Beim Golden-League-Meeting der Leichtathleten wahrt Tatjana Lebedewa als Letzte die Chance auf den Jackpot

Zeichen in Zürich

Robert Hartmann
3 Min

ZÜRICH, 21. August. Es war vermutlich der beste Schnappschuss des Leichtathletik-Meetings "Weltklasse Zürich". Er zeigte Saif Saaeed Shaheen aus Katar. Der schwarze Athlet stürzte gerade beim Hindernislauf über 3 000 Meter in einen Wassergraben. Gischt spritze auf, und weil diese Szene thematisch so wunderbar zu den Wettkämpfen im Letzigrund passte, druckte die Schweizer Boulevard-Zeitung Blick Shaheens Bild in ihrer Ausgabe vom Sonnabend. "Rekorde fielen ins Wasser", titelte das Blatt dazu. Zürich ohne Rekorde - das hatte es schon seit Jahrzehnten nicht mehr gegeben.Die besten Leichtathleten der Welt waren fünf Tage nach der WM aus dem Regen von Helsinki in die Traufe von Zürich gekommen. Immerhin konnte Shaheen nach dem Sturz seinen Lauf fortsetzen. Im Dauerregen siegte der gebürtige Kenianer, der einst Stephen Cherono hieß, in 8:02,69 Minuten.Was geschah noch Bemerkenswertes auf der tropfnassen Bahn? Da war zum Beispiel die Vorstellung der US-Amerikanerin Sanya Richards über 400 Meter. Die WM-Zweite sorgte in 48,92 Sekunden für die einzige Saisonbestmarke. Als Neunte Läuferin überhaupt unterbot sie die 49 Sekunden und ließ Weltmeisterin Tonique Williams-Darling (Bahamas/49,30) keine Chance.In Veronica Campbell aus Jamaika verschaffte sich über 100 Meter eine weitere WM-Unterlegene Genugtuung. Sie siegte in 10,85 Sekunden. Auch dies war eine hervorragende Leistung, auch wenn Campbell den Weltrekord klar verfehlte. Denn heute glaubt doch niemand mehr an die Ehrlichkeit der Bestmarke von 10,49, die einst Florence Griffith-Joyner aus den USA lief, oder an die Makellosigkeit der 10,65 Sekunden ihrer Landsfrau Marion Jones. Beiden Leistungen nahm der Beigeschmack des Dopings jeden Zauber. Und mit einigem Recht verkündet die Französin Christine Arron, sie sei mit ihren 10,73 Sekunden die wahre Rekordinhaberin.Die Chance, eine andere Art von Bestmarke aufzustellen, wahrte Tatjana Lebedewa am Freitag: im Jackpot-Wettbewerb. Diese künstliche Konkurrenz honoriert in einigen ausgesuchten Disziplinen mit einer Million Dollar die Seriensieger auf den sechs Golden-League-Stationen von Oslo bis zum Istaf in Berlin (4. September). Die russische Dreispringerin Lebedewa siegte in Zürich mit einer Weite von 14,94 Metern und blieb damit als letzte Anwärterin auf den Jackpot übrig. Dagegen schied die bis dahin einzig verbliebene Mitbwerberin Arron als Vierte über 100 Meter aus. Bei der WM hatte Lebedewa unter Hinweis auf eine schmerzende Achillessehne auf die Teilnahme am Dreisprung verzichtet. Das zeigt: Der WM-Titel zählt weniger als der Mammon - ein Zeichen der Zeit.Den Deutschen blieben derweil nur Nebenrollen. Stabhochspringer Tim Lobinger war als Fünfter ihr Bester. Lars Riedel schob sich im Diskuswerfen vor den WM-Dritten Michael Möllenbeck und wurde doch nur Neunter. Die Glanzpunkte setzten andere bei den Männern. Der Äthiopier Kenensisa Bekele etwa zeigte in 7:32,59 Minuten über 3 000 Meter, dass er bereit ist, seinen Weltrekord über 10 000 Meter anzugreifen. Kommendes Wochenende will er so weit sein, in Brüssel.------------------------------Foto: Das Motiv zum Meeting: Hindernisläufer Shaheen strauchelte in Zürich.

Open Source

Open Source

Sie haben etwas zu sagen? Senden Sie uns Ihren Text! 

Einreichen
Open Door

Open Door

Sie möchten ein Thema vorschlagen? Senden Sie uns Ihren Vorschlag!

Vorschlagen
Send feedback

Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]

Lesen Sie mehr zum Thema
weltbune Banner