Ein moslemischer Kriegsflüchtling aus Ex-Jugoslawien hat sich vor wenigen Tagen das Leben genommen. Der alleinstehende junge Mann soll nach Angaben der Beratungsstelle "Asyl in der Kirche" einen Brief hinterlassen haben, in dem er seine Angst vor Abschiebung äußert.Senad B. sei von der Ausländerbehörde aufgefordert worden, innerhalb von vier Wochen nach Bosnien auszureisen, sagte Elisabeth Reese von "Asyl in der Kirche" gegenüber der Berliner Zeitung. Aus seinem bei Angehörigen in Berlin hinterlassenen Abschiedsbrief gehe hervor, daß seine Verzweiflungstat im Zusammenhang mit dieser Aufforderung stehe. Was sich im einzelnen abgespielt habe, ließe sich aber nicht mit letzter Sicherheit sagen. Der junge Mann habe seit rund drei Jahren in einem Berliner Heim gelebt und sollte nach Sarajevo zurück. Er hatte sich deshalb bei "Asyl in der Kirche" juristisch beraten lassen. Seitdem das Land Berlin angekündigt hat, voraussichtlich noch vor Jahresfrist eine kleine Gruppe von Kriegsflüchtlingen notfalls abzuschieben, hat die Zahl der Ratsuchenden nach Angaben von Elisabeth Reese um "ein Vielfaches" zugenommen. Wie berichtet, wollte das Land Berlin bereits im Oktober diejenigen abschieben, deren Duldung abläuft. Rund 1 500 Alleinstehende und kinderlose Ehepaare gehören zu diesem Personenkreis. Wegen dem noch nicht unterzeichneten Vertrag zwischen dem Bundesinnenministerium und der bosnischen Regierung ist es dazu noch nicht gekommen. Außerdem haben fast alle Kriegsflüchtlinge beim Verwaltungsgericht Klagen eingereicht. Viele Flüchtlinge würden sich, so die Beraterin, von der Ausländerbehörde dennoch unter Druck gesetzt fühlen. Elisabeth Reese sprach von "gezielter Desinformation". Die Flüchtlinge hätten vor allem Sorge, innerhalb von vier Wochen - wie es auf den neuen Papieren steht - Berlin verlassen zu müssen. In ihrer Heimat - in Sarajevo oder anderen Orten - wiederum sei nicht klar, wo sie wohnen könnten. Die Mitarbeiter von "Asyl in der Kirche" befürchten, daß vor diesem Hintergrund auch andere Flüchtlinge in eine ausweglose Situation geraten. Vorgeschlagen wurde, vor Ausreisen auf offizeller Ebene zu klären, wo die Zurückkehrenden unterkommen. +++
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