Interview

„Berlin degeneriert und verrottet“: Iranischer Arzt will nach Linken-Sieg die Stadt verlassen

Masyar Rahmanzadeh ist in Berlin aufgewachsen und bezeichnet sich als „deutschen Patrioten“. Nach dem Wahlsieg der Linken rechnet der Arzt mit der politischen Entwicklung seiner Heimatstadt ab.

13 Min
Doktor Masyar Rahmanzadeh in Berlin am 24. September 2026.

Doktor Masyar Rahmanzadeh in Berlin am 24. September 2026.

© Emmanuele Contini/Berliner Zeitung

Doktor Masyar Rahmanzadeh will Berlin verlassen. Das kündigte er zumindest nach dem Wahlsieg der Linken in einem viel beachteten Instagram-Video an. Die politische Entwicklung der Hauptstadt, sagt der Iraner, ertrage er nicht mehr. Bemerkenswert ist das auch deshalb, weil Rahmanzadeh andererseits betont, dass er Deutschland liebe. Er ist in Berlin aufgewachsen, hat hier studiert und promoviert, sich als Arzt einen Namen gemacht und bezeichnet sich selbst als „deutschen Patrioten“.

Umso drastischer fällt seine Abrechnung mit der Hauptstadt aus. Er spricht von einer „verrotteten“ Stadt, warnt vor einer Allianz zwischen Teilen der Linken und Kräften, die islamistische Positionen relativieren oder unterstützen, und fordert eine „Brandmauer nach links“. Dass er die Entwicklung so düster beurteilt, führt Rahmanzadeh auch auf seine iranische Herkunft zurück.

Im Interview mit dieser Zeitung erklärt Masyar Rahmanzadeh, welches Verständnis von Integration ihm seine Eltern vermittelt haben, weshalb er Berlin für leistungs- und wirtschaftsfeindlich hält und wie ernst seine Ankündigung gemeint ist, der Hauptstadt tatsächlich den Rücken zu kehren.

Herr Dr. Rahmanzadeh, Sie haben nach der Berlin-Wahl in einem Instagram-Video angekündigt, „die Stadt verlassen“ zu wollen. Sie haben hier studiert, promoviert und 2001 Ihr Gelenkzentrum gegründet. Was macht Ihnen am Wahlergebnis und dem Sieg der Linkspartei solche Sorgen, dass Sie eine derart drastische Konsequenz ziehen und alles hinter sich lassen wollen?

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Der Wahlsieg der Linken ist aus meiner Sicht vor allem auf zwei Faktoren zurückzuführen. Zum einen wurde das Wahlalter auf 16 Jahre gesenkt. Hinzu kommt eine extrem effektive Beeinflussung der Jugend über TikTok. Hinzu kommt eine Politik, die auf eine schnellere Einbürgerung und damit staatsbürgerliche Integration von Menschen mit Migrationsgeschichte zielt. Davon profitiert die Linke offenbar auch elektoral: Nach einer Auswertung der Forschungsgruppe Wahlen gaben 51 Prozent der befragten muslimischen Wähler ihre Stimme der Linken.

Meine Sorge geht aber darüber hinaus. Ich habe als Iraner eine Blaupause dafür erlebt, was passieren kann, wenn Linke die Gefahr des politischen Islam unterschätzen. Vor fast 50 Jahren haben linke Kräfte im Iran den Schah bekämpft und zu seiner Diskreditierung beigetragen. Am Ende übernahmen die Islamisten die Macht und genau jene Linken, die zuvor gegen den Schah gekämpft hatten, wurden später selbst verfolgt oder hingerichtet.

Zur Person
Emmanuele Contini/Berliner Zeitung

Zur Person

Dr. Masyar Rahmanzadeh wurde als Sohn iranischer Einwanderer in Berlin geboren und ist Orthopäde. Berufliche Stationen führten ihn unter anderem an die Charité, die Mayo Clinic und Kliniken der Harvard Medical School.

Heute betreibt Rahmanzadeh eine Praxis am Berliner Wittenbergplatz. Spezialisiert ist er auf künstlichen Gelenkersatz an Hüfte und Knie sowie die operative Behandlung komplexer Vorfußdeformitäten.

Sie vergleichen also Entwicklungen, die Sie heute in Berlin beobachten, mit der Situation im Iran vor der Islamischen Revolution 1979. Ist das nicht ein sehr weitreichender Vergleich?

Nein. Ich bin überzeugt, dass die Verbindung von Sozialismus, Marxismus und Islamismus eine toxische Mischung ist. Man muss verstehen, was im Iran passiert ist. Das Land war vor der Islamischen Revolution gesellschaftlich wesentlich freier. Der Schah hat Iran innerhalb weniger Jahrzehnte modernisiert: Alphabetisierung, Landreformen, die Gleichberechtigung der Frauen und das Frauenwahlrecht. Er musste gleichzeitig Kommunisten und Islamisten in Schach halten. Am Ende ist ihm beides nicht gelungen.

Sie sprechen von einer Verbindung zwischen Linken und Islamisten. Wo sehen Sie diese heute konkret in Berlin?

Ich habe kein Problem mit Muslimen als Menschen oder mit ihrem persönlichen Glauben. Meine Kritik richtet sich gegen den politischen Islam und gegen islamistische Strömungen, die aus meiner Sicht den Grundwerten einer freiheitlichen Gesellschaft widersprechen. Ich glaube, dass Teile der Linken diese Gefahr unterschätzen und ich weiß, wovon ich spreche, weil wir genau das im Iran erlebt haben. Viele iranische Linke, die den Schah stürzen wollten, mussten später das Land verlassen, weil sie von der Islamischen Republik verfolgt oder exekutiert wurden. Sie hatten vollkommen verkannt, welche Kräfte sie mit an die Macht gebracht hatten.

Sie beschreiben das nicht als vorübergehende Entwicklung, sondern scheinen darin etwas Langfristiges zu sehen. Wer ist aus Ihrer Sicht dabei federführend?

Mir bereiten vor allem organisierte islamistische Strömungen Sorgen, beispielsweise die Muslimbruderschaft. Ich glaube, dass deren gesellschaftlicher und politischer Einfluss in Europa häufig unterschätzt wird. Mir geht es dabei ausdrücklich nicht um Muslime als solche. Jeder soll seinen Glauben leben und so leben können, wie er möchte. Genau diese Freiheit möchte ich erhalten.

Die Linke hat die Wahl zwar gewonnen. Ob sie aber tatsächlich die Regierende Bürgermeisterin stellen und eine Koalition bilden kann, ist derzeit noch völlig offen. Warum fiel Ihre Reaktion trotzdem so drastisch aus?

Mein Video habe ich am Montag nach der Wahl aufgenommen. Ich war zwischen zwei Operationen, und es brodelte in mir. Ich dachte: Meine Güte, das kann doch alles nicht wahr sein. Dazu kamen die Vorgänge rund um den Linken-Bundestagsabgeordneten Ferat Koçak und die Anwesenheit von Ibrahim Ibrahim, einem langjährigen Aktivisten der von der EU als Terrororganisation eingestuften PFLP, sowie von Issa Remmo, dem Oberhaupt des bekannten Remmo-Clans, auf der Wahlparty der Linken in Neukölln. Unter diesem Eindruck dachte ich: Was für ein Chaos ist das hier? Natürlich habe ich das dann auch ein bisschen polemisch herausposaunt. Aber ich bereue das nicht.

Was befürchten Sie konkret, sollte die Linke künftig die Berliner Regierung führen?

Mich treibt die Vorstellung um, was passiert, wenn die Linke tatsächlich umsetzt, was sie angekündigt hat. Beim Thema Sicherheit, bei Enteignungen oder beim Mietendeckel. Wissen Sie, ich sehe jetzt schon am U-Bahnhof, was hier täglich los ist und ich glaube, dass sich die Situation weiter verschärfen würde. Hinzu kommt für mich die merkwürdige Zusammensetzung des Wahlvolks.

Wie meinen Sie das?

Wir haben hier eine für mich schwer nachvollziehbare Allianz zwischen Teilen der woken und queeren Linken und politischen Kräften, die islamistische Positionen relativieren oder unterstützen. Darin sehe ich einen fundamentalen Widerspruch: Islamistische Gesellschaftsordnungen stehen bei Frauenrechten, sexueller Selbstbestimmung und den Rechten homosexueller Menschen in einem diametralen Gegensatz zu den Werten der queeren Bewegung. Genau vor diesem Widerspruch warne ich.

Gerade in Berlin gibt es die „Queers for Palestine“-Community. Wie erklären Sie sich, dass Menschen aus der queeren Community selbst keinen Widerspruch darin sehen?

Das ist für mich ein fundamentaler politischer Widerspruch, den ich nicht nachvollziehen kann. Wenn man diesen Leuten das logisch aufdröselt, wird man ihnen verständlich machen, dass das suizidal ist, was sie da sagen. Das ist eine Tatsache. Im Iran werden Homosexuelle umgebracht. Geschweige denn, dass diese queere Community dort in irgendeiner Weise Duldung finden würde. All diese Menschen, die hier eine Regenbogenflagge schwenken, hätten dort überhaupt keine Überlebenschance.

Wenn Sie die Linkspartei für so gefährlich halten, dann sind Sie sicherlich auch der Meinung, keine andere Partei sollte mit ihr zusammenarbeiten?

Richtig. Sollte die Berliner SPD eine Koalition mit der Linken eingehen, würde sie ihre rechtsstaatliche Glaubwürdigkeit aufs Spiel setzen und damit riskieren, große Teile ihrer eigenen Wählerschaft zu verlieren.

Halten Sie dieses politische Instrument für das richtige? Bei der AfD hat die politische Ausgrenzung jedenfalls nicht verhindert, dass die Partei immer stärker geworden ist. Warum sollte eine Brandmauer gegenüber der Linken einen anderen Effekt haben?

Ich halte das Konzept der Brandmauer in einer Demokratie grundsätzlich für falsch. Die CDU hat sie letztlich zu ihrem eigenen Nachteil errichtet. Sie hätte die AfD viel eher entzaubern können, wenn sie die Partei schon längst mit in die politische Verantwortung genommen hätte. Wenn der Begriff der Brandmauer nun aber einmal etabliert ist, kann man das Prinzip genauso umdrehen und die Brandmauer auf der anderen Seite ziehen. Ich bin kein AfD-Wähler, aber bei der Linken sehe ich deutlich größere verfassungsrechtliche Probleme als bei der AfD.

Sie plädieren also dafür, die Brandmauer zur AfD aufzugeben?

Absolut. Ich halte sie für einen großen politischen Fehler. Schauen Sie nach Sachsen-Anhalt. Dort ist die AfD von fast 44 Prozent gewählt worden. Wenn man diese Partei grundsätzlich ausgrenzt, ist das eine Beleidigung ihrer Wähler, weil man sie entweder für unmündig oder für rechtsradikal erklärt. Und ich sehe diese Rechtsradikalität bei der AfD in ihrer Gesamtheit nicht. Gerade aufgrund meiner eigenen persisch-iranischen Herkunft wäre ich besonders sensibel, wenn ich bei der AfD tatsächlich rassistische oder rechtsextreme Tendenzen erkennen würde.

Sie sind selbst als Sohn iranischer Einwanderer in Deutschland aufgewachsen. Welches Verständnis von Integration haben Ihnen Ihre Eltern vermittelt?

Ich bin Iraner der zweiten Generation, Sohn von Eltern, die hierhergekommen sind und versucht haben, sich in Höflichkeit an das Leben hier anzupassen. Es gehört für mich zum Anstand und zur Höflichkeit, dass man sich anpasst. Ich beobachte zugleich eine zunehmende Sichtbarkeit religiös-konservativer Lebensformen, etwa durch das Kopftuch. Das darf man in einer freien Gesellschaft selbstverständlich tragen. Ich halte es aber ebenso für legitim, darüber zu diskutieren, welches Gesellschafts- und Frauenbild insbesondere hinter sehr konservativen religiösen Milieus steht.

Doktor Masyar Rahmanzadeh: „Für mich muss man zwischen persönlichem Glauben und politischem Islam unterscheiden“

Doktor Masyar Rahmanzadeh: „Für mich muss man zwischen persönlichem Glauben und politischem Islam unterscheiden“

© Emmanuele Contini/Berliner Zeitung

Sie stören sich also nicht nur an konkreten politischen Entscheidungen, sondern auch an sichtbaren Veränderungen im Alltag?

Mich stört nicht, dass Menschen Muslime sind oder ihren Glauben praktizieren. Meine Sorge beginnt dort, wo Religion demonstrativ politischen oder gesellschaftlichen Raum beansprucht und daraus Regeln für andere abgeleitet werden. In einer freiheitlichen Gesellschaft muss selbstverständlich auch Religion sichtbar sein dürfen. Aber ebenso muss Kritik an religiösen Praktiken und politischen Ansprüchen möglich sein.

Sie sprechen sehr grundsätzlich über den Islam. Wo ziehen Sie die Grenze zwischen der Religion von Millionen Muslimen und dem politischen Islam beziehungsweise Islamismus?

Für mich muss man zwischen persönlichem Glauben und politischem Islam unterscheiden. Problematisch wird Religion dort, wo aus religiösen Geboten ein politischer Herrschaftsanspruch und verbindliche Regeln für die gesamte Gesellschaft abgeleitet werden. Gegen diesen ideologischen und politischen Anspruch wende ich mich,  genauso wie ich mich gegen andere totalitäre Ideologien wende.

In dem bereits angesprochenen Video bezeichnen Sie die Linke als „Regierungsbande“, das Wahlergebnis als „Schmach“ und sagen, eine von ihr geführte Regierung würde „Dumme, Unfähige und Faule“ fördern. Zudem sind Sie der Meinung, die Politik der Linkspartei sei „unternehmerfeindlich“. Worauf stützen Sie dieses harte Urteil?

Das hat auch mit meiner eigenen Geschichte zu tun. Ich habe selbst eine Klinik in Berlin besessen und bin damals vollkommen blauäugig ins unternehmerische Risiko gegangen. Ich hatte die Klinik Hygiea übernommen, die wirtschaftlich praktisch tot war. Mir wurde vor dem Kauf in Aussicht gestellt, dass die Klinik künftig wie andere Krankenhäuser abrechnen könne und nicht länger lediglich als Belegklinik. Das hätte wirtschaftlich einen Unterschied von rund 40 Prozent bedeutet. Doch dazu kam es nie. Der Berliner Senat hat mich am ausgestreckten Arm verhungern lassen. Dabei habe ich viel für den Medizintourismus in Berlin geleistet. Ich bin aufgrund meiner operativen Fähigkeiten international gefragt und habe Patienten nach Berlin gebracht. Trotzdem wurde ich von der Berliner Verwaltung massiv behindert. Daher kommt meine Wut auf diese Leistungssuppression und auf eine Berliner Administration, die für mich bis heute von einer linksorientierten DDR-Ideologie geprägt ist.

Ihre Kritik richtet sich also nicht nur gegen einzelne politische Entscheidungen, sondern gegen ein grundsätzliches leistungs- und wirtschaftsfeindliches Klima in Berlin?

Richtig. Ich möchte die ganze Geschichte nicht noch einmal ausbreiten, weil der Prozess vor zehn Jahren beendet wurde und ich das nicht wieder durchleben möchte. Aber ich kann Ihnen sagen: Andere hätten sich bei dem, was ich erlebt habe, umgebracht. Ich hatte drei Häuser mit 90 Wohnungen, habe alles abgegeben. Ich wäre heute Multimultimillionär. Das war der absolute Wahnsinn. Daher kommt auch die Wut, mit der ich auf diese Politik reagiere.

Warum sind Sie nach diesen Erfahrungen trotzdem in Berlin geblieben?

Weil ich Berliner bin. Mein Vater wurde 1975 als Unfallchirurg Professor an der Freien Universität Berlin. Ich bin hier groß geworden, bin als Jugendlicher mit dem Fahrrad über den Ku'damm gefahren. Heute habe ich hier am Wittenbergplatz meine eigene Praxis. Ich bin West-Berliner. Das ist meine Stadt.

Nun haben Sie aber öffentlich angekündigt, Berlin verlassen zu wollen. Werden Sie das tatsächlich tun?

Ich habe bisher eine sehr hohe Toleranzschwelle gehabt, sowohl für das, was mir persönlich widerfahren ist, als auch für die zunehmenden Restriktionen, die Wirtschaftsfeindlichkeit und die Atmosphäre in dieser Stadt. Dazu kommt das Stadtbild. Wenn ich das irgendwann als so bedrückend empfinde, dass ich mich nicht mehr wohlfühle, ist für mich eine Grenze erreicht. Teilweise ist das heute schon grenzwertig.

Viele Menschen kündigen nach einem Wahlergebnis an, wegzuziehen und bleiben am Ende doch. Wie ernst ist Ihre Ankündigung tatsächlich?

Ich trage mich nicht erst seit dieser Wahl mit dem Gedanken. Deshalb habe ich bereits Vorkehrungen getroffen. Ich habe meine Fühler bereits ausgestreckt und schon die Legitimation erhalten, in anderen Regionen als Arzt zu operieren. Wann ich diese Karte ziehe, ist eine Frage der Zeit. Interessant ist, was passiert ist, seit ich meine Gedanken öffentlich geäußert habe. Ich habe massiven Zuspruch bekommen. Natürlich gab es auch Hass, aber viel weniger, als ich erwartet hätte. Menschen schreiben mir: Kommen Sie nach Hamburg, nach München, nach Düsseldorf. Auch renommierte Ärzte haben mir angeboten, bei ihnen zu arbeiten.

Haben Sie mit Ihrer Kritik etwas ausgesprochen, das viele Menschen denken, sich aber nicht öffentlich zu sagen trauen?

Hundertprozentig. Es brodelt. Bei mir kommt hinzu, dass ich mich intensiv mit der Geschichte des Iran und der Verbindung von Islamismus und Sozialismus beschäftige. Daher kommt mein großer Groll auf diese Konstellation und deshalb warne ich davor. Und ich bin der Meinung, dass ich als deutscher Iraner die Pflicht habe, das anzusprechen. Ich liebe Deutschland. Ich bin deutscher Patriot. Meine Heimat ist Deutschland, nicht der Iran.

Doktor Masyar Rahmanzadeh: „Mich wundert, dass es als mutig wahrgenommen wird, wenn ich diese Dinge ausspreche.“

Doktor Masyar Rahmanzadeh: „Mich wundert, dass es als mutig wahrgenommen wird, wenn ich diese Dinge ausspreche.“

© Emmanuele Contini/Berliner Zeitung

Was bedeutet Patriotismus für Sie?

Patriotismus hat für mich nichts mit Nationalismus zu tun. Nationalismus wertet andere ab und will sich über sie stellen. Patriotismus bedeutet für mich, stolz auf das zu sein, was das eigene Land hervorgebracht hat, anderen damit als Vorbild zu dienen und sich gleichzeitig mit ihnen auszutauschen.

Fehlt den Deutschen aus Ihrer Sicht heute genau dieses unverkrampfte Verhältnis zum eigenen Land?

Absolut! Schauen Sie sich an, was passiert, wenn man die Deutschlandfahne aufhängt. Verdammt noch mal, was ist mit dieser Fahne? Das ist doch völlig verrückt. Bei der Weltmeisterschaft 2006 konnten die Menschen auch Deutschlandfahnen schwenken. Warum sollte das heute ein Problem sein?

Was passiert mit Berlin, wenn sich die von Ihnen beschriebenen Entwicklungen in den kommenden Jahren fortsetzen?

Berlin degeneriert und verrottet. Es ist teilweise schon verrottet. Schauen Sie sich an, wie manche Straßen aussehen. Das heißt nicht, dass ich beispielsweise Obdachlose einfach vertreiben möchte. Man muss ihnen eine Alternative anbieten. Aber diese Zustände einfach zu dulden, ist doch völliger Wahnsinn. Ich bin nicht rechts. Ich bin sauber konservativ und vermisse eine Möglichkeit, mich bei einer Wahl auch entsprechend ausdrücken zu können.

Sie haben mit Ihren Äußerungen viel Aufmerksamkeit erzeugt. Haben Sie keine Sorge, dadurch auch ins Visier von Menschen zu geraten, die Ihnen möglicherweise schaden wollen?

Natürlich ist das ein Aspekt, den man nicht verdrängen darf. Auch Menschen in meinem Umfeld und meine Eltern machen sich Sorgen. Aber in mir hat sich über lange Zeit ein Reflexionsstau aufgebaut. Mich wundert, dass es als mutig wahrgenommen wird, wenn ich diese Dinge ausspreche. Durch die Reaktionen merke ich aber, dass es bei vielen ähnlich brodelt. Und ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass die Menschen zur Besinnung kommen und realisieren, wen sie da gewählt haben.

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