AOK-Auswertung

Berlin: Psychisch bedingte Fehltage um fast ein Viertel gestiegen – Stress im Job?

In Callcentern werden Beschäftigte dreimal so oft wegen psychischer Probleme krankgeschrieben wie im Schnitt. Auch Busfahrer trifft es häufig.

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Ein Callcenter in Berlin: In diesem Berufsfeld kommt es zu langen Ausfallzeiten wegen psychischer Erkrankungen. (Archivbild)

Ein Callcenter in Berlin: In diesem Berufsfeld kommt es zu langen Ausfallzeiten wegen psychischer Erkrankungen. (Archivbild)

© imago stock&people

Berliner Beschäftigte fallen immer länger wegen psychischer Erkrankungen aus. Von 2016 bis 2025 nahmen bei Versicherten der AOK Nordost die Fehltage wegen entsprechender Diagnosen um 23 Prozent zu. Das geht aus einer regionalen Auswertung zum Fehlzeiten-Report 2026 des Wissenschaftlichen Instituts der Krankenkasse (WIdO) hervor.

Demnach kamen 2025 auf 100 AOK-versicherte Beschäftigte in Berlin 381 Fehltage wegen psychischer Erkrankungen, 2016 waren es noch rund 309. Die Fehlzeiten insgesamt sind laut der Auswertung im selben Zeitraum deutlich weniger stark gestiegen. Auch im Vergleich zum Vorjahr legten die psychisch bedingten Ausfälle leicht zu, während der Krankenstand insgesamt leicht sank: Im Schnitt fehlte jeder AOK-versicherte Beschäftigte in Berlin 2025 an 20,6 Tagen, nach 21,0 Tagen im Jahr zuvor.

Beschäftigte länger krankgeschrieben

Psychische Erkrankungen sind nach Angaben der AOK Nordost für knapp ein Fünftel aller erfassten Fehltage verantwortlich. Ins Gewicht fällt vor allem die Dauer: Eine Krankschreibung wegen einer psychischen Erkrankung dauerte 2025 im Schnitt rund 25 Tage. Wer wegen einer Atemwegserkrankung ausfiel, kehrte dagegen nach durchschnittlich etwa sechs Tagen an den Arbeitsplatz zurück.

Große Unterschiede zeigen sich zwischen den Berufen. Am häufigsten werden laut der WIdO-Auswertung Beschäftigte im Dialogmarketing, also etwa in Callcentern, wegen psychischer Erkrankungen krankgeschrieben: Auf 100 Beschäftigte kamen dort 43,1 solcher Krankschreibungen, fast dreimal so viele wie im Durchschnitt aller Berufe (15,0). Dahinter folgen Beschäftigte in der Heilerziehungspflege und Sonderpädagogik mit 32,9 Fällen je 100 Beschäftigte, in der Sozialarbeit und Sozialpädagogik (28,7), Bus- und Straßenbahnfahrer (28,5) sowie Beschäftigte in der Kinderbetreuung und Kindererziehung (28,2).

„Hinter langen Fehlzeiten stehen Menschen, die Unterstützung brauchen“, sagt Anke Jurchen, die bei der AOK Nordost das betriebliche Gesundheitsmanagement leitet. Wer psychischen Erkrankungen vorbeugen wolle, müsse nicht nur den Einzelnen stärken, sondern auch belastende Arbeitsbedingungen verändern.

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Bessere Erfassung, offenerer Umgang

Die Zahlen sind allerdings mit Vorsicht zu lesen. Die Auswertung erfasst nur AOK-Versicherte und ordnet sie ihrem Wohnort zu, nicht nach dem Arbeitsort. Wer in Brandenburg wohnt und in Berlin arbeitet, fließt also nicht in die Statistik ein. Zudem werden Krankmeldungen seit Einführung der elektronischen Arbeitsunfähigkeits-Bescheinigung 2022 vollständiger erfasst, was laut AOK Nordost einen Teil des damaligen Anstiegs beim Krankenstand erklärt.

Mehr Fehltage bedeuten nach Darstellung der Krankenkasse auch nicht automatisch, dass psychische Erkrankungen in der Bevölkerung im selben Maß zunehmen. Ein Teil des Anstiegs gehe darauf zurück, dass psychische Leiden heute besser erkannt, offener angesprochen und häufiger behandelt würden.

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