8. August Am Baustellenrand laden zwei Männer, der eine älter, der andere jünger, vielleicht Vater und Sohn, Holzreste in ihr Auto. Noch Ofenheizung zu Hause?, fragt einer der Bauarbeiter, die die Fundamente einschalen. Nee, Kaminofen im Garten, antwortet der ältere Mann. Nimm reichlich, braucht man jetzt, sagt der Bauarbeiter und schaut beschwörend in den Himmel. Von dem ist auch weiter nicht viel Gutes zu erwarten, Tief "Isidor" hat uns im Griff. Es nieselt, und über die Baustelle pfeift ein kühler Wind. Das passt zu diesem seltsamen Sommer, der fast vorbei ist, ohne richtig da gewesen zu sein. Im Autoradio singt Tamara Danz vom Süden, in den es sie zieht. Wahrscheinlich hat sie Recht. Dort braucht man keine Kaminöfen, um mitten im Hochsommer warme Füße zu kriegen. Aber wir bleiben hier und warten sehnsüchtig auf einen kleinen Sonnenstrahl, der uns vielleicht noch ein bisschen wärmt. (tl.)----9. August WettergesprächWas machen wir am Wochenende?Wieso wir?Wieso nicht?Du wolltest doch zum Segeln.Ich weiß nicht.Was ist passiert?Ich friere.Sei kein Frosch.Ein Wetterfrosch!Ha, ha.Es wird regnen.Woher weißt du das?Ich spüre es.Was spürst du?Dieses Tief.Welches Tief?Ich bin feinfühlig. (tl.)----11. August Wir haben Mitte August, aber das Gras in Berlin ist noch so grün wie auf Postkarten aus England. Der Rasen vor der Volksbühne wird gemäht. Es duftet nach satter, nasser Natur. Rasen liebt Regen und eine gewisse Kühle. Wir haben Mitte August, aber in den Schuhgeschäften stehen nur Stiefel. Überwiegend diese Cowboystiefel mit dicken Absätzen. Stiefel, mit denen man durch nasses Gras laufen könnte. Die Kunden kaufen. Hinten im Laden stapeln sich unbeachtete Sandaletten und Pantoletten, auch teure Modelle sind billig geworden. Kein Wetter für nackte Füße. Wir haben Mitte August, aber die Leute tragen Fellwesten. Manche auch im Büro. Bei uns wird gerade die Heizung repariert, eigentlich war es sehr umsichtig, diesen Monat zu wählen. Kollegen, die gebräunt aus dem Urlaub zurückkehrten, müssen sich wieder warm anziehen. Nur oben, am Kopf über dem Ausschnitt, guckt noch der Sommer heraus. (syl.)
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