In den Verlagen werden die Kisten gepackt, in den Buchhandlungen Terminpläne überprüft: In wenigen Tagen beginnt die Leipziger Buchmesse, das große Frühlingsereignis der Branche. Weil die Messe diesmal ziemlich spät im Jahr liegt, sind die meisten Titel schon erhältlich. Die Bücherfrage der Woche geht an Maria-Christina Piwowarski, Leiterin von Ocelot in der Brunnenstraße, Podcasterin bei „Blauschwarzberlin“: Was sind Ihre Frühjahrslieblinge?
Maria-Christina Piwowarski: Gerade, als der Anruf kam, ist Eva Tepest aus der Tür gegangen. Wir haben über Tepests Buch „Power Bottom“ gesprochen, das im März-Verlag erschienen ist, aber vom Feuilleton noch nicht ausreichend wahrgenommen wurde. Vielleicht denken viele in den Redaktionen, es sei zu speziell, zu queer, irgendwie nischig. Da kann ich die Angst nehmen, es ist geradezu eine Erleuchtung, es zu lesen. Die Texte drehen sich um Macht und Begehren und Hingabe, um Sexualität – in einer beeindruckenden Sprache. Und so wird es meine erste Empfehlung.
Frage an die Buchhändlerin: Was sollen wir jetzt lesen?
Ich freue mich, nach den Lieblingen gefragt zu werden und nicht nach dem, worüber sowieso gerade alle reden. Zwei Bücher muss ich da nennen. Das eine ist von Doireann Ní Ghríofa und heißt „Ein Geist in der Kehle“, erschienen bei btb. Das hat mich völlig umgehauen. Es beginnt mit dem Satz: „Dies ist ein weiblicher Text.“ Die irische Autorin schreibt darüber, wie sie mit ihren kleinen Kindern festgezurrt im Alltag ist und dann auf das Gedicht einer Frau aus dem 18. Jahrhundert stößt, die von dem Blut ihres ermordeten Geliebten getrunken hat. Deren Totenklage wurde zur Weltliteratur, Schullektüre in Irland. Und es bekommt hier eine große Bedeutung für das Leben und Schreiben, für die Mutterschaft und das weibliche Begehren dieser Autorin. Doireann Ní Ghríofa verbindet sich mit dem so gut wie unbekannten Leben und dem Gesang der anderen Dichterin.
Judith Kuckart, was lesen Sie gerade?
Außerdem empfehle ich Christine Wunnicke – diesmal nicht nur als Autorin, ihre „Dame mit der bemalten Hand“ war ja sehr erfolgreich. Sie hat für den Berenberg-Verlag die Barockdichterin Margherita Costa wiederentdeckt, die lebte freizügig und selbstbewusst für ihre Kunst. Christine Wunnicke hat nicht nur Gedichte und Prosa von ihr übersetzt, sondern sie erzählt auch aus Costas Leben. Man wird als Leserin an die Hand genommen, sodass man begreift, was das für eine moderne Frau war. Das Buch heißt: „Die schöne Frau bedarf der Zügel nicht“.
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]