Im Dunkeln ist die Stadt manchmal eine andere. Kleiner und melancholisch. Es war Spätsonntagnachmittag, es regnete und nicht einmal ein Auto fuhr vorbei. Nur eine junge Frau ging vorüber, sie trug etwas wie ein Baby schützend in ihrer Jacke, es war ein kleiner Hund. Die Straße erinnerte an die dunkle Kleinstadt in der Uckermark (wie war doch gleich ihr Name?) wo wir letztens in dem einzigen Café am Ort die einzigen Gäste waren. Die Wirtin sagte, so sei es meistens, aber sie wollten das Café halten, als Hoffnung für sich selber und für die Fremden. Am Ende unserer kleinen Berliner Straße, kurz bevor sie in die Magistrale mündet, leuchtet hell ein Laden mit offenen Türen, da kann man auch sonntags Petersilie kaufen, Käse oder Kartoffeln. Das Geschäft floriert. Die Händlerstochter mit den sanften Mandelaugen reicht lächelnd die rosa Plastiktüte herüber. In solchen Momenten ist Berlin eine große Stadt. (rr.)----FernsehgesprächWir brauchen einen neuen Fernseher.Wie kommst du denn darauf?Man muss mit der Zeit gehen.Der alte ist doch sehr schön.Um Schönheit geht es nicht.Worum geht es?Um HD Ready.HD-was?Es geht um die Anzahl der Pixel.Aha.Je mehr Pixel, desto besser das Bild.Unser Bild ist in Ordnung.Aber nicht wie im Kino.Fernsehen ist eben nicht Kino.Mit genug Pixeln ist es wie Heimkino.Richtiges Kino ist besser.Wir können nicht jeden Tag ins Kino gehen.Mit deinen Pixeln gehen wir gar nicht mehr.(tl.)----Ein junger Mann um die zwanzig sackt auf den Stufen zum S-Bahnhof Oranienburger Straße zusammen und ruft: "Ich kann nicht mehr!" Ich will helfen, aber dann sehe ich, dass ein Mädchen zu ihm gehört, eine dieser schlanken Schnitten. Sie sieht teilnahmslos hin, dreht sich um und läuft mit klackernden Stiefelabsätzen zum Bahnsteig. Ihr Freund rappelt sich alleine auf. Er geht hinterher und spricht auf sie ein. "Du hast kein Herz. Und du lügst. So kann das nicht weitergehen." Die Schnitte sagt kein Wort. Er redet und redet, sehr laut. Die Reisenden Richtung Wannsee drehen sich um. Der junge Mann blendet seine Umgebung völlig aus, alles egal, die Verzweiflung muss raus. "Ich habe überhaupt keine Freude mit dir. Nur Pech!" Die S-Bahn kommt, die Schnitte steigt ein, ihr Freund folgt nach einem Zögern. So ist das mit dem Pech: Man weiß, woher es kommt und was es anrichtet. Aber man klebt dran. (syl.)
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