Über die Kollwitzstraße rennt mit rasender Geschwindigkeit ein Fuchs. Man sieht ihn dort öfter; mit Vorliebe am späten Abend wetzt er in geduckter Haltung zwischen den Beinen der Passanten hindurch. Das Leben scheint ihm ziemlich zuzusetzen; er hat etwas Abgezehrtes, Gehetztes an sich und erinnert tatsächlich an die bedrückten Landarbeiterinnen, die Käthe Kollwitz beim Dengeln gezeichnet hat. An der Belforter Straße biegt er in rasanter Schräglage um die Kurve und hat schon manchem Fußgänger einen gehörigen Schrecken eingejagt. Wovon lebt er bloß? Diese Frage konnte ein Besuch des Ludwigkirchplatzes beantworten. Auch diese ansprechende Gegend im Westen der Stadt wird von Füchsen belebt. Einer lief kürzlich, ebenfalls mit stark überhöhter Geschwindigkeit, über das von Straßencafés gesäumte Areal. Quer steckte ihm eine Ratte zwischen den spitzen Zähnen. (jae.)------------------------------Die Dame fragte mit schwäbischem Akzent, wo die Joachimstaler Straße sei, und ich erklärte es ihr mit der Selbstsicherheit des Großstädters. Überhaupt kein Problem, einfach geradeaus und die nächste rechts, das können Sie gar nicht verfehlen. Eine halbe Stunde später, ich war in der Gegend ein bisschen spazieren gegangen, trafen wir uns wieder, und die Dame sah nicht gerade fröhlich aus. Sie kennen sich ja bestens hier aus, mein Herr, sagte sie. Es stellte sich heraus, dass ich die arme Frau genau in die falsche Richtung geschickt hatte. Kleinlaut erklärte ich, dass es mit meinem Orientierungssinn nie weit her war und es äußerst riskant sei, sich von mir leiten zu lassen. Madame ging schnell weiter, noch ehe ich sie fragen konnte, ob sie ihr Ziel denn am Ende doch noch gefunden habe. (tl.)------------------------------Ausziehen oder Anziehen? Manche Leute haben noch den Sommer im Blut und wollen sich nicht von ihm trennen, andere sehen kalte Tage voraus und wollen vorbereitet sein. So ist das im Herbst. Nackte Beine in Sandalen begegnen Wattejacken und Pelzstiefeln - in derselben Stadt, an ein und demselben Tag. Ich will wenigstens im Gesicht etwas Sommerfrische erhalten. Weil viele Hautärzte von Solarien abraten, benutze ich Selbstbräuner, der soll sogar pflegend wirken. Dieses Jahr kaufte ich ein neues Produkt. Man sah nichts am nächsten Tag, ich blieb blässlich. Deshalb habe ich reichlicher aufgetragen. Seitdem verändere ich mich von Stunde zu Stunde, die Kraft aus der Tube nimmt immer mehr zu. Zuerst kam eine sanfte Tönung, dann eine starke Verfärbung ins Orangene. Momentan sehe ich aus wie eine gepflegte Möhre. Ich weiß nicht, was noch passiert, aber für alles werde ich den Kopf hinhalten müssen. (syl.)
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