Beim Sommerfest des Bundespräsidenten wurde mal wieder dem Wetter getrotzt

Unter dem Regenbogen

Andreas Kurtz
3 Min

Die Frage des Abends lautete: "Und wo ist Knut?" Gestellt wurde sie am Freitagabend im 30-Sekunden-Takt Thomas Dörflein, dem Pfleger des kleinen Eisbären. Vielleicht hatte der zu Beginn des Sommerfestes von Bundespräsident Horst Köhler ja wirklich noch gedacht, dass er mit seiner Lebensgefährtin Daniela Kayser einen ruhigen Abend verbringen würde. Diese Hoffnung starb zuerst. Dörflein musste ständig für Fotos posieren und immer wieder die bewusste Frage beantworten. Was er mit mustergültiger Geduld so tat: "Knut schläft!"Gleich am Anfang des Abends verflüchtigte sich auch die Hoffnung auf ein trockenes Fest. Das Filmorchester Babelsberg spielte gerade das Motiv "Jäger des verlorenen Schatzes" aus dem Kinohit "Indiana Jones", da öffneten sich die himmlischen Schleusentore. Gastgeber Horst Köhler stellte bei einem Blick in die Runde fest: "Ich sehe in ein blaues Meer von Regenschirmen." Jene Gäste, die noch keine Erfahrung mit seinem Sommerfest und denen seiner Amtsvorgänger sammeln konnten, ließ er wissen: "Hier regnet's immer!" Ein schwacher Trost war sein Hinweis: "Regen ist was Gutes - in Afrika."Der Berliner CDU-Fraktionschef Friedbert Pflüger reagierte auf die Frage ob er und seine ihm erst vor kurzem angetraute Frau Sibylle schon wieder in Trennung leben (oder warum sie sonst zwei Schirme brauchen?!) schlagfertig: "Der eine ist gegen den Regen und der andere Bewaffnung!"Der Trend zum Zweitschirm war unter den 4 000 Gästen im Park von Schloss Bellevue unübersehbar. Und erwies sich am Ende nicht als Zeichen für Gier sondern für Weitsicht. So hatte man gleich einen Ersatzschirm dabei, wenn eine Windböe den ersten zerstörte. Altbundespräsident Richard von Weizsäcker betätigte sich recht erfolgreich als Hobby-Meteorologe: "Gleich scheint die Sonne! Auf unseren Festen war das auch immer ein Hin und Her." Worauf eine knappe Minute später wirklich die Sonne erschien. Und einen prachtvollen doppelten Regenbogen über Schloss Bellevue zauberte. Richard von Weizsäcker konnte dieses Naturschauspiel richtig begeistern: "Ich habe das noch nie so schön gesehen!"Neben Stammgästen wie Mitgliedern der Bundesregierung, Bundestagsabgeordneten und Vertretern des Diplomatischen Corps hatte Köhler auch wieder Bürger eingeladen, die sich im Sinne des diesjährigen Festmottos "Engagement - Miteinander - Füreinander" Verdienste erworben hatten. Wer nächstes Jahr dabei sein möchte, der sollte diesen Tipp aus dem Bundespräsidialamt beherzigen: Die Chancen steigen, wenn sich verdiente Bürger nicht selbst um die Einladung bewerben, sondern von anderen vorgeschlagen werden. Bei Knuts Pfleger hat das schließlich auch geklappt.------------------------------Foto: Wetterfest: Die Popband No Angels trat beim Sommerfest des Bundespräsidenten im Park von Schloss Bellevue auf.

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