BERLIN, 4. Juni. Dies sind die Tage, in denen Fußballfreunde das Wort vom Aufgalopp strapazieren. Die Nationalelf galoppiert auf zur Weltmeisterschaft, und um endgültig ihren Lauf zu finden, bestreitet sie am Freitag gegen Luxemburg ein letztes Testspiel. Zeitgleich sattelt auch das halbe Land zum Galopp, in diesem Falle Richtung Großleinwand im Biergarten.WM-Chance verrauchtEiner aber trabt nur. Wie auf dem Feld, so auch im Leben. Mario Basler, Fußballprofi des FC Bayern München, wegen Lauffaulheit und Konditionsschwäche aus des Bundestrainers Kader aussortiert, war am Mittwoch abend der einzig wirklich Prominente in einem Promi-Rennen auf der Trabrennbahn Berlin-Mariendorf.Eigentlich ist die Geschichte schnell erzählt: Basler wurde Zweiter. Damit war er schneller als sein Manager Roger Wittmann, der ihm deshalb einen Urlaub zahlen muß. Am Freitag fliegt Basler in die Südsee, nach Bora Bora. Schluß, aus. Schluß, aus? Nicht ganz, denn Basler trat in Mariendorf nicht zuletzt als Deutschlands prominentester Fußball-Urlauber auf. Mit internationalen Ballspielgrößen wie Paul Gascoigne (England, zu dick) und Romario (Brasilien, zu verletzt) hat er (zu faul) gemein, sich wegen körperlicher Schwächen die WM-Teilnahme verbaut zu haben. Manche lästern, seine WM-Chance sei regelrecht verraucht (zu viel Nikotin). So kommt es, daß derzeit nicht der Duft der großen weiten Weltmeisterschaft durch Baslers Nase kriecht, sondern bloß der Geruch nach Pferdemist. Basler ist Basler, deshalb hat er reagiert und den 9 000 Zuschauern einen Abend voller Symbolik geboten. Er, der Verstoßene, zog demonstrativ an einigen Zigaretten, trank ein Schnäpschen und trabte schließlich durch das Licht der Abendsonne Mario, der einsame Cowboy. In seiner Brille spiegelte sich der Himmel, unten die sandige Bahn, und im vollen Lauf wirbelte er mal wieder eine Menge Staub auf.Basler hatte Angst gehabt vor dem Geläuf, das ihm da im Sulky um die Ohren flog, aufgeworfen durch die Hufe seines Pferdes. Schon vor dem Rennen fragte er: "Muß ich dann die ganze Zeit den Mund halten? Oh wei oh wei." Er tat es nicht, denn nach dem Zieleinlauf knirschte er mit den Zähnen, auch das paßte ins Bild.Beckenbauers RüffelBaslers Leihpferd, eine 8jährige Stute namens "Papaya Brodda", Insidern zufolge "so trabsicher wie die Bank von England", war für die 1 900 Meter als Favorit gesetzt. Tatsächlich zog sie Basler sofort an die Spitze und lief als Erste durchs Ziel doch leider war da noch eine Runde zu traben. "Papaya Brodda" ging sodann wie der Herr, so s Gescherr die Puste aus.Auf dem Siegertreppchen holte Basler, überwiegend in Weiß gewandet, tief Luft und sagte dann: "Ich habe zwei Tage Schwarz getragen, weil ich nicht zur WM darf." Jetzt aber freue er sich auf die nächste Saison beim FC Bayern. Basler hatte noch nicht "Bild" gelesen: Bayern-Präsident Franz Beckenbauer verkündete in seinem Hausblatt, "Basler paßt nicht ins System", es sei fraglich, ob "er mit seiner Verfassung 90 Minuten rauf und runter laufen kann".In Mariendorf setzte der Gescholtene auf eine fremde Pferdelunge, beinahe hätte er damit Erfolg gehabt. Nach den Gründen für den Verlust der Spitzenposition im Trabrennen gefragt, erzählte Basler einen vom Pferd: "In der letzten Runde ist ,Papaya Brodda nach außen gedriftet. Dabei hatte sie gar keinen Blinker gesetzt." Die Stute ihrerseits wollte sich zu Baslers Leistung lieber nicht äußern.
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