MÜNCHEN, 28. Juni. Luciano Pavarotti hatte sich im kühlen Norwegen ein Schnüpfchen geholt. Und, wie dumm, auch Liz Taylors Hund war krank, malade wie die Diva höchstselbst, die sich voller Bedauern entschuldigen ließ. Doch damit nicht genug der Hiobsbotschaften: Rod Stewarts Erscheinen via Satellit mußte wegen technischer Probleme ebenfalls ausfallen. Drei für das gigantische Benefizkonzert "Abenteuer Menschlichkeit" groß angekündigte Stars, die buchstäblich in letzter Minute ihre Auftritte im Olympiastadion absagten. Dort traten Michael Jackson und immerhin noch Hunderte andere Künstler am Sonntag zum Spendensammeln an.Selige HysterieFast wäre auch noch Michael Jacksons Auftritt vorzeitig beendet worden. Die Technik versagte, und die Brücke, auf der Michael stand, ließ sich nicht wie geplant auf die Bühne herabsenken. Sie rasselte mit dem Popkönig in den Fotografengraben. Trotz der unsanften Landung sang Jacko sein Lied tapfer zu Ende. Später ließ er sich dann doch in ein Krankenhaus bringen. Blaue Flecken und Schürfwunden keine Lappalien für einen, der vor kurzem noch mit Sauerstoffmaske herumlief. Aus der Klinik wurde Michael inzwischen wieder entlassen.In seiner aufwendigen, 40minütigen Bühnenshow hatte der Popstar wie immer mit aufwendigen Effekten nicht gegeizt. Nicht nur Hits wie "You are not alone" oder der "Earth Song", nein, jedes Stöhnen, jede Tanzeinlage Jackos waren für die Fans ein Anlaß, in selige Hysterie zu verfallen. Glücklich, wer sich beim Massenwettlauf um die bühnennahen Stehplätze trotz der durchwachten Nacht vor Michaels Hotel noch die Kraft für einen Spurt bewahrt hatte. So wie Scott Crozer aus Kalifornien, der jeden Auftritt seines Idols live miterlebt: "Ich denke, Michael erkennt mich inzwischen wieder." Zuletzt hätte Michael Scott in Seoul sehen können, als "Jackson and Friends" ein weiteres Wohltätigkeitskonzert gaben. Wie gesagt, hätte.Die übriggebliebenen Stars des deutschen Musikmarathons mühten sich redlich, gegen die Beliebtheit des King of Pop anzusingen. "Michael, Michael"-Rufe durchbrachen die Ruhe in den fünfminütigen Umbauphasen. Moderator Thomas Gottschalk erzählte dann ein wenig oberlehrerhaft etwas von Fairneß: "Michael würde das nicht begrüßen." Die Interpreten selbst, die sich in die Rolle einer besseren Vorgruppe gedrängt sehen mußten, wählten die Flucht nach vorn, huldigten Michaels Engagement und beeilten sich zu betonen, daß sie ja nur ein paar Minuten singen wollten, einfach für die gute Sache.Doch durften am Ende auch Udo Jürgens, Vanessa Mae oder Andrea Bocelli mit der Resonanz zufrieden sein. Patricia Kaas war nach ihrem begeistert beklatschten Auftritt die Erleichterung anzusehen. "Mir hatte das Angst gemacht, mit so vielen anderen aufzutreten. Nachher kennt dich da draußen keiner!" sagte die bühnenerprobte Chanson-Sängerin. Riesenapplaus erhielt Mario Adorf für seine kurze Einlage. Mit vieldeutig-listiger Gaunermiene verlas er als Auftakt für ein Udo-Jürgens-Lied unter dem Gejohle der Zuschauer einige Bibelzitate. Ein großes Familienfest war das Musikspektakel in den Nachmittagsstunden gewesen. Im zunächst nur halbvollen Stadion gab es genügend Platz zum Spielen für die Kleinen, während Mutters Hüften sich im Takt von Sashas Popsongs wiegten und Vater auf der Isomatte ein Nickerchen machte. Diese Szenerie animierte den müde wirkenden Ex-Beatle Ringo Starr wohl dazu, das Lied vom gelben U-Boot anzustimmen. Das kennt schließlich jeder, mochte er sich gedacht haben, und sei es aus der Sesamstraße. Ein Winken von Kai PflaumeJe später der Nachmittag, desto größer wurden die Scharen der Autogrammjäger, die sich vor dem Backstagebereich postiert hatten. Wenn hier in Sachen Beliebtheit jemand Michael Jackson Konkurrenz machen konnte, so war es die Kelly Family. Jedenfalls vor dem Konzert. Doch es gab kein einziges Autogramm, und so waren die vielen Verehrerinnen bitter enttäuscht. Mit dem Fernglas ließ sich zwar auch auf der VIP-Tribüne so mancher Promi erblicken, doch was ist schon ein Winken von Kai Pflaume gegen eine Unterschrift von Angelo. Neben deutschen Fernsehhalbgrößen und ohne hündische Begleitung zeigte sich Rudolph Mooshammer. Er war vom gesamten Abendprogramm entzückt. Wobei man ihm ungern unterstellen möchte, daß das am Blick durch die rosarote Sonnenbrille lag, die er zum gleichfarbigen Samtsakko trug.
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