Trockenheit und Hitze

Berlin klebt: Das steckt dahinter

Nicht nur Klimaaktivisten kleben auf den Straßen – ein hartnäckiger Film hat sich in diesen Tagen über die Hauptstadt gelegt. Er sorgt dafür, dass alles klebt. Was hat es damit auf sich?

Team News Sophie Barkey sba/dpa
4 Min
Sommer in Berlin

Sommer in Berlin

© Maurice Ticatelle/imago

Autos sind betroffen, Fahrräder besudelt und Brillen eingetrübt: Wer derzeit draußen in Berlin unterwegs ist, dem wird die klebrige Substanz aufgefallen sein, die gerade als pappige Schicht überall verteilt ist. Grund dafür sind die Ausscheidungen von Blattläusen, die auch als Honigtau bekannt sind. Besonders in Berlin und Ostdeutschland hat sich in diesem Jahr nach einem Bericht von Deutschlandfunk Nova das klebrige Zeug stark verbreitet. 

Blattläuse gibt es demnach in diesem Jahr nicht mehr als sonst, dennoch tritt das Phänomen im Jahr 2023 stärker zutage. Stadtnaturexperte Derk Ehlert erläutert in dem Beitrag, woran es liegt. Das Problem sei mangelnder Regen und damit die Trockenheit. Normalerweise werde der klebrige Honigtau durch den Regen schnell weggespült. Doch in den letzten Wochen hat es in der Region besonders wenig geregnet.

Für viele Insekten und andere Tiere ist der zuckerhaltige Kot der Blattläuse zur Ernährung überlebenswichtig, so Ehlert. Wer ebenfalls neugierig auf den Geschmack geworden ist, muss keine Autoscheiben abschlecken – sondern kann Waldhonig aus dem Supermarkt kosten. Dieser besteht nach Angaben von Ehlert fast ausschließlich aus den Hinterlassenschaften der Blattläuse.

Lindenblätter kleben vom Honigtau.

Lindenblätter kleben vom Honigtau.

© Hanke/imago

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Trockenheit nicht einziges Problem: Strahlung macht Pflanzen zu schaffen

Für die Pflanzenwelt gibt es laut Experten größere Probleme als die Trockenheit. Genauso fatal seien aus Sicht von Ehlert die hohe Strahlungsintensität und die Temperatur. „Es ist nicht allein entscheidend, dass der Boden austrocknet. Es ist damit verbunden auch für viele Pflanzen sehr schädlich, dass so eine hohe Strahlungsintensität vorherrscht“, sagte der Fachmann der Senatsverwaltung für Umwelt, Mobilität, Verbraucher- und Klimaschutz der Nachrichtenagentur dpa. „Das sind also mehrere ungünstige Faktoren. Selbst wenn man einen Baum immer nass halten würde, könnte er oben Verbrennungen zeigen“, sagte Ehlert.

Erwärme sich der Boden stark, sei das zudem schädlich für das Leben im Boden, also etwa für Pilze und Bakterien, die wichtig seien für das Wurzelwerk. Mit Blick auf Berlins Wälder sagte Ehlert: „Die Bäume stehen unter ganz starkem Klimastress. Die haben in den vergangenen Jahren schon sehr viel Belastung gehabt und 2023 scheint wieder so ein Jahr zu werden.“ Als Reaktion könnten sich Bäume etwa von Blättern oder Nadeln befreien, die sie nicht mehr versorgen können, indem sie diese abwerfen.

In den vergangenen sechs Wochen habe es mit Ausnahme kleiner, lokaler Schauer kaum oder nicht geregnet in der Hauptstadt – nach einem Jahresbeginn mit überdurchschnittlich viel Regen, fasste Ehlert zusammen. „Es konnte erfreulich viel Wasser in den Wintermonaten in den Untergrund gelangen und auch tiefere Bodenschichten erreichen. Trotzdem herrscht bei uns immer noch Dürre im Boden“, sagte Ehlert. „Wenn ich mir was wünschen würde, dann wäre es ein einsetzender Regen, der ungefähr acht Wochen anhält.“. Das sei zwar nicht toll für die Gartenlokale, aber mehr als erholsam für die Tier- und Pflanzenwelt.

Trockenheit hat Auswirkungen auf die Tierwelt: Neue Arten

Auf die Trockenheit reagiere die Tierwelt sehr, sehr unterschiedlich. Schlecht sei die Situation vor allem für Arten, die unmittelbar im Wasser lebten oder davon abhängig seien, beispielsweise Frösche und Lurche. „Sie sind als erstes davon betroffen, wenn Teiche trocken fallen.“ Nutznießer gebe es aber auch, etwa wärmeliebende Insektenarten, die sich auch hierzulande zunehmend ausbreiteten. Als Beispiel nannte Ehlert die Gottesanbeterin, eine Fangschreckenart.

Auch exotisch wirkende Vögel wie die bunten Bienenfresser profitierten. Lange habe es diese Art nur punktuell im wärmebegünstigten Südwesten Deutschlands gegeben, inzwischen aber auch in Mittel- und Ostdeutschland. „Gar nicht weit vor den Stadtgrenzen Berlins entfernt im Süden gibt es schon die erste Bienenfresser-Kolonie“, sagte Ehlert. Ab und zu flögen die Vögel auch über Berlin. „Das ist eine Art, die wir uns noch vor 30 Jahren hier hätten nicht vorstellen können.“


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