Kommentar

Streit um Nord-Süd-Bahn: Ein Mahnmal als Störfaktor

Eine unterirdische Bahntrasse beeinträchtigt im Berliner Tiergarten auch das Mahnmal für Sinti und Roma. Zwischenzeitlich war sogar von einer Verlegung des Denkmals die Rede. Nun scheint ein Kompromiss in Sicht.

Harry Nutt
Harry Nutt
2 Min
Denkmal für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma im Berliner Tiergarten.

Denkmal für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma im Berliner Tiergarten.

© dpa/Wolfgang Kumm

Nach vielen Jahren der öffentlichen Diskussion - in der Gegner des Vorhabens polemisch vorgebracht hatten, der Tiergarten werde zu einer beliebigen Gedenkmeile verkommen - ist es also nicht einfach nur da, vielmehr bedarf es auch der ständigen Pflege und Aufmerksamkeit.

Die aber droht durch ein aufwendiges Tunnelprojekt der deutschen Bahn für eine neue, unterirdische S-Bahn-Strecke nachhaltig infrage gestellt zu werden. Zwischenzeitlich war sogar von einer Verlegung des Denkmals die Rede, gegen die sich der 89-jährige Dani Karavan vehement zur Wehr gesetzt hatte. Erweist sich ein lange ungewolltes Stück der Erinnerungskultur nun also erneut als Störfaktor?

Die Vertreter der Deutschen Bahn beteuern, seit geraumer Zeit in enger Verbindung mit dem Zentralrat der Sinti und Roma zu stehen. Nun scheint ein Kompromiss gefunden, in dem Karavans teichähnliche Skulptur zwar unangetastet bleibt, über einen längeren Zeitraum jedoch durch Baustellenbetrieb beeinträchtigt wird. Wenn der Zentralrat der Sinti und Roma sowie Dani Karavan zustimmen, kann man die Unruhe durch bauliche Veränderungen vielleicht auch als produktives Zeichen dafür nehmen, wie wichtig es ist, historische Erinnerung lebendig zu halten.

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