungen so vorbereitet werden, dass ab 22. September der Beton auf der gesamten Strecke gegossen werden kann.Dazu wird bei Fürstenwalde eigens eine Mischanlage errichtet, die - wie bei Baustellen dieser Art üblich - den Beton vor Ort zusammenrührt. Etwa 20 000 Kubikmeter werden benötigt. Riesengroße Maschinen tragen den Beton auf, 30 Zentimeter hoch, 11,50 Meter breit. "Jeden Tag wollen wir 400 bis 500 Meter vorankommen", sagt Matthias Bock. Zwei Wochen dauert es, bis der Beton ausgehärtet ist.Freigegeben wird der neue Abschnitt voraussichtlich Mitte Dezember, wenn die Schutzplanken angebracht, die Fahrbahnen markiert und Verkehrsschilder aufgestellt sind. Dann stehen je Richtung zwei Fahrspuren auf der neuen Fahrbahn zur Verfügung. Und die Staus auf dem Abschnitt sollen der Vergangenheit angehören.------------------------------Karte: Seit 31. März wird die Autobahn bei Fürstenwalde komplett erneuert.
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