Die Wirtschaftsauskunftei Schufa hält einem Medienbericht zufolge Informationen über Verbraucher deutlich länger vor als bislang angenommen und nutzt sie für Tests. Betroffene erfahren davon nichts.
Die Schufa speichert nach Recherchen des Norddeutschen Rundfunks (NDR) und der Süddeutschen Zeitung (SZ) veraltete Daten von Verbrauchern deutlich länger als bekannt. Wie die beiden Medien am Mittwoch berichteten, nutzt das Unternehmen diese Informationen für interne Tests und gibt Ergebnisse an Firmenkunden weiter. In der Fachwelt sei diese „Schattendatenbank“ bislang nahezu unbekannt.
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Gespeichert würden vor allem Angaben, von denen Betroffene ausgehen konnten, dass sie längst gelöscht seien – darunter alte Kredite, Pfändungen, Privatinsolvenzen sowie bereits vor Jahren beglichene Schulden.
Aus diesen Daten berechne die Schufa unter anderem, wie zuverlässig neu entwickelte Bonitäts-Scores funktionieren. Die Auskunftei verfügt nach eigenen Angaben über Daten von mehr als 68 Millionen Menschen.
Ist die Speicherung rechtmäßig? Schufa unter Druck
Die Schufa hält die Speicherung für rechtmäßig. „Die Speicherung und Weiterverarbeitung von historischen Daten stützt sich insgesamt auf mehrere, sich gegenseitig ergänzende datenschutzrechtliche Erlaubnistatbestände“, teilte das Unternehmen laut NDR und SZ mit. Besonders Banken seien gesetzlich verpflichtet, die Aussagekraft von Scores zu gewährleisten. Auch andere Firmen hätten ein „berechtigtes Interesse“ an geprüften Bewertungen. Verbraucher interessierten sich vor allem für ihre aktuelle Bonität, historische Daten seien für sie ohne Bedeutung, so die Schufa.
Die Datenschutzexpertin Ruth Janal stellte auf Nachfrage von NDR und SZ die Rechtmäßigkeit der Datenbank in dieser Größenordnung infrage. „Eine dauerhafte Speicherung solcher historischen Daten auf Vorrat für unbestimmte zukünftige Zwecke ist nach der Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofes nicht zulässig“, sagte sie. Für Tests reiche ein deutlich kleinerer Datensatz aus. Auch das Auskunftsrecht der Datenschutz-Grundverordnung erstrecke sich auf die historischen Daten.
Matthias Spielkamp von der Organisation AlgorithmWatch forderte laut Bericht eine Untersuchung. Die Schufa müsse sich fragen lassen, „welches Maß an Verantwortungslosigkeit hier herrscht“, sagte er den beiden Medien.
Der Hessische Landesdatenschutzbeauftragte befasst sich dem Bericht zufolge seit dem Frühjahr mit den Datentests. Geprüft werde die Rechtsgrundlage sowie die Frage, ob Verbraucher über eine Datenkopie informiert werden müssen. Das Verfahren sei demnach noch nicht abgeschlossen.
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